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Gründen in der Krise: Lisa Seger hat ihr Label Atelier Liz gestartet

Gina Kutkat

Lisa Seger ist 31 Jahre alt und hat im April ihr erstes eigenes Label gegründet. Unter dem Namen "Atelier Liz" näht sie stylische Fair-Fashion-Kleidung. Vielleicht wäre es ohne die Krise gar nicht zur Gründung gekommen.

Gründen in der Krise

Manchmal muss man einen Gedanken etwas länger mit sich herumtragen, bis man ihn dann plötzlich in die Tat umsetzt. So ging es auch Lisa Seger mit ihrem Traum vom eigenen Modelabel: An einem Sonntag Mitte April hat sie sich spontan dazu entschlossen, einen Instagram-Account zu eröffnen und die ersten Bilder ihrer Kollektion hochzuladen. Der Startschuss für ihr Label Atelier Liz.

Die 31-Jährige hat während der Corona-Pandemie viel Zeit gehabt, an der Nähmaschine zu sitzen und an ihrer Kollektion zu arbeiten. Und sie hatte Zeit, eine Entscheidung zu fällen. "Ich habe schon lange überlegt, mir ein zweites Standbein aufzubauen", sagt Lisa Seger. "Vielleicht hat die Corona-Auszeit mir dabei geholfen, zu erkennen, was ich wirklich will." Und zwar, anspruchsvolle Modeunikate herzustellen, die man lange tragen kann.
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Die Idee

Infiziert mit der Liebe für Designs wurde Lisa Seger in New York, der pulsierenden Hauptstadt der Mode. "Das ist einfach meine Stadt", sagt Lisa Seger. Zwei Jahre verbrachte sie im Big Apple, arbeitete dort für eine deutsche Firma als Projektmanagerin. Durch Vernetzungen kam sie in Kontakt mit der Modeszene, besuchte unter anderem Shows der Fashion Week, traf Designerinnen und Designer. "Die Modeszene ist nicht bloß oberflächlich, obwohl ich das vorher auch gedacht habe", erzählt sie. Mit der Erkenntnis, dass Mode auch viel mit Kreativität und Freiheit zu tun hat, reist sie 2018 zurück nach Deutschland.

Inspiriert von kleinen New Yorker Labels setzt sie sich immer öfter an die Nähmaschine und näht Kleider, Taschen und Accessoires. Ihre Zielgruppe ist sie erstmal selbst. "Ich wollte mir schöne Teile selber machen." Bei einer Freundin ihrer Mutter, der Schneidermeisterin Bettina Brozio aus Teningen, nimmt sie Nähkurse und lernt vom Profi das Handwerk. "Dass ich von ihr lernen darf, ist ein Privileg für mich", sagt Lisa Seger. Von ihrem Umfeld, in dem es viele Selbstständige gibt, wird sie motiviert, auch in diese Richtung zu denken. "Der Austausch und das Feedback haben mir Mut gemacht, an eine Gründung zu denken."
fudder-Serie "Gründen in der Krise"
fudder beschäftigt sich mit jungen Menschen aus der Region, die mitten in der Krise ein Geschäft eröffnet, eine Kollektion herausgebracht oder sich mit ihrer kleinen Firma selbstständig gemacht haben. Wir porträtieren junge Menschen vor, die sich der Herausforderung gestellt haben, mitten in der Pandemie ihren Traum zu verwirklichen.

Überblick: Alle Teile der Serie "Gründen in der Krise"

BWL meets Nähmaschine

Die 31-Jährige ist in Ihringen am Kaiserstuhl aufgewachsen und hatte früh ein gutes Gespür für Ästhetik. "Ich war schon immer ein kreativer Mensch", erzählt sie. Studiert hat sie dann trotzdem erstmal was Solides: Lisa entscheidet sich für ein duales BWL-Studium. Dort eignet sie sich Wissen an, das ihr jetzt bei der Gründung zugute kommt. Sie sammelt nicht nur in New York Erfahrungen, sondern auch in der Merdinger Firma ihres Vaters.

Dort arbeitet sie 80 Prozent und übernimmt Aufgaben im Bereich Marketing, Personal und Finanzen. Nebenbei studiert sie mittlerweile Entrepreneurship – das Studium schlechthin für Start-Up-Gründer. In den Vorlesungen lernt sie alles über Crowdfunding, Zielgruppenbestimmung und die verschiedenen Gesellschaftsformen. Und sie lernt etwas über sich selbst: "Dass ich die Kompetenz habe, selber etwas zu starten." Das Resultat dieser Feststellung ist das Atelier Liz, das ihren Spitznamen im Titel trägt.



Das Atelier Liz

Schlicht und zeitlos, elegant und sportlich. Lisa Segers Grundprinzip ist es, Kleidung zu designen, die das Zeug zum Klassiker hat – und die sie selber gerne trägt. Dafür arbeitet sie mit einfachen Schnitten und hochwertigen Stoffen, die sie von Händlern aus Deutschland und der Schweiz bezieht. "Früher habe ich selber viel zu viel eingekauft, jetzt ist mir die Nachhaltigkeit der Kleidungsstücke wichtig", erzählt sie. Mit ihrem Label möchte sie beweisen, dass fair produzierte Mode auch cool aussehen kann.

Für ihre Kollektion arbeitet sie mit den Grundfarben Schwarz, Weiß und Blau. Es gibt einen luftigen Zweiteiler, bestehend aus Oberteil und Culotte; eine Bermudashorts soll noch dazukommen. Der Hingucker ihrer Linie ist eine Bomberjacke aus auffälligem Paisleymuster, die sie für Männer und Frauen näht. Lisa fertigt außerdem Fransentaschen und Kosmetiktaschen aus Samt an. Alle Teile haben zwei Dinge gemeinsam: Die Liebe zum Detail und die limitierte Anfertigung.

Preislich liegen die handgefertigten Designs zwischen 25 und 250 Euro. Im Moment kann man über die Instagram-Seite anfragen, seit Juni gibt es einen Online-Shop. "Es wäre toll, wenn das Label wächst, ich habe auf jeden Fall den Ehrgeiz und die Leidenschaft, es weiter voranzutreiben", sagt Lisa Seger. Die ersten Schritte sind auf jeden Fall getan: Aktuell plant sie mit ihren Gründer-Freundinnen einen Kaiserstühler Pop-Up-Store.
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