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Gründen in der Krise: Fünf Freunde aus Horben und ihr Apfelmann-Cider

Gina Kutkat

Sie kennen sich seit der Kindheit und haben jetzt ihr erstes gemeinsames Produkt herausgebracht: Fünf junge Männer aus Schallstadt und Horben stellen aus regionalen Äpfeln Cider her.

Gründen in der Krise

Fünf Freunde, die sich seit dem Kindergarten kennen, haben eine Schnapsidee und setzen sie in die Wirklichkeit um: So könnte man die Geschichte von Apfelmann-Cider schnell erzählen. Aber wie bei jeder Geschichte steckt auch hinter dieser einiges mehr. Mitten in der Krise ist das kleine Unternehmen von Marco Uhl, Timo Zimmermann, Philipp Maier, Jörg Winkler und Dirk Winkler nun startklar.
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Dabei spielt der Zeitpunkt der Gründung bei den fünf jungen Männern aus Schallstadt und Horben eigentlich keine Rolle. "Es hat sich einfach so ergeben, dass wir jetzt mit der Produktion fertig sind", sagt Marco Uhl, der zusammen mit Philipp Maier zum Interview geladen hat – mit Abstand auf der Terrasse in Schallstadt. "Es gab ein paar Wochen Verzögerung wegen der Abfüllung der Flaschen, aber ansonsten lief alles wie geplant", ergänzt Philipp Maier.

Die Idee

Die fünf Freunde um die 30 kennen sich seit Kindheitstagen und sind auch in Kontakt geblieben, als der eine zum Studium wegzog oder der andere seinen Beruf startete. Mittlerweile leben alle wieder in der Region und treffen sich regelmäßig – zum Grillen, zum Schwätzen, zum Fußballschauen. Letzteres ist ein Pflichttermin der Clique, der auch mit der Gründungsidee zusammenhängt: Alle fünf sind Fußball-Fans und schauen regelmäßig gemeinsam Bundesliga.

Bei einem Auswärtsspiel des SC Freiburg in St. Pauli wollen sie statt Bier eine Weinschorle bestellen. "Ich bin kein Biertrinker und deshalb haben wir nach Alternativen gesucht", erzählt Philipp. Doch im Millerntor-Stadion gibt es statt Schorle nur Cider, auch Apfelschaumwein oder Apfelperlwein genannt. "Wir haben das nicht gekannt, probiert und für interessant befunden", sagt Marco Uhl. Die Idee, das Getränk für den südbadischen Raum selber herzustellen, war geboren.

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Da braut sich was zusammen! #gärenerklären #wirmachenalkohol #dagärtwasimkeller

Ein Beitrag geteilt von Apfelmann Cider (@apfelmanncider) am Okt 17, 2019 um 2:39 PDT



Getränketechnologie & andere Expertise

Praktisch, dass jemand im Team ist, der sich mit der Herstellung von Getränken auskennt: Marco Uhl hat Getränketechnologie in Geisenheim studiert und arbeitet bei einem regionalen Getränkeproduzenten. In seiner Freizeit probiert er gerne rum – und weil es bei Jörg und Dirk Winkler Obstwiesen gibt, versucht er sich an Äpfeln. " Von der Zugabe von Hefe für die Gärung über die Reifung bis hin zum richtigen Maß an Zucker – es gab einige Experimente", sagt Marco. "Ich wollte es außerdem hinbekommen, dass es so wenig Produktionsschritte wie möglich gibt."

Seine vier Freunde, die alle selber im Berufsleben stehen, nennen ihn "Muraculix" und geben ihren Senf dazu, wenn er wieder was zusammengebraut hat. So nähern sie sich peu à peu der Rezeptur an, die allen schmeckt und hinter der sie gemeinsam stehen: Der Cider "Apfelmann", der nur aus regionalen Produkten besteht, in der Region produziert und abgefüllt wird, der nicht zu süß schmeckt, der den richtigen Kohlensäure-Gehalt und eine natürliche Farbe hat.
fudder-Serie "Gründen in der Krise"
fudder beschäftigt sich mit jungen Menschen aus der Region, die mitten in der Krise ein Geschäft eröffnet, eine Kollektion herausgebracht oder sich mit ihrer kleinen Firma selbstständig gemacht haben. Wir porträtieren junge Menschen vor, die sich der Herausforderung gestellt haben, mitten in der Pandemie ihren Traum zu verwirklichen.

Überblick: Alle Teile der Serie "Gründen in der Krise"

Cider-Herstellung

Regional, bewusst und entspannt, das sind die drei Pfeiler, auf die sich die Apfelmann-Philosophie stützt. Die erste Charge ihres Ciders stellen Marco, Timo, Philipp, Jörg und Dirk 2018 nur für sich und ihren Freundeskreis her. Dafür ernten sie 800 Kilo Äpfel eines einzigen Apfelbaumes, pressen diese aus und leiten die Gärung ein: Der Stiefvater eines Teammitglieds besitzt das Weingut Paradies in Freiburg St. Georgen und stellt seinen Keller dafür zur Verfügung.

Darin reift der Saft dann vor sich hin, bis Hefe hinzugefügt wird. "Um den Fermentierungsprozess zu optimieren und um den Geschmack zu beeinflussen, verwenden wir sogenannte Champagner-Hefe", erklärt Marco Uhl. Nach der Gärung erfolgt dann der erste Abstich. Nachdem der Cider ein paar Wochen gelagert ist, überprüft man verschiedene Parameter. "Wenn nach der mehrmonatigen Entwicklung im Tank alles stabil ist, kann abgefüllt werden", sagt Marco Uhl. Dann hat sich ein gewissen Aroma gebildet, das maßgeblich durch die Auswahl der Äpfel bestimmt wird. Damit es kein saures und stilles Gemisch bleibt, werden Zucker und Kohlensäure hinzugefügt.

Apfelmann-Cider

Für die aktuelle Charge des Apfelmann-Ciders wurden insbesondere Gala-Äpfel verwendet. Die Sortenauswahl bestimmt auch die Farbe und den Geschmack des späteren Ciders. "Die Rohwaren sind entscheidend", so Philipp Maier. Das Getränk gibt es in 0,33-Literflaschen zu kaufen – 8 Flaschen kosten 15 Euro –; der Alkoholgehalt pro Flasche liegt bei 6,6 Prozent.

"Am wichtigsten war uns, dass uns das Produkt schmeckt und wir damit zufrieden sind", sagt Philipp. "Alles andere werden wir sehen."