Goa-Party in der KTS: Ausgleich vor Neondeko

Meike Riebau & Dominic Rock

Drei Tage Goafestival in der KTS: Zwischen psychedelischen Beats und Matratzenlagern trafen sich Goa-Fans aus Süddeutschland, der Schweiz und Frankreich in der Basler Straße. Domi und Meike haben bei den "Southern Systems" vorbeigeschaut, auf der Suche nach einem Lebensgefühl.



Samstag, 14 Uhr

Vor dem Gebäude der KTS blinzeln einige verkaterte Gestalten in den trüben Samstagmittag. Seit mehr als 18 Stunden dauert das Festival schon, und auf der Tanzfläche halten sich nur noch die letzten Unverwüstlichen auf, zucken und zappeln zu den hämmernden Beats unter der wildleuchtenden, neonfarbenen Deko aus Dreiecken, Spiralen, bunten, selbstbemalten Tüchern. Eine Unterhaltung ist bei dieser Lautsärke völlig unmöglich. Dazu geht man besser ins Obergeschoss.

Hier wird zwar auch Musik aufgelegt, aber leiser. Während sich die einen noch auf den herumliegenden Matratzen erholen, haben die anderen schon wieder das nächste Bier in der Hand. In einer Ecke wird mit zwei neonfarbenen Bällen jongliert. Die Luft ist zum Schneiden dick. Stimmengewirr. Auch in diesem Raum hängt die neonfarbene Spiraldeko. Sie erinnert an kleine Fadenstickereien, die man normalerweise in der dritten Klasse anfertigt; nur, dass die „Stickereien“ hier einen Durchmesser von einem Meter haben und nicht aus Stickgarn bestehen.

„Das da,“ sagt Carlos, der neben mir steht, "habe ich gemacht.“ Er deutet stolz auf ein Tuch mit einer aufgemalten Maske. Carlos ist vom Bodensee mit einer Clique angereist. Er geht etwa jedes zweite Wochenende auf Goas. Die weiteste Reise, die er mal für ein Festival gemacht hat, ging nach Rumänien, nach Transsylvanien. Carlos ist eigentlich Raumausstatter und in seiner Freizeit stellt er großflächige Kunstwerke her wie das Tuch und nimmt sie zu den verschiedenen Festivals mit, um dort etwas zur Deko beizutragen. „Hier in Freiburg ist allerdings schon ein Tuch weggekommen“, sagt er verärgert. Das liege daran, dass hier nicht nur Leute aus der Szene seien, sondern auch neue. „Das merkt man einfach, die sind anders drauf“.

Die erste Nacht lief für die Veranstalter erfreulich. Bei 550 verkauften Tickets wurde die Kasse irgendwann geschlossen. Am Samstagmorgen kam ein weiterer Schwung an Gästen. Andere sind schon wieder abgereist oder den Tag über bei Freunden in der Stadt.



Simone hat zu Hause geschlafen. Die 24-Jährige ist Mutter und kommt aus Freiburg. Seit sieben Jahren geht sie nun schon auf Goas, aber seitdem sie zwei Kinder im Alter von drei und einem Jahr hat, kommt sie nur noch selten dazu. Ihr Mann kümmert sich heute um die Kinder, damit sie hier endlich wieder einmal „abtanzen und alte Freunde wieder treffen“ kann. „Ich mag die Stimmung hier, es gibt verhältnismäßig wenige Drogen, weniger als bei anderen Festivals“, so ihre Ansicht. Das hebe die Stimmung.

Goa sei nicht nur eine Musik oder Party, sondern auch eine Art Lebensgefühl für sie. „Ich glaube, es macht mich offener für Stimmungen und Menschen, sensibler“ sagt sie noch, aber dann muss sie auch schon gehen, tanzen, es zieht sie wieder nach unten.



Samstag, 23.30 Uhr

Markus hat heute den ganzen Tag im oberen Raum verbracht, nur einmal ist er zur Tanke gelaufen um Kippen und Chips zu holen. Jetzt macht er sich auf den Weg nach unten, denn ein Freund wird gleich auflegen. Man kennt sich. Schließlich heißt das Festival nicht umsonst "Southern Systems", es ist eine Szene, die sich fast jedes Wochenende trifft, an verschiedenen Orten, in Deutschland, in der Schweiz oder in Frankreich.

„In der Woche studiere ich BWL und laufe mit Hemd und ordentlichen Lederschuhen rum, das hier brauche ich als Ausgleich“, schreit der Saarbrücker Student noch über die Bässe, bevor er sich von den Armen und Beinen auf der Tanzfläche verschlucken lässt. Es ist viel voller als mittags. Irgendjemand erzählt, dass die Polizei einmal da war, aber niemand weiß, warum, und ob es sich nur um ein Gerücht handelt. Dass die Polizei hier vorbeischauen könnte, ist nicht unwahrscheinlich. Der Drogenkonsum vieler Goa-Fans ist bekannt.



Sonntag, 11 Uhr

Das Bild ähnelt dem gestrigen, die Schatten unter den Augen der Festivalbesucher sind womöglich noch größer geworden, die Klamotten ein bisschen versiffter. Duschen hat die KTS keine zur Verfügung gestellt. „Das fand ich nicht so gut hier“, meint Steffi, die seit Freitag da ist. Der Kunst- und Germanistikstudentin aus Singen gefällt es aber trotzdem. Auch, dass die Veranstalter Schlafmöglichkeiten bereitgestellt haben, lobt sie. „Nur die Toiletten, die waren schon am ersten Abend vollgekotzt und total dreckig.“

Die kleinen Festival-Unnannehmlichkeiten nimmt sie aber in Kauf. „Denn es ist halt immer wieder die toll, hier die ganzen Leute wieder zutreffen und die Stimmung war super.“ Auch sie ist seit acht Jahren auf Goa-Partys unterwegs. Gut war’s in Freiburg sagt sie, während sie ihren Rucksack packt. Sie fährt mit ein paar Leuten im Auto nach Hause. „Und da werde ich zu allererst duschen und mich dann ins Bett legen, und sehr sehr lange schlafen.“

Mehr dazu:


Foto-Galerie: Dominic Rock

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.