Einzelhandel

Glaskiste bewirbt Bio-Sonnencreme und erntet heftige Kritik

Stefan Mertlik

Weil der Unverpackt-Laden "Glaskiste" eine vermeintlich natürliche Sonnencreme mit keinem offiziellen Lichtschutzfaktor verkaufte, erntete das Team heftige Kritik. Inzwischen ruderte die Glaskiste zurück.

Seit Samstag steht der Unverpackt-Laden "Glaskiste" in der Kritik. Der Supermarkt in der Moltkestraße hat eine vermeintliche Bio-Sonnencreme mit einem angeblichen Lichtschutzfaktor 20 verkauft und in den sozialen Medien beworben. Nachdem Nutzerinnen und Nutzer Zweifel an der Wirkung des Sonnenschutzes gehegt hatten, ruderte die "Glaskiste" zurück.


"Es ist kein laborgetestetes Produkt, hat keinen offiziellen Lichtschutzfaktor, es ist Natur pur und kann unter anderem aus Sicht der beiden Menschen, die es herstellen, und aus unserer persönlichen Erfahrungen, als Sonnenschutz verwendet werden", schrieb das Unternehmen am Montag auf Instagram. Diese Aussagen trafen in den Kommentaren auf wenig Verständnis. "Jedes Jahr erkranken tausende an Hautkrebs und mit sowas wollt ihr dazu beitragen?", fragt ein Instagram-Nutzer. "Wie kann man nur so verantwortungslos agieren", schreibt ein anderer.



Laut Produktbeschreibung besteht die Sonnencreme aus Kokosöl, Bienenwachs, Zinkoxid ohne Nanopartikel und Vitamin-E-Öl. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe (CVUA) schrieb auf BZ-Nachfrage, dass es die Inhaltsstoffe und die Produktunterlagen beim Hersteller prüfen müsse, um die Rechtslage einschätzen zu können. Das CVUA plane, sich das Produkt näher anzuschauen. Die Proben hierfür werden von der Lebensmittelüberwachung jeweils vor Ort gezogen.

Sicherheitsbericht von Fachleuten erforderlich

Die Vorgaben für Kosmetik unterliegen einer deutschen und einer europäischen Verordnung. Um Produkte wie die Sonnencreme verkaufen zu können, müssen Fachleute im Vorfeld einen Sicherheitsbericht verfassen. Dieser soll garantieren, dass kosmetische Produkte nicht gesundheitsschädlich sind. Für Behörden einsehbar muss zudem eine Produktinformationsdatei angelegt und das Produkt samt Originaletikett auf einem Web-Portal der Europäischen Kommission notifiziert werden.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bemängelte auf BZ-Nachfrage die Beschriftung des Etiketts, das in den sozialen Medien zu sehen ist. Soweit auf dem Tiegel keine weiteren Angaben stünden als auf dem vorliegenden Foto sichtbar, fehle unter anderem ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Auch der Name und die Anschrift des Herstellers oder Verantwortlichen seien nicht zu erkennen.

Sonnencreme wurde über "Deine Kiste" verkauft

Sanktionen bei Verstößen legt die deutsche Kosmetikverordnung fest und unterscheidet zwischen Straftat und Ordnungswidrigkeit. Als Straftat gilt beispielsweise die Verwendung eines nicht zugelassenen UV-Filters oder ein fehlender Sicherheitsbericht. Hiefür sind die Hersteller verantwortlich. Händler begehen hingegen eine Ordnungswidrigkeit, wenn sie die Kennzeichnung ihrer kosmetischen Ware nicht prüfen.

Die Sonnencreme wurde im Rahmen des Formats "Deine Kiste" verkauft. Dabei können Privatpersonen eine Kiste mieten und ihre Produkte von der "Glaskiste" verkaufen lassen. Im Mietvertrag heißt es, dass die "Glaskiste" keine Haftung für die Waren übernimmt und diese bis zum Verkauf im Besitz des Mieters bleiben. Doch so einfach ist es nicht, erklärt die Verbraucherzentrale. Der Ladenbesitzer müsse beispielsweise darauf achten, ob sich in der Kiste Produkte befinden, die verboten oder gefährlich sind. Da die "Glaskiste" den Verkauf der Sonnencreme abwickelt, sei sie eindeutig der Händler.

Die Sonnencreme befindet sich mittlerweile nicht mehr im Verkauf und fand davor auch keine Abnehmer, so die "Glaskiste" in den sozialen Medien. Bei der Glaskiste war die Geschäftsführung in dieser Woche nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Bereits im November vergangenen Jahres geriet die "Glaskiste" unter Druck, weil Back-Natron mit Waschsoda vertauscht worden war. Geschäftsführer Björn Zacharias begründete die Verwechslung mit einem Kommunikationsfehler.

Mehr zum Thema: