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Gründen in der Krise: Heimgärtnern mit dem Urban Hochbeet

Anna Castro Kösel

Der Frühling kommt – perfekte Zeit, um sich am Gärtnern zu versuchen. Um unerfahrenen Hobbygärtnerinnen und -gärtnern den Einstieg zu vereinfachen, haben die Studenten Chris Allié und Leon Hensler das Urban Hochbeet kreiert.

Die Idee

Die Idee zum Urban Hochbeet kam Chris im Sommer 2020, als ihm bei einem Wanderurlaub auffiel, wie sehr er die Natur vermisst hatte. In Freiburg habe man nicht immer unmittelbar Natur um sich, viele hätten nur einen Balkon, wie er selbst. "Ich habe mich gefragt: Wieso gibt es kein Komplett-Paket zum Gärtnern, was direkt an die Tür geliefert wird, mit dem man Gemüse und Obst auf dem eigenen Balkon anbauen und sich mehr Natur nach Hause holen kann?". Daraufhin rief Chris seinen Kumpel Leon an und die Idee nahm Gestalt an. "Ich war von dem Gedanken der Selbstversorgung fasziniert", erzählt Leon. "Beim Gärtnern spielen viele Komponenten eine Rolle, wie der richtige Untergrund, das Düngen, die Erde und das Gießen." Für den Einkauf brauche man viel Zeit und ein Transportmittel. "Berufstätigen, Selbstständigen und Menschen mit wenig Gärtner-Erfahrung möchten wir es gerne einfacher machen, indem sie das Urban Hochbeet mit den gewünschten Pflanzen, der Erde und einer Anleitung von uns direkt an die Haustür geliefert bekommen", sagt Leon.

Das Team

Chris und Leon, beide 23 Jahre alt, sind Freunde und Nachbarn. "Wir haben schon vor unserem Projekt gerne gegärtnert und uns mit Pflanzen beschäftigt", erzählt Chris. Mitten in der Innenstadt haben sie ihr "Office komplett zu Hause" eingerichtet. Beide studieren im Master – Chris VWL und Leon Marketing Management. "Passend zu unserem Studium tasten wir uns an die unternehmerischen Fähigkeiten heran", sagt Leon. Vormittags ist die Uni dran, nachmittags wird für Urban Hochbeet gearbeitet. "Chris ist der Biologe und ist mit unseren Partnern in Kontakt. Ich bin für Social Media und Marketing zuständig", erzählt Leon. "Im Herbst und im Winter, während des Lockdowns, haben wir an der Konzeptionierung gearbeitet. Jetzt haben wir ein Crowdfunding gestartet, was unserer Prognose nach erfolgreich sein wird."

Das Urban Hochbeet

Eine Frage hat die Gründer von Urban Hochbeet besonders beschäftigt: Woher können die Lebensmittel von morgen für die Stadt herkommen? "Dafür haben wir eine Kooperation mit der Gärtnerei Friderich aus Sasbach am Kaiserstuhl gestartet. Von dort beziehen wir unsere Pflanzen für unsere Saatauswahl", erzählt Leon. Bei den Pflanzensets gibt es fünf verschiedene Auswahlmöglichkeiten: den "Kräutergarten", die "Salattheke", das "Chillifeuer", das "Gemüsebeet" und den "Erdbeertraum". Neben dem Pflanzenset besteht das Komplettpaket aus Kokoserde, Hochbeeterde, Tongranulat und Dünger sowie dem Hochbeet selbst und einer Pflegeanleitung.

"Die Verpackungen sind aus recyceltem Material und wir achten auf einen klimaneutralen Versand", sagt Leon. "Die Erden beziehen wir aus Deutschland. Außerdem verzichten wir auf torfhaltige Erden, da der Torfabbau Moore und damit deren CO2- Speicherung zerstört. Unser langfristiges Ziel ist es, die Lieferketten der Erdgewinnung von den Erden, die wir beziehen, ganz nachvollziehen zu können." Das Stahlgerüst des Hochbeets stammt aus Barcelona, die Verpackungen aus Österreich. "Uns war es wichtig, dass die Partner aus Europa stammen", sagt Leon. Das Beetgestell aus Barcelona roste in den zehn ersten Jahren nicht und sei sehr leicht. "Man kann es in die Wohnung stellen, wenn es kalt werden sollte", sagt Leon. Damit man beim Heimgärtnern den Durchblick behält, hat Chris den "Unsterblichkeitsguide" entworfen. "Dafür habe ich einige Bücher gewälzt", erzählt er und lacht. Bei Fragen haben sich beide Tipps von der Gärtnerei Friderich geholt, erzählen sie. "Das ist also kein Google-Wissen", erzählt Leon. Im "Unsterblichkeitsguide" wird mit einfachen Symbolen erklärt, wie gegossen und gedüngt werden soll, wo der beste Standort ist und wie viel Sonne die Pflanzen brauchen. "Damit auch keine Pflanze stirbt", sagt Chris.

"Unser Ziel ist es, 100 Hochbeete zu verkaufen." Chris Allié
Kundenkontakt ist den beiden Unternehmern besonders wichtig. "Wir möchten immer erreichbar sein, wenn es Fragen gibt", sagt Leon. Der Preis von 119 Euro scheint etwas hoch. Die beiden Gründer entgegnen aber: "Ein Prinzip wie unseres gibt es so noch nicht. Wenn man sich ein eigenes Hochbeet zusammenstellen würde, würden genau so viel, wenn nicht noch mehr Kosten entstehen."

Und wie geht es jetzt weiter? "Unser Ziel ist es, 100 Hochbeete zu verkaufen. Wir sind hoch motiviert und freuen uns über noch mehr Bestellungen. Außerdem möchten wir in der Zukunft Hochbeete in verschiedenen Größen anbieten, zum Beispiel welche, die ans Fenster gehängt werden können", sagt Chris. "Wir hoffen, dass wir noch mehr Leute abholen können, die wenig Zeit, aber Lust aufs Gärtnern haben."
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