Wechsel

Gründen in der Krise: Die Eisdiele Mariotti hat neue Pächter

Gina Kutkat

Paula und Loris Paniccia lernten sich in einer Freiburger Eisdiele kennen, jetzt haben sie hier selber eine übernommen. Seit dem 1. März betreiben sie Eis Mariotti in der Kronenstraße und treten damit mitten in der Corona-Zeit in große Fußstapfen.

Gründen in der Krise

Ein ungeschriebenes Gesetz in Freiburg lautet: Wenn Eis Mariotti in der Kronenstraße aufmacht, dann ist Sommer. Das gilt seit 2001, dem Eröffnungsjahr der beliebten Wiehremer Eisdiele. Und so war es auch dieses Jahr: Am 1. März 2020 wurde das Eispapier an den Fenstern entfernt und die ersten Kugeln wieder über den Tresen verkauft. Allerdings nicht von Mario Mariotti und seiner Frau Marcella Brogno, die den Laden fast 20 Jahre lang betrieben, sondern vom Ehepaar Paula und Loris Paniccia – den neuen Pächtern.

"Wir haben am 1. März aufgemacht und mussten dann bald wieder schließen", sagt Paula Paniccia. Denn als am 18. März die Ausgangsbeschränkung ausgesprochen wurde, waren auch Eisdielen betroffen. "So hatten wir uns das natürlich nicht vorgestellt", sagt Paula. "Corona hat uns unsere Pläne etwas kaputtgemacht." Das Ehepaar machte sich erst Sorgen – und wurde dann aktiv. Sie stellten kurzum einen Lieferdienst auf die Beine, der sich zwar nicht wirklich rentierte. "Aber wir wollten uns und unser Eis zeigen", sagt Paula.

Erst auf, dann zu, dann wieder auf: Als die Nachricht kam, dass Eisdielen wieder geöffnet haben dürfen, machten die Paniccias die Nacht zum Tag, produzierten Eis, installierten am Tresen eine Plexiglasscheibe, um am darauffolgenden Samstag bereit für die ersten Kunden zu sein. "Wir sind sehr motiviert und wir haben viel vor." Von Normalbetrieb kann allerdings auch im Juni noch keine Rede sein: Ein Absperrband macht die Sitzbänke neben dem Laden unzugänglich, blaues Tape zeigt den Gästen, wo sie sich wie anzustellen haben, im Laden gilt Mundschutzpflicht. Doch das Wichtigste: Es gibt jeden Tag wieder frisches Eis und die typisch mariottsche Schlange hat sich schon mehrfach gebildet.



Die Eismacher

Paula, 38, und Loris Paniccia, 42, haben viel Erfahrung mit der Herstellung und dem Verkauf von Eis: Sie lernten sich vor einigen Jahren durch die Arbeit in einer Freiburger Eisdiele kennen und lieben. Paula kommt ursprünglich aus Polen, Loris aus Fermo in Italien. Und wie es sich für ein internationales Paar gehört, heirateten sie in Österreich. Loris arbeitet seit insgesamt 20 Jahren als Eismann, Paula hat Lebensmitteltechnologie und Wirtschaft studiert. Keine schlechte Kombination für das Geschäftspaar: "Ich bin der Kontrollfreak und Loris macht das Eis", sagt Paula. Vor sechs Jahren eröffneten sie ihre erste Eisdiele "Sanremo" in Maulburg im Landkreis Lörrach. Auch Loris Bruder ist im Eisbusiness, ihm gehört die Eisdiele "Azzurro" in Müllheim.

Doch die Paniccias zog es geschäftlich immer nach Freiburg, hier ist auch ihr Lebensmittelpunkt. Die Eisdiele Mariotti kennen sie schon lange – sie waren selbst dort jahrelang Stammkunden und freundeten sich mit den Besitzern an. "Ich habe schon früh zu Mario Mariotti gesagt, dass das etwas für mich wäre", sagt Paula. Damals wollte dieser sein Geschäft allerdings noch nicht verkaufen. "Plötzlich kam dann im Winter die Nachricht, dass er aufhören will, weil er bald 80 Jahre alt wird", erzählt Paula. Sie und ihr Mann zögerten keine Sekunde: Sie kauften das Geschäft der Mariottis und haben nun endlich das Gefühl, angekommen zu sein.
fudder-Serie "Gründen in der Krise"

fudder beschäftigt sich mit jungen Menschen aus der Region, die mitten in der Krise ein Geschäft eröffnet, eine Kollektion herausgebracht oder sich mit ihrer kleinen Firma selbstständig gemacht haben. Wir porträtieren junge Menschen vor, die sich der Herausforderung gestellt haben, mitten in der Pandemie ihren Traum zu verwirklichen.

Überblick: Alle Teile der Serie "Gründen in der Krise"

In der Eistheke

"Wenn man eine Eisdiele übernimmt, übernimmt man auch das Eisrezept", erklärt Paula Panicchia. Mario Mariotti hat seinen Nachfolger Loris also in die Herstellung des Mariotti-Eises eingeweiht, das er nach einem alten 50-jährigen Familienrezept herstellt. Wie bislang auch gibt es bei "Mariotti/Panicchia" täglich 24 Sorten, die je nach Saison oder Tageslaune wechseln. "Neulich hatte ich Lust auf Schoki, süße Kirsche und Kekse, also hat Loris ein Eis draus gemacht", sagt Paula.Es sei im Nu ausverkauft gewesen. Loris produziert das Eis zwei Mal am Tag, einmal morgens, einmal abends. Spezialität des Hauses ist die Sorte Cheesecake-Himbeer, außerdem müsse man Mango und Dunkle Schokolade probieren, so die Chefin.

Das neue Konzept der Panicchias, die noch bis Ende des Jahres Marke und Namen der Mariottis beibehalten wollen, ist eine Mischung aus Tradition und Moderne: Paula und Loris wollen nicht viel verändern, aber ihre persönliche Note mit einbringen. Was das Fruchteis angeht, habe sie etwas umgestellt: Banane, Maracuja, Erdbeer, Himbeer, Waldbeere, Aprikose und Co. gibt es jetzt komplett vegan und glutenfrei. Produziert wird stets mit den Früchten, die gerade verfügbar sind. Die Waffeln gibt es auch in rot, blau und mit Streuseln. Zum Kaffee kann man Reismilch und laktosefreie Milch bestellen. Und während Kinder immer noch eifrig nach Spaghetti-Eis fragen, bieten Paula und Loris auch Becher aus Joghurt, Honig, Müsli, Pinienkernen und frischen Früchten an.

Das Ambiente

Pinke Markise, blaue Mariotti-Schrift, Leuchtreklame hinter der Theke und die wenig charmante Lage direkt an der Kronenbrücke: Was das Ambiente angeht, hat sich coronabedingt noch nicht viel verändert. Aktuell ist der Laden noch mehr eine Eisdiele zum Mitnehmen geworden, was sich aber in Zukunft ändern soll. Die Panicchias möchten noch einiges am Erscheinungsbild ändern. Auf Becher aus Biokunststoff haben sie bereits umgestellt.
Adresse & Öffnungszeiten

Eisdiele Mariotti bei Paniccia
Kronenstraße 9
79100 Freiburg

0761 7075061

Montag bis Sonntag
10 bis 22 Uhr



Mehr zum Thema: