Ganes im Spiegelzelt: Wassernixen-Konzert

Martin Kranz-Badri & Janos Ruf

Magisch, märchenhaft, seelenvoll – das alles trifft es nicht. Die aus den Dolomiten stammende, auf unverständlichem Ladinisch singende Band Ganes hat gestern aus dem trüben Abend einen strahlenden Sommertag gezaubert.



Beim ZMF-Auftakt im strömenden Regen sind alle Zuschauer froh, als sie endlich kurz vor Konzertbeginn ins rettende Spiegelzelt eingelassen werden. Schnell wird klar, das Konzert ist weit entfernt von ausverkauft. Auf der Bühne ist die Band Ganes noch mit dem Soundcheck beschäftigt. Sie sind spät angekommen, weil sie noch im Stau steckten.

Das gibt dem sich langsam in den Nischen und auf dem Boden einrichtenden Publikum die Chance, die drei Cousinen aus Südtirol und die Band näher kennen zu lernen. Die Schwestern Marlene und Elisabeth stimmen ihre Geigen, ihre Cousine Maria nickt dem Publikum freundlich zu. Hinter den vielen  Perkussionsinstrumenten fällt erst gar nicht auf, dass neben Bassist, Keyboarder und Gitarrist ein Schlagzeuger fehlt. Die studierte Perkussionistin Maria wird im Laufe des Konzerts immer wieder diesen Part übernehmen.

Das erste Lied des Konzerts, zugleich Titel der neuen CD „Mai Guai“, hat einen Schlagzeugbeat aber auch gar nicht nötig, denn die Echo-Soundeffekte von Keyboard und Gitarre geben den Rhythmus vor. Jeder der Musiker nimmt sich zurück, gibt dem anderen Raum für einen Gesamtklang, auch die drei Sängerinnen bestechen durch Präzision bei den häufig mehrstimmigen Passagen. So ziehen die Stücke den Hörer musikalisch in einen Bann, keiner braucht den Text zu verstehen, nachdem der Titel kurz auf Deutsch erklärt wird.

Ganes singen auf Ladinisch, der Muttersprache der drei Cousinen aus dem kleinen südtiroler Örtchen La Val. Ladinisch stammt aus dem Vulgärlatein, ist am ehesten mit dem in der Südostschweiz angesiedelten Rätoromanisch verwandt. Diese Minderheitensprache wird nur noch in einigen abgelegenen Tälern der italienischen Dolomiten gesprochen. Es ist die Sprache der Kindheit der drei Sängerinnen, die zum Musikstudium nach Österreich und Deutschland auszogen.

Leider zeigt Ganes nur selten die ganze Bandbreite des Könnens. Alle Bandmitglieder sind studierte Musiker, was besonders hervorsticht in einem Stück über den Zusammenhang zwischen Mond und Laune, was auf Ladinisch „Lüna“ bedeutet. Solche experimentellen Elemente, Soundeffekte, bewusst schräge Laute hätten dem bisweilen zu poppig daherkommenden Ethno-Folk gut getan.

Doch mit der Ballade „Recordete“ über ein Kind im Kriegsgebiet, nehmen Ganes das Publikum gefangen. Die zarte Stimme, begleitet von gestrichenen Geigen und spärlichem Klavier wirkt fast klassisch durchkomponiert und driftet zum Schluss in einen smoothen Jazz.

Das bisher zögerliche Mitwippen des Publikums geht spätestens bei „bun sciöchal é“ in Tanzen über, als der Gitarrist den südamerikanische Stil durch eine Tanzeinlage ergänzt. Das Highlight ist die erste Zugabe: „Jora“ aus dem alten Album „rai de sorëdl“ – Sonnenstrahl -  beschwört die Leichtigkeit eines Sonnentags in den Dolomiten und man möchte zusammen mit den glockenhellen Stimmen übers Tal fliegen. Die Wasserfeen - was Ganes übersetzt heißt - haben das Publikum betört. Der Regen ist plötzlich unwichtig auf dem Heimweg.

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