Theater

Geniale Genitalien: Wie war’s bei… der V-Show der Maniacts?

Martha Martin-Humpert

Passend zum Valentinstag haben die Maniacts den feministischen Klassiker Vagina Monologues ein weiteres Mal auf die Bühne gebracht – in neuem Format. "The V-Show" ist bedrückend, traurig, aber auch unfassbar witzig.

Die Atmosphäre

Es ist fast kein Durchkommen am Fahnenbergplatz. Vor den Räumen der Theaterfistung drängt sich schon um kurz nach sieben eine Menschenansammlung. Nicht überraschend, dass das Stück schon frühzeitig ausverkauft ist. Wer noch eine Karte ergattern konnte, steht rauchend draußen, blättert sich durch die ausgelegte feministische Literatur oder unterhält sich bei einem Bier über die beste Technik zum Betrachten des eigenen "Down there". Das Publikum ist studentisch, alternativ und ganz offensichtlich euphorisiert. Dem kommt zugute, dass das Stück als Late-Night-Show mit Einbeziehung der Zuschauer aufgebaut ist. So kann sich die enthusiastische Energie immer wieder in ausgelassenem Geklatsche, Gelächter und Jubelrufen entladen. Kurz: die Stimmung ist gut.

Die Optik

Let it glow! In der V-Show strahlt einfach alles: die riesigen "The-V Show" Lettern in goldenem Rahmen, das Old-School-Telefon, der Bühnenaufgang und nicht zuletzt die Darsteller*innen. Jeder und jede trägt einen einfarbigen Powerdress, dazu funkelt ein Haufen Glitzer. Das wirkt kein bisschen girly, sondern stark und selbstbewusst. Besonders schön ist die subtile Kombination der Farben in manchen Szenen: geht es um universelle Erfahrungen, stellen sich die Schauspieler*innen auf der Bühne so auf, dass ihre Kleider die Regenbogenfarben ergeben. Kommt die Periode zur Sprache, -stehen die Rottöne im Vordergrund beieinander. Gut ins Late-Night-Show-Bild passt auch die im Kontrast komplett in schwarz gekleidete Studioband Lizzy & the Valentines, die die einzelnen Auftritte standesgemäß mit Einlaufmusik begleitet, zwischendurch kleine Einspieler und zum Ende eine große Überraschung liefert.

Vaginas plaudern aus dem Nähkästchen

Eve Ensler entwickelte die "Vagina Monologues" nach Gesprächen mit über 200 Frauen, die ihr von ihren Beziehungen, ihrer Sexualität und ihren teilweise traumatischen Missbrauchserfahrungen berichtet hatten. "We are worried about vaginas!" Warum? Das wird ziemlich klar: Weil wir Scham haben über "down there" zu sprechen, weil niemand das "stinky weird girl" sein will, weil in vielen Ländern Abtreibungen unter Strafe stehen, weil noch 1948 ein 5-jähriges Mädchen wegen Masturbationsverlangen operiert wurde, weil Gwyneth Paltrow Kerzen mit Vaginageruch verkauft. Say what? In den Monologen erzählen die Frauen von Frustration, Lust, Verlangen und all den guten und schlechten Erfahrungen, die sie aufgrund ihres Genitals, das oft wie eine gute Freundin beschrieben wird, gemacht haben. Das ist manchmal bedrückend, hin und wieder traurig, oft aber einfach nur absurd und wahnsinnig lustig.

Die gesellschaftspolitische Relevanz

Egal ob #Aufschrei, #metoo, Gesetze zum Informationsverbot von Abtreibungen, die Senkung der Luxussteuer auf Periodenprodukte: die im Stück erwähnten Themen, die speziell Frauen betreffen, stehen in den letzten Jahren immer wieder in den Schlagzeilen. Kein Wunder, immerhin hat zwar die Hälfte der Weltbevölkerung eine Vagina, diese war in der Vergangenheit aber oft zu beschämt, um sich zu Bedürfnissen zu äußern oder Rechte einzufordern. Tat frau das dann doch, wurde schnell Hysterie oder Emanzentum unterstellt. Zum Glück gibt es mittlerweile eine ganze Reihe an wirklich amüsanten und unterhaltsamen Werken, die nicht mehr den moralsauren Alice-Schwarzer-Ton brauchen, um mit ernsthaftem Augenzwinkern auf Missstände hinzuweisen. Die Auseinandersetzung mit einem zentralen Organ des weiblichen Körpers kann zwar die Probleme nicht alle auf einmal lösen. Aber sie kann zu einem entspannten Verhältnis führen und bewirken, dass man bereit ist, für seinen Körper einzustehen, bestehende gesellschaftliche (Schönheits-)Normen zu hinterfragen und gegebenenfalls dagegen aufzubegehren. It’s a pussy riot.
Gendersternchen*

Normalweise verzichten wir für bessere Lesbarkeit auf das Gendersternchen*. Weil wir mit unseren Lesegewohnheiten experimentieren wollen, haben wir es dieses Mal verwendet.

  • Was: V-Show
  • Wo: Theaterfistung, Hörsaal Fahnenbergplatz
  • Wann: 18. und 19. Februar, 19.30 Uhr
  • Eintritt: 7/5 Euro

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