Kunst

Graphic Novel aus Freiburg warnt vor der Gefahr von Rechts

Anja Bochtler

Wie hasserfüllt sich Rechtsextreme und rechte Politiker äußern, möchten fünf Freiburger mit der Graphic Novel "Vogelschiss" bewusst machen. Das Projekt wird durch Crowdfunding mitfinanziert.

Es ging ihnen selbst so ähnlich wie Eleni, der fiktiven Hauptfigur in ihrer Geschichte: Sie sind, ohne dass sie bisher politisch aktiv waren, einfach reingeschlittert in ihr Thema. Eleni ist eine alleinerziehende Mutter und hat weder Zeit noch Energie, sich mit den zunehmenden rechten Tendenzen zu beschäftigen. Doch dann werden in ihrer Umgebung neun Menschen bei einem rassistischen Anschlag ermordet. Rechtsextreme jubeln über die Tat, rechte Politiker verharmlosen sie. Dagegen wehrt sich Eleni und wird zusammen mit ihrem Nachbarn aktiv.

Aussagen von Dubravko Mandic als Anlass, aktiv zu werden

Für das fünfköpfige Graphic-Novel-Team waren die Äußerungen des Freiburger Stadtrats Dubravko Mandic, der die AfD inzwischen verlassen hat, der Anlass, aktiv zu werden. Es gab dazu viele Diskussionen in ihrem Bekanntenkreis, erzählt Frauke Bahle (52). Sie ist Biologin, hat als freiberufliche Redakteurin und Übersetzerin meist mit Fachbüchern zu Gesundheits- und Naturthemen zu tun, schreibt aber auch Kurzgeschichten und Gedichte. Irgendwann war klar: "Wir müssen was tun." Sie wollten die verstörenden Aussagen nicht einfach stehenlassen.

Eine davon, vom AfD-Politiker Alexander Gauland, der den Nationalsozialismus als "Vogelschiss" in der deutschen Geschichte bagatellisierte, hat es in den Titel der Graphic Novel geschafft. Mehr als 100 Originalzitate von rechten Politikern und Rechtsextremen tauchen auf. "Wir wollen den Menschen vor Augen halten, was solche Leute von sich geben", sagt Julian Waldvogel (36). Er ist freiberuflicher Illustrator und Taekwando-Lehrer und fragt sich angesichts der Zitate immer wieder: "Wie ist es möglich, dass sowas legal ist?"

"Wie ist es möglich, dass sowas legal ist?" Julian Waldvogel
Selbst wenn solche Äußerungen – nach immer gleichen Provokationsmustern ablaufend – nie lange im Mittelpunkt der Öffentlichkeit stünden, hinterließen sie dauerhafte Folgen, ist Joe Schneidmadl (51) überzeugt: Die Gesellschaft sei dadurch radikalisiert und in eine Spaltung getrieben worden. Er ist freiberuflicher Berater für digitale Medien und im "Vogelschiss"-Projekt vor allem für Organisatorisches zuständig.

Frauke Bahle hat die Texte geschrieben und ihre Kenntnisse vom Verlags- und Vertriebswesen beigesteuert. Weil sie ihre Botschaft nicht "dröge" oder wissenschaftlich vermitteln wollen, entschieden sie sich für die Graphic-Novel-Form. Die Bilder stammen von Julian Waldvogel. Er hatte davor schon Comics gezeichnet, die waren allerdings viel kürzer.

Eine Crowdfunding-Kampagne brachte bisher 20 000 Euro

Die "Vogelschiss"-Geschichte ist 120 Seiten lang. Seit Januar hat das Team, zu dem noch die Grafiker Vincent Beck und Verena Nunn gehören, jede einzelne Seite zusammen konzipiert, erzählt Frauke Bahle. Davor haben sie und Joe Schneidmadl die Dialoge entworfen. Die Finanzierung läuft über Crowdfunding, in den ersten zweieinhalb Wochen kamen bereits rund 20 000 Euro zusammen. Das ist etwa ein Viertel der Summe, die sie brauchen, um die Kosten zu decken. Geplant sind aber auch Spenden an fünf antirassistische Initiativen. Weil die üblichen Verlagswege zu langsam wären, publiziert das Fünfer-Team die Bücher selbst.

Anfang Juli sollen sie fertig sein, zweieinhalb Monate vor der Wahl. Dass sie damit überzeugte rechte Wähler erreichen, glauben sie nicht. Doch es gehe vor allem darum, diejenigen zu sensibilisieren, die rechte Tendenzen entschuldigen und verharmlosen, sagt Frauke Bahl: "Es darf keine Toleranz geben gegenüber Intoleranz."
Alle Infos zur Graphic Novel (24 Euro) und zum Projekt stehen auf http://www.vogelschiss-comic.de