Nightlife-Guru: Erotikmesse Extasia in Basel

Nightlife-Guru

Der Nightlife-Guru ist am Samstag für Euch auf einer Veranstaltung der besonderen Art gewesen. Die Erotikmesse Extasia, laut Veranstalter die größte ihrer Art in der Schweiz, lud Pärchen, Frauen und vor allem Männer das ganze Wochenende dazu ein, der Lust an der Übung der Fortpflanzung zu frönen.



Im Bus Nr. 36 vom Badischen Bahnhof zur St. Jakobshalle fallen mir zwei Damen auf, die ich gern der Stilfrage unterzogen hätte. Laufen die jungen Baslerinnen jetzt so rum? Doch auf den letzten Metern Fußweg zur Erotikmesse merke ich: Die beiden Ladies in hohen Stiefeln, zur Jahreszeit unpassend durchlässigen Strumpfhosen und Leoparden-Miniröcken haben dasselbe Ziel wie ich: Sie gehen zur Arbeit auf die Extasia.

Am Ticketschalter vor dem Eingang zum Eishockeystadion werden für einen einmaligen Eintritt 45 Schweizer Franken fällig. Weil ich für etwas essbares und das Busticket schon zu viele meiner zuvor eingetauschten Fränkli verpulvert habe, muss ich 30 Euro löhnen.

Die Jungs an der Tür

...sind zuvorkommend, haben viele Ausweise zu kontrollieren (das Schild am Eingang verweist auf "Strikte 18 Jahre") und nehmen mir das soeben erstandene kleine braun-orange Märkchen wieder ab. Hier soll wohl Diskretion Vorrang haben und jeglicher Beweis vernichtet werden.

Irgendwie haben es die beiden Damen aus dem Bus schneller in die Halle geschafft: Sie stehen an einem Tisch im Eingangsbereich und füllen Tüten mit Flyern, zwei Magazinen, in denen eindeutige Kontakte angeboten werden, sowie mit einer DVD und verteilen diese an die sich in die Schlange eintrudelnden Besucher. Nach einem Blick auf die DVD wird mir klar: Diese knackigen Damen sind zwei der Hauptdarstellerinnen in diesem Film über "Arschenputtel" und den "Fünf-Finger-Rabatt", den sie bekommen soll. Apropos: Wie sie es mit 3 Zentimeter langen künstlichen Fingernägeln über die ganze Zeit schaffen, solch kleine flache Flyer in die Tüten zu bugsieren, nötigt mir doch eindringlichen Respekt ab.

Wer ist gekommen?



Überraschend viele Pärchen tummeln sich an den Ständen mit den Sexspielzeugen. Dafür ist an den Wühltischen, in denen man sich "4 DVDs für 20 CHF" aussuchen kann, weniger los: Ab und zu ein scheuer Mann mittleren Alters (nein, nicht der Nightlife-Guru), der aber schnell wieder verschwindet. Ob hier tatsächlich etwas gekauft wird?

Wahrscheinlich reichen den meisten die kostenlosen Giveaways, unter anderem der Katalog eines Versandhandels samt DVD mit praktischen Anwendungstipps. Oder der Adventskalender, ebenfalls eine DVD mit 24 Kapiteln. (Auch ich nehme all das gerne in Empfang, denn damit sind die Weihnachtsgeschenke für die fudder-Redaktion besorgt.)

Frauen sind nicht wirklich selten, dennoch überwiegt eindeutig die Anzahl männlicher Gäste, die entweder unter 20 oder über 40 sind. Die im Alter dazwischen haben ihre Freundin dabei. Und wenn Damen allein oder zu zweit in zivil zu sehen sind, bemerkt man beim näheren Hinsehen, dass diese stark geschminkt und in Richtung Bühne unterwegs sind.



Am meisten los ist an der Hauptbühne. Modeschauen wechseln sich ab mit Shows von Damen, die anfangs entweder Leder, Lack oder sonstige Reizwäsche tragen. Am Ende sind sie – fast biblisch – alle gleich. Dass das interessant für die geneigten Zuschauer ist, wundert kaum, und so komme ich selten wirklich in die Nähe des Geschehens. Der Bühnenrand ist von Anfang an besetzt von etwa 15 Herren mittleren Alters, die ihre riesigen ausfahrbaren Geräte auf der Bühne ablegen und bei jeder der Damen fleißig bedienen. Die Zuschauer weiter hinten, das fällt auf, haben die eindeutig kleineren – Kameras.

Im hinteren Teil der Halle steht noch eine kleinere Bühne mit diversen Anbind-und Knebeluntensilien, deren Shows ebenfalls stark umlagert sind. Thematisch passend finden sich drumherum die Stände, deren Ausstellungsgegenstände hauptsächlich schwarz oder aus dem militärisch-polizeilichen Bereich kommen. Verboten fesselnd das Ganze.

Klangwaren-TÜV



Techno der 90er Jahre überwiegt als Begleitmusik der Shows, die erwartete sanfte Saxophon-Musik, wie man sie aus Pornos kennt, fehlt leider. Schlager dafür nicht: Der sowohl als Pornostar als auch als Sänger arbeitende JP Love singt hirn- und herzzerreißend von seiner neulich auf Mallorca gemachten Bekanntschaft, an der ihm zuerst ihre "75 D" auffiel. Sein Anblick bietet eine Neudefinition des Begriffs Porno-Brille, die von weitem eher wie ein schwarzer Balken aussieht.

Einrichtung und Deko

Eigentlich ist die St. Jakobshalle ein Eishockeystadion, doch deren kühle Athmosphäre wird nur durch den Anzeigewürfel in der Mitte der Decke und die leeren Zuschauerränge deutlich. Zwischen den Ständen, die Kleidchen für Rollenspielchen, Lack, Leder und Werkzeuge für BDSM und natürlich Dildos in allen Farben und Größen anbieten, ist es angenehm warm. Um nicht zu sagen heiß, denn nicht nur auf Plasmabildschirmen sind leicht bis nicht bekleidete Damen zu sehen. Auch die 3-D-Girls, in sehr ungemütlichen hochhackigen Schuhen und in Hotpants, aus denen der Tanga hervorlugt, herumstolzierend, werfen dem Nightlife-Guru sehr anregende Blicke zu. Müssen sie das tun oder bin ich wirklich attraktiv? Ich entscheide mich für letzteres.

Catering und Getränkekarte



Obwohl die Messe schon nachmittags beginnt, ist die Getränkekarte eindeutig abendlich: Bier gibt es für 4,50 SFR (0,25l), Cola kostet 4 Franken. Spirituosen pur kosten 9 SFR, diese 4 cl in eine Brause gemischt sind den äußerst fixen Barkeepern 12 Franken wert. Kaffee gibt es leider keinen, doch für Aufmunterndes ist schließlich an allen anderen Ständen und vor allem auf der Bühne gesorgt.
Die Speisekarte ist recht klein, dafür aber thematisch durchaus passend: Es gibt Hotdogs und Sandwiches. Und auch die Anordnung der Karten auf der Wand hinter der Bar ist einem hier weit verbreiteten Motiv nachempfunden.

Aufregerle



An einem einzigen Messestand fehlt die persönliche Beratung: Die Broschüren zu Verhütung und AIDS-Prävention liegen zwar herum und jeder kann sich kostenlose Kondome mitnehmen. Aber gerade dieser Stand sollte besetzt sein.

Erregerle

Wo frau überall Perlenketten tragen kann...

Halb vier auf dem Klo

Fast keiner da, es ist sauber, der Duft der Raucherecke um die Ecke zieht sanft in den Toilettenraum unter den Zuschauertribünen. Doch was ist das für ein Geräusch? Es klingt, als würde sich jemand ganz schnell mit viel glibbriger Seife die Hände waschen...
Oh, gut, jemand wäscht sich tatsächlich die Hände. 

Fazit

Drei DVDs und zwei Magazine, alle mit ähnlichem Inhalt, sind die Ausbeute. Dazu diverse Flyer, ein Kondom und ein Lollie. Aber nicht nur dadurch kam hier jeder auf seine Kosten, die Live-Shows trugen garantiert ihren Teil bei. Aber nicht nur kaufen und schauen war möglich, auch Massagetipps (natürlich nur mit besonderen und teuren Ölen), Tantra-Beratung, Tattoo und Piercing konnte sich jeder abholen, der wollte.
Nur wahre Liebe gab es keine.

 

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Foto-Galerie: Nightlife-Guru