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Gesine Schrammel vom Boardshop: Wie geht’s und wie geht’s jetzt weiter?

Maria Schorn

Wie verbringen die Menschen in Freiburg die Krise? Was macht es mit ihnen und wie lenken sie sich ab? fudder fragt bei Studierenden, Sportlern und Selbstständigen nach. Folge 26: Gesine Schrammel, Inhaberin des Boardshop Freiburg.

Gesine Schrammel, 35, bildet zusammen mit Florian Bechert die Geschäftsführung des Boardshop Freiburg in der Salzstraße 26. Sie ist außerdem Mutter eines kleinen Sohnes.

Gesine, wie geht es dir?

Grundsätzlich zum Glück gut. Ich bin gesund und das ist momentan doch schon sehr viel wert. Zukunftsperspektivisch und und was die Motivation angeht leider inzwischen etwas ausgelaugt und frustriert.

Wie hast du die Nachricht über den ersten Lockdown im März aufgenommen?

Natürlich war ich in Bezug auf die Zukunft unseres Ladens erstmal besorgt, aber in Bezug auf das Wohl und die Gesundheit aller, habe ich die Maßnahmen als indiskutable Konsequenz gesehen.
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fudder möchte in dieser Serie junge Menschen aus Freiburg und der Region vorstellen und sie fragen, wie es ihnen in der Krise geht. Dabei möchte die Redaktion einen Querschnitt der Gesellschaft zeigen. Seit Mai stellen wir regelmäßig eine Folge von "Wie geht’s und wie geht’s jetzt weiter?" online.

Überblick: Alle bisherigen Folgen

Nach der vierwöchigen Schließung ging es für den Einzelhandel relativ normal weiter. Wie seid ihr mit den ganzen Auflagen zurechtgekommen?

Die Umsetzung der Auflagen war für uns kein Problem und auch keine große Einschränkung. Wir haben uns sehr schnell daran gewöhnt, dass eine Maske jetzt zu unserer Arbeitskleidung gehört und ein Spuckschutz war auch schnell gebastelt. Zum Glück haben wir sehr verständnisvolle Kundinnen und Kunden, die auch, ohne sich zu beschweren, mal vor unserem Laden gewartet haben, wenn die maximale Personenanzahl erreicht war.
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Dann kurz vor Weihnachten der zweite Lockdown, kein Weihnachtsgeschäft. Wie hat sich das angefühlt?

Der bittere Beigeschmack war auf jeden Fall größer als beim ersten Lockdown, auch, weil die Prognosen viel schlechter waren. Die Verluste, die wir durch die zweite Schließung haben, sind jetzt viel größer, vor allem da für uns nicht nur das Weihnachst- sondern auch das Wintergeschäft weggefallen ist. Uns fehlt jetzt jegliche Liquidität, um die kommende Frühjahrs- und Sommerware finanzieren zu können. Das heißt für uns, dass wir jetzt einen Kredit aufnehmen mussten. Der Grund dafür ist vor allem, dass die staatlichen Hilfen so lange auf sich warten lassen und wahrscheinlich auch nicht ausreichen werden.

Einen der wenigen positiven Aspekte des zweiten Lockdowns, den ich mir irgendwann für mich zurechtgelegt habe, war die freie Zeit zwischen den Jahren. Normalerweise stehe ich da immer im Laden. Dieses Jahr konnte ich endlich auch mal zwischen Weihnachten und Neujahr ausspannen.



"Jede Krise birgt auch Chancen". Kannst du diesem Spruch was abgewinnen?

Für uns im Kleinen würde ich das jetzt weniger sagen, aber für unsere Branche auf jeden Fall. Im letzten Jahr gab es bei der Individualsportart Skateboarding mal wieder einen Boom, wie ihn die Szene schon seit Jahren nicht mehr erlebt hat. Davon haben wir natürlich auch profitieren können.

Du bist alleinerziehend und selbständige Unternehmerin. Was ist die größte Herausforderung?

Natürlich erfordert die Situation eine ganz neue Art der Organisation und auch Anpassungsfähigkeit und Flexibilität sind viel stärker gefragt. Doch das wirklich Schwierige ist, meinem Sohn auch an meinen schlechten Tagen das Gefühl zu vermitteln, dass alles gut wird und dass wir das schaffen.

Wie geht es für dich jetzt weiter?

Tatsächlich bin ich derzeit perspektivisch positiv gestimmt. Mir scheint, es sind noch ein paar Wochen, die wir überstehen müssen und dann wird es wieder bergauf gehen. Wir haben das letzte Jahr gemeistert - dann werden wir auch das jetzige schaffen.

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