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Gründen in der Krise: Freiburgerin erfindet multifunktionales Handtuch "Towless"

Gina Kutkat

Weil sie genervt von ihrer vollgepackten Sporttasche ist, erfindet die Freiburgerin Nicole Mazurek ein Handtuch zum Anziehen. Zusammen mit Michael Habighorst bringt sie jetzt "Towless" auf den Markt. Was es kann?

Gründen in der Krise

Manchmal muss man etwas ganz lang ausprobieren, Rückschläge einstecken, wieder aufstehen, eine Idee ruhen lassen – und dann nochmal ganz neu anfangen. Das ist die Erfahrung, die Nicole Mazurek mit ihrem Label Towless gemacht hat. Die Freiburgerin hat über zwei Jahre daran gearbeitet, ihr Handtuch zum Anziehen auf den Markt zubringen. Nebenbei jonglierte die gelernte Einzelhandelskauffrau einen Vollzeitjob als Filialleiterin, kümmerte sich um ihre Familie und durchlebte wie alle anderen die globale Pandemie.

Erst, als sie ihren alten Bekannten Michael Habighorst wiedertrifft, kommt ihr Projekt so richtig ins Rollen. "Michael ist ein Problemlöser", sagt die 42-Jährige. Im Juli 2020 gründen die beiden eine Firma, mit der Mission, das Handtuch an die Frau zu bringen. Anderthalb Jahre später sitzt das Towless-Team in einem Freiburger Café und freut sich über die erste große Warenlieferung aus Portugal.

Die Idee

Wie kommt man darauf, ein Handtuch zum Anziehen zu erfinden? Weil man selbst eines benötigt. Nicole Mazurek stand oft mit beladenen Taschen voller Handtücher, Baby- und Sportsachen im Fitnessstudio. "Als Mutter eines kleinen Jungen hat man immer viel Zeug dabei, egal wie schlau man packt", erzählt sie. Deswegen sollte zumindest ein Bereich optimiert werden: Die Handtuch-Situation. Eins zum Sporteln, eins zum Abtrocknen, eins zum Saunieren. Weil sie im Internet nichts Passendes findet, wird sie selbst aktiv. Sie holt die Nähmaschine, die sie von ihrem Mann zum Hochzeitstag bekommen hat, aus der Kiste und fängt an zu nähen.

Schritt für Schritt und Kante für Kante. "Ich hatte von Anfang an genau im Kopf, wie es sein sollte und was es alles können muss." Sie probiert verschiedene Schnitte aus und braucht ein paar Anläufe, bis sie einigermaßen zufrieden ist. "Den elften Versuch konnte man anziehen", sagt Mazurek. Produkttesterin ist sie in den ersten Monaten selbst, trägt ihren Entwurf im Fitnessstudio und wird schnell von anderen Frauen drauf angesprochen. Denn das Handtuch sieht mit Kapuze und verschließbarer Vorderseite praktisch aus. "Da habe ich gemerkt, dass ich vielleicht etwas Sinnvolles erfunden habe."
Dass der Weg zum fertigen Produkt länger ist als gedacht, weiß sie zu dem Zeitpunkt noch nicht.



Das Entwickler-Team

Nicole Mazurek und Michael Habighorst sind Sportsfreunde – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: "Wir trainieren beide seit zehn Jahre zusammen in einer Capoeira-Gruppe", erzählt Mazurek. Vor drei Jahren treffen sie sich zum Mittagessen und sie erzählt ihm von ihrer Towless-Idee. Michael Habighorst ist zu dem Zeitpunkt Unternehmensberater, zuvor war er über acht Jahre lang in der freien Wirtschaft tätig, ursprünglich hat er Maschinenbau studiert. Die Idee kommt gut an, doch Nicole Mazurek macht zunächst alleine weiter. Für das Ladies Only Festival im Februar 2020 näht sie selber ein paar Towless-Exemplare und merkt, dass sie an ihre Grenzen kommt.

Sie macht sich auf die Suche nach einem Produzenten und landet bei einem portugiesischen Hersteller. Bestellt eine riesige Menge Stoff, die nicht ihren Qualitätsansprüchen genügt. "Es war alles für die Tonne." Nicole Mazurek ist kurz vorm Aufgeben: "Ich hatte kein Bock und kein Geld mehr." Genau einen Tag später ruft Michael Habighorst sie an und sagt, dass er gerne ins Projekt einsteigen würde. "Ich habe das Potential in dem Produkt gesehen und finde, es hat einen großen Mehrwert", sagt Habighorst.

"Das war für mich ein Zeichen", so Mazurek. Von nun an kümmert er sich um die Produzentensuche und sie baut zusammen mit ihrer Freundin Isabelle Schuble von der Agentur 5x Media die Auftritte im Internet und den Sozialen Netzwerken auf. Mit der Patentanmeldung für Towless folgt sie übrigens einer Familientradition: Schon ihr Vater war früher ein Tüftler und erfand einen Schraubenzieher mit Gelenk.
fudder-Serie "Gründen in der Krise"

fudder beschäftigt sich mit jungen Menschen aus der Region, die mitten in der Krise ein Geschäft eröffnet, eine Kollektion herausgebracht oder sich mit ihrer kleinen Firma selbstständig gemacht haben. Wir porträtieren junge Menschen vor, die sich der Herausforderung gestellt haben, mitten in der Pandemie ihren Traum zu verwirklichen.

Überblick: Alle Teile der Serie "Gründen in der Krise"

Die Handtuch-Produktion

Praktisch, tragbar und nachhaltig. Towless soll eine smarte Lösung sein für die viel beschäftigte Frau, die sich nach dem Duschen nicht umständlich ein Handtuch umbinden will. Oder für das Surfergirl, das sich am Strand umziehen muss. Oder die Mutter, die mit vollbepackten Taschen unterwegs ist. Und wie fühlt es sich an? Weich und hochwertig und mit der Funktion, auch abzutrocknen. "Wir wollen ein nachhaltiges und langlebiges Handtuch produzieren, das ein echter Begleiter im Alltag wird", sagt Nicole Mazurek.

Im November kam die erste große Bestellung des Produzenten Dykhoff aus Rheine in Deutschland. "Dieser lässt für uns Towless in verschiedenen Größen aus 100 Prozent ÖkoBaumwolle in seinen türkischen Partnerbetrieben produzieren", so Michael Habighorst. 400 Handtücher sind inzwischen angekommen, der ganze Prozess dauerte länger als gedacht.
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