fudder-Serie

Gründen in der Krise: In der Wiehre hat die Eisboutique "Scheinpflug" eröffnet

Angelina Klee

Richard Kim und Wolfgang Scheinpflug haben in der Corona-Krise eine Eisboutique am Annaplatz in Wiehre eröffnet. Mit fudder sprach Richard über die Eissorten, künftige Projekte und der Schwierigkeiten einer Eröffnung in der Krise.

Gründen in der Krise

"Wenn man Spaß an einer Sache hat, dann sollte man das auch einfach machen", sagt Richard Kim. Er ist einer der Inhaber der neueröffneten Eisboutique "Scheinpflug" am Annaplatz in der Freiburger Wiehre und meint damit, den Einstieg in die Eisbranche, den er und sein Partner wagten, obwohl die beiden nicht vom Fach sind. So optimistisch über eine Ladeneröffnung mitten in der Krise zu sprechen, traut sich womöglich nicht jeder. Richard Kim, 48, und sein Geschäftspartner Wolfgang Scheinpflug, 56, waren dies aber, als sie Ende April ihre Eisboutique in der Wiehre eröffneten – und sie es noch immer.

Aus einer spontanen Idee heraus haben die beiden eine Anlaufstelle für alle Eisliebhaber geschaffen. Denn die beiden produzierten schon vor der Eröffnung am Annaplatz selber Eis – und verkauften es in Waltershofen. Dabei kommen beide ursprünglich aus anderen Bereichen: Richard Kim hat zuvor in verschiedenen Bereiche, wie der Musik- und Modebranche gearbeitet. Wolfgang Scheinpflug kommt aus der Elektro- und Lebensmittelindustrie.

Die Eröffnung der Eisboutique war ursprünglich im Februar geplant, da dies zeitlich aber nicht ganz geklappt hab, entschieden sich Richard und Wolfgang für die Eröffnung am 22. April – mitten in der Corona-Krise. Auch wenn es ein Risiko mit sich brachte, hatten die beiden Gründer keine Bedenken, dass ihr Vorhaben scheitern könnte. "Es ist immer eine Einstellungssache", sagt Richard. Beide blieben in der Zeit optimistisch und haben den Gastro-Lockdown genutzt um den Laden auf das gewünschte Niveau zu bringen.
fudder-Serie "Gründen in der Krise"
fudder beschäftigt sich mit jungen Menschen aus der Region, die mitten in der Krise ein Geschäft eröffnet, eine Kollektion herausgebracht oder sich mit ihrer kleinen Firma selbstständig gemacht haben. Wir porträtieren junge Menschen vor, die sich der Herausforderung gestellt haben, mitten in der Pandemie ihren Traum zu verwirklichen.

Überblick: Alle Teile der Serie "Gründen in der Krise"

Während des Lockdowns gab es eine Zeit, in der sie keine Produktionsaufträge für ihr selbstgemachtes Eis hatten – wegen der geschlossenen Gaststätten und nicht stattfindenden Events. Dennoch produzierten sie in der Zeit weiter. Die Krise zeigte den beiden, wie Geschäftskunden aus der Gastronomie mit Bestellungen zurückhaltender wurden, die Laufkundschaft seit der Eröffnung Ende April aber dennoch ein großes Bedürfnis nach Eis hatte. "Auch wenn der ein oder andere Geschäftskunde sein Gewerbe leider aufgeben musste, so kommen ständig neue Partner hinzu", sagt Richard.

Die Betreiber

Richard Kim und Wolfgang Scheinpflug haben vor einigen Jahren fast schon zufällig ihre eigene Eisproduktion gegründet. Nachdem die private Kühltruhe mit Eigenkreationen überfüllt und die gesamte Familie ausgestattet war, kam der Gedanke, Eis nicht nur für private Zwecke herzustellen. So belieferten sie die erste Gastronomiestätte bis allmählich immer mehr dazu kamen. Neben ihrer Produktionsstätte und dem Eisladen in Waltershofen, stehen nun in Freiburg seit dem 22. April die Türen ihrer Eisboutique offen. Dass die beiden sehr bodenständig sind, merkt man im Gespräch. "Wir heben uns nicht von anderen Eisdielen in Freiburg ab", schätzt Richard.

Die Eissorten

Mit zwölf Sorten haben sie begonnen, darunter Klassiker wie Schoko und Vanille. Inzwischen gibt es auch ausgefallenere Sorten wie Himbeer-Minze oder Ingwer-Orange. Die Inhaber experimentieren selbst, welche Frucht mit welchem Gewürz zusammenpassen könnte und beobachten wie es bei den Kunden ankommt. Aktuell gehen Sorten wie Rahm-Karamell oder Ananas-Basilikum am häufigsten über die Verkaufstheke. Alle Fruchtsorten, die die Eisboutique verkauft, sind glutenfrei. Es gibt auch vegane Eissorten. Die Preise variieren, da keine klassischen Kugeln verkauft werden, sondern die Mitarbeiter mit dem Spatel arbeiten. Das bringt den Vorteil, dass man von der einen Sorte etwas mehr und von der anderen weniger wählen kann. Heißt: Im "Scheinpflug" zahlt man nach Gramm. Zur Orientierung: 100 Gramm kosten drei Euro.

Die Herstellung und Produkte

Richard und Wolfgang produzieren ihr Eis selbst in Waltershofen, einem Freiburger Ortsteil am Tuniberg. Die Produkte, die die zwei zu Eis verarbeiten, sind zu 80 Prozent bio und kommen meist aus der Region wie dem Kaiserstuhl und dem Tuniberg. Die Familien Kim und Scheinpflug haben auch eigene Äcker, auf denen sie Produkte für ihre Eisproduktion anpflanzen. Bei der Ernte bleiben sich die Inhaber treu und ernten, mit helfenden Händen der Familien, alles selbst.

Müssen die beiden jedoch eine Zutat von Übersee beziehen, ist es ihnen wichtig, diese direkt beim Erzeuger einzukaufen und nicht über einen Händler.
So bekommen sie zum Beispiel ihren Kakao von einer Freundin aus Madagaskar.

Die Kunden und zukünftige Projekte

"Unser Publikum ist sehr verschieden", sagt Richard, da am Annaplatz täglich jeder, ob jung oder alt, gut betuchte Leute mit Lackschuhen oder barfüßige Punker, vorbeikommen und sich ein Eis holen. Die beiden haben dieses Jahr noch einiges geplant. Richard und Wolfgang möchten ihr Sortiment um verschiedene Eistörtchen, die man sich vor Ort nach Belieben bestücken lassen kann, Eisbecher und eine Softeisbar erweitern.
Öffnungszeiten:

Mo bis So, 14 bis 19 Uhr (ohne Winterpause)

Adresse:
Kirchstraße 48, Ecke Annaplatz
79100 Freiburg