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Gründen in der Krise: Juliane König und ihr neu eröffnetes Café Bächle

Anika Maldacker

Juliane König ist 30 Jahre alt und hat am vergangenen Samstag ihr Café Bächle in Freiburg eröffnet – und damit mitten in der Corona-Krise ihren langgehegten Traum erfüllt. Wieso sie der Krise etwas Positives abgewinnen kann?

Während die ersten Restaurants in der Region wegen der Corona-Krise schließen, hat Juliane König sich am vergangenen Samstag einen Traum erfüllt, den sie schon länger mit sich trägt. Am 9. Mai hat sie ihr eigenes Café, das Bächle, am Friedrichring eröffnet – mitten in der Corona-Krise. Mehr als ein Jahr hatte sich die gebürtige Rimsingerin in Freiburg immer wieder mit Maklern getroffen, Räume besichtigt. Dass ihre geplante Neueröffnung mitten in die Corona-Pandemie und die damit einhergehende Teil-Schließung der Gastronomie fällt, hat sie zunächst verunsichert. Doch nun sieht sie die positiven Seiten darin, denn mit der Eröffnung erfüllt sie sich einen langgehegten Traum.


Der nahm 2017 eine erste Form an, als die heute 30-Jährige in Lyon Wirtschaft studierte. In ihrer Nachbarschaft befand sich ein Barista-Café. "Dort habe ich im Studium viel Zeit verbracht", sagt Juliane. Es gefiel ihr so sehr, dass sie nach ihrem Studium eine Ausbildung als Barista in dem Café machte – und anschließend für drei Monate nach Paris ging, um dort in einem Café im Marais weiterzulernen. "Nach mehreren Wochen Einarbeitung durfte ich den ersten Cappuccino servieren", erinnert sich Juliane, "die Milch muss auf 60 bis 65 Grad erhitzt werden, wird sie zu heiß, wird der Milchzucker zerstört." Juliane holt lachend ein Thermometer hinter ihrer Kaffeemaschine hervor. "Das habe ich mir dafür angeschafft."
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An diesem verregneten Mittwochmorgen steht sie in ihrem neuen Café vor dem geöffneten Fenster und verkauft auf die Straße. Es gibt Espresso, Cappuccino, Flat White und Batch Brew. Die Theke, Stühle und Tische hat sie vom Vorgänger-Café, dem Café Bistro Sayf, übernommen, das Ende März 2020 schloss. Ursprünglich wollte sie ihr Café mit Möbeln von Flohmärkten dekorieren – aber das muss nun warten. Immer wieder halten Kunden vor dem Fenster an, bestellen Kaffee, selbstgemachten Karottenkuchen oder belegte Brote mit Ziegenkäse und geröstetem Fenchel. Andere treten ein – bis zu drei Personen dürfen sich im Raum gleichzeitig aufhalten – und bestellen ihren Espresso drinnen. Juliane verschenkt selbst gemachte Schoko-Würfel an ihre erste Stammkundschaft. "Es gibt Leute aus der Nachbarschaft, die jeden Tag herkommen", erklärt sie. Ein Kunde gibt sich als Vater einer Bekannten zu erkennen und will ein Selfie mit ihr machen – alles mit Abstand freilich.

Ihren Kunden erklärt sie enthusiastisch, woher sie ihre Kaffeebohnen bezieht. "Ich arbeite mit einem jungen Unternehmer aus der March zusammen, der sich vor drei Jahren selbstständig gemacht hat", sagt Juliane. Von der Rösterei Røststolz bezieht sie eine nussige Röstung aus Guatemala und eine fruchtige aus Äthiopien. Außerdem schenkt sie auch eine brasilianische Röstung von Günter Coffee Roasters aus Günterstal aus.

Von Paris nach Brazzaville

Schon nach ihrer Barista-Ausbildung in Frankreich liebäugelte Juliane damit, in ihrer südbadischen Heimat ein Café zu eröffnen. Sie analysierte bereits den Markt in Freiburg, stand in den Startschuhen um ihren Traum zu verwirklichen. Als sie jedoch ein Angebot erhielt, als Entwicklungshelferin im Kongo zu arbeiten, wurden ihre Pläne durchkreuzt. "Die Chance nach Afrika zu gehen, kriegt man nur einmal im Leben", erklärt Juliane ihren Beschluss. Anderthalb Jahre lebte sie in der Hauptstadt Brazzaville, erarbeitet Strategien, Infektionskrankheiten einzudämmen. Danach zog es sie anderthalb Jahre nach Nigeria, dort engagierte sie sich als Entwicklungshelferin im Kinderschutz. Nach drei Jahren Afrika will sie zurück nach Südbaden.
fudder-Serie "Gründen in der Krise"

fudder beschäftigt sich mit jungen Menschen aus der Region, die mitten in der Krise ein Geschäft eröffnet, eine Kollektion herausgebracht oder sich mit ihrer kleinen Firma selbstständig gemacht haben. Wir porträtieren junge Menschen vor, die sich der Herausforderung gestellt haben, mitten in der Pandemie ihren Traum zu verwirklichen.

In ihrem letzten Jahr in Afrika, 2019, arbeitete sie bereits an ihrem Businessplan für das eigene Café. Bei jedem Besuch in der Heimat traf sie sich mit Maklern. Im Herbst 2019 besichtigte sie den Raum am Friedrichring 38 und bekam den Zuschlag. Kurz darauf verließ sie Nigeria und plante ihre Café-Eröffnung im April 2020. Unter Freunden und Bekannten machte sie eine Umfrage zum Namen. "Es gab zehn Namen zur Auswahl und die Wahl fiel eindeutig auf ’Bächle’", sagt Juliane. Weil sie nicht glauben konnte, dass der Name noch nicht als Marke gesichert ist, ruft sie verschiedene Abteilungen des Gewerbeamts Freiburg an. Doch der Name ist frei. Als ihre Planungen in den Endzügen waren, die Kreditaufnahme bei der Bank dingfest und die Kaffeemaschine bestellt, muss die Gastronomie bundesweit Corona-bedingt schließen. "Die Unsicherheit war das schlimmste", sagt Juliane rückblickend, "man hatte ja keine Ahnung, wie es weitergeht".



Kurz nach Ostern trifft sie die Entscheidung, zu eröffnen. "Ich hab versucht, es positiv zu sehen, dass ich durch einen ruhigen Anfang, langsam einsteigen kann", sagt sie. "Afrika hat mich gut darauf vorbereitet, mit allen Challenges klarzukommen", fügt sie lachend hinzu. Die Eröffnung am vergangenen Samstag beschreibt sie als großen Erfolg. "Es sind so viele Leute gekommen, damit habe ich nicht gerechnet", resümiert sie.
Öffnungszeiten:
Mo-Sa 8-18 h
Aktuell: Mo-Sa 10-16 h

Adresse:
Friedrichring 38
79098 Freiburg im Breisgau