Sprayer

Gerade erst fertiggestelltes Auftrags-Graffito in Freiburg schon übersprüht

Jens Kitzler

Graffito schützt nicht vor Graffito: Ein Freiburger Kunstförderer hat eine bittere Erfahrung gemacht. Ein gerade erst fertiggestelltes Auftragswerk wurde von einem Sprayer teilweise übermalt.

Das Haus in der unteren Schwarzwaldstraße ist ein Hingucker: Zusammen mit dem Kulturaggregat vergibt Besitzer Heiner Sanwald die Gestaltung der Fläche seit Jahren an Künstler, um so wildes Bemalen zu verhindern. Trotzdem hat nun jemand das Gemälde teilweise übersprüht.


Vergangenen Samstag war Heiner Sanwald erst verblüfft und dann verärgert. Gegen Mittag hatte jemand ganz ungerührt begonnen, die Garagen des Sanwald gehörenden Hauses zu besprühen – und damit auch das große Fassadengraffito, das ein Straßburger Künstler namens "Stom500" dort erst kurz zuvor in Sanwalds Auftrag angebracht hatte.

Der Verursacher ist bekannt – will sich aber nicht äußern

"Und jetzt kommt der, sagt ,tote Vögel mag ich nicht‘ und sprüht drüber", entrüstet sich Sanwald. Tatsächlich fabriziert der Täter große Buchstaben über besagte Vögel. "Bald kommt mehr", steht da jetzt. "Fast eine Drohung", sagt Heiner Sanwald. Er kennt den Urheber, der hatte bei ihm früher einmal angefragt, die damals brachliegende Fläche besprühen zu können. Auf einen Anruf der BZ reagiert der Mann nicht.

Alle zwei Jahre engagieren Sanwald und seine Frau Traudel mit Unterstützung des "Kulturaggregats" an der Hildastraße einen Künstler, der die Front des Gebäudes und die Garagen mit einem großformatigen Bild besprüht. Das soll auch gegen Verunstaltungen helfen, denn üblicherweise übermalen die Sprayer bestehende Kunstwerke nicht so schnell.

In diesem Fall schon. Bereits zuvor waren die "Credits" – der Verweis auf Urheber und Helfer – auf dem Bild übersprüht worden. An diesem Samstagnachmittag holt Sanwald die Polizei. Die nimmt die Personalien des Sprayers auf, der keine Anstalten macht, zu fliehen. Das Gespräch sucht Sanwald nicht, das Motiv des Mannes bleibt unklar.

"Das hat uns schon irritiert", sagt Darwin Zulkifli, Vorstand beim Kulturaggregat. Klar habe die Graffiti-Szene ihre ganz eigenen Regeln. Dass da aber jemand, der um legale Flächen angefragt habe, jemand anderes übersprühe, der sich ebenfalls um diese Flächen beworben habe, das sei schon seltsam. Wenn man Respekt hat vor der Arbeit eines Künstlers hat, macht man das normalerweise nicht."