Wintervorbereitungen

Für Freiburgs Obdachlose gibt es nun einen Kälte-Bus

Simone Lutz

Für die kalte Jahreszeit hat die Stadt zusammen mit freien Trägern ein neues Winterkonzept für Obdachlose entwickelt: Es gibt nun auch nachmittags Wärmestuben und es fährt ein Kälte-Bus.

Hunderte von Menschen in Freiburg sind von Obdachlosigkeit bedroht oder haben bereits keine Wohnung mehr, knapp hundert leben tatsächlich immer auf der Straße. Damit sie alle im Winter so gut wie möglich versorgt sind, hat die Stadtverwaltung zusammen mit freien Trägern ein Winterkonzept erarbeitet. Künftig gibt es neu Wärmestuben am Nachmittag und einen Kälte-Bus für alle, die in Parks, auf Plätzen und in Straßen schlafen.

Die Zahlen sind heftig: Im vergangenen Jahr lebten in Freiburg ungefähr 90 Menschen auf der Straße. Etwa 700 kamen in letzter Not in städtischen Wohnheimen oder bei freien Trägern unter. Fast 4000 weitere Personen waren von Obdachlosigkeit bedroht oder direkt betroffen. Wie viele es genau sind, weiß niemand.

Zwei neue Angebote

Um ihnen zu helfen, haben Stadtverwaltung und freie Träger wie Caritas, Diakonisches Werk oder "Obdach für Frauen" ein dichtes Netz an Hilfsangeboten geknüpft, vom Begegnungscafé bis zum Kleiderladen. Während der Pandemie wurde auch ein Wärmezelt beim Essenstreff an der Schwarzwaldstraße für die Nachmittage aufgestellt.

"Wir haben uns nach den Erfahrungen mit dem Wärmezelt zusammengesetzt und früh überlegt, welche Schlüsse wir draus ziehen", sagt Boris Gourdial, Leiter des Sozialamtes. Ergebnis: In diesem Jahr soll die Versorgung noch besser werden.

Zwei Angebote sind nun dazugekommen, sagt Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach, sie gelten von November bis März. Erstens: Nachmittags können sich Obdachlose abwechselnd in der "Insel" der Heilsarmee (Innenstadt) oder im Ferdinand-Weiß-Haus des Diakonischen Werks (Stühlinger) aufwärmen. Auch in der Notübernachtung Oase (Haslach) werden Zimmer und Teeküchen früher geöffnet sein. Zweitens fährt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mit einem Kälte-Bus in kalten Nächten zu denen, die im Freien schlafen.

Kaffee und heiße Suppe

Kerstin Rießland vom DRK koordiniert die Einsätze des neuen Kälte-Busses zusammen mit ihrem Kollegen Matthias Albiez. Schon drei Mal war der Bus bisher unterwegs, ab 21 Uhr steht er immer eine Stunde lang am Platz der Alten Synagoge – mit offenen Türen, Kaffee in der Thermoskanne, heißer Suppe, Erster-Hilfe-Ausrüstung, Decken, Hygieneartikeln, Schlafsäcken – kurz, allem, was obdachlose Menschen brauchen könnten.

"Die Leute kommen ziemlich schnell", sagt Rießland, die meisten seien nett und auch dankbar. Parallel dazu geht ein Kollege mit einem Handwagen voller Nützlichem los und schaut an Orten wie dem Stadtgarten, hinter der Stadtbücherei oder unter Dreisam-Brücken, ob es den dort Schlafenden gut geht. In Notfällen könnte der Rot-Kreuz-Helfer auch medizinische Hilfe leisten – bei Minusgraden kann es durchaus sein, dass damit Leben gerettet werden können. Irgendwann fährt der Kälte-Bus los und kommt dazu.

Stiftungen helfen

Möglich sei das alles nur dank der guten Zusammenarbeit mit den freien Trägern und den Spenden von Stiftungsverwaltung, Homann-Stiftung und der Stiftung des erzbischöflichen Stuhls, sagt Ulrich von Kirchbach. Auch aus dem Spendentopf von Ober- und Sozialbürgermeister kam Geld, außerdem finanziert die Stadt eine halbe Sozialarbeiter-Stelle.
Hilfe

Wer Obdachlose in Not melden oder selbst spenden möchte, erreicht das DRK auch unter der Hotline des Kälte-Busses, Tel. 0761/88508988.