Wahlkreis 281 (Freiburg)

Für Chantal Kopf (Grüne) hat die Klimakrise Top-Priorität

Manuel Fritsch

Chantal Kopf ist die Grünen-Kandidatin im Wahlkreis Freiburg bei der Bundestagswahl. Für die BZ hat sie die aus ihrer Sicht sieben größten Herausforderungen und mögliche Lösungen benannt.

Chantal Kopf (26)

Seit 2013 ist Chantal Kopf ehrenamtlich politisch aktiv, zunächst bei der Grünen Jugend, zuletzt als Kreisvorsitzende der Freiburger Grünen. Als Mitglied des Landesvorstands nahm sie an den Koalitionsverhandlungen nach der Landtagswahl zu europapolitischen und grenzüberschreitenden Themen teil. Kopf kommt aus Baden-Baden und ist zum Politikstudium in die Region gekommen – erst nach Munzingen, dann nach Sölden, Ihringen und schließlich nach Freiburg-Herdern, wo sie heute wohnt. Während des Studiums arbeitete sie im Wahlkreisbüro der Grünen Bundestagsabgeordneten Kerstin Andreae. Dort, sagt Kopf, habe sie gelernt, was gute Wahlkreisarbeit bedeute – die Präsenz im Wahlkreis 281 (Freiburg) werde ihr nach der Wahl als Abgeordnete wichtig bleiben. So wolle sie in Freiburg wohnen bleiben.
E-Mail: chantal.kopf@gruene-freiburg.de



Sieben Dinge, die wir jetzt angehen müssen und meine Vorschläge dazu:

  • Klimakrise: Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, der Bericht des Weltklimarates, die Fluten in Deutschland, die Hitze in Südeuropa – all das zeigt klar und deutlich, dass die Klimakrise unsere Top-Priorität sein muss, und dass hier bislang zu wenig passiert ist.
  • Wir schlagen ein Klimaschutzministerium und eine Ausrichtung aller Politikfelder am 1,5-Grad-Ziel vor. Wir werden ein Klimaschutzsofortprogramm auflegen und eine Klimaallianz mit den USA schmieden.

  • Verkehr: Gerade im ländlichen Raum sind viele Menschen aufs Auto angewiesen, weil es dort keine attraktiven Alternativen gibt. Zu viel Geld fließt in Straßenbau, statt in den ÖPNV und das Schienennetz.
  • Wir müssen echte Wahlfreiheit zwischen den Verkehrsmitteln schaffen und dafür mehr Geld in umweltfreundliche Mobilität stecken: in den ÖPNV-Ausbau, in Radverkehr, ein verlässliches Schienennetz. Konkretes Beispiel aus der Region: Ich möchte die B 31 West stoppen und dafür Bahnprojekte wie Freiburg-Colmar beschleunigen.

  • Energie: Deutschland war vor 20 Jahren mal Vorreiter bei der Energiewende, die CDU-Regierungen seither haben die Erneuerbaren leider stark ausgebremst. So verfehlen wir die Klimaziele. Die Abhängigkeit unserer Industrie von fossilen Energieträgern ist nicht zukunftsfähig.
  • Wir brauchen einen massiven Ausbau und höhere Ziele für Windkraft und Photovoltaik. Da braucht es ordnungspolitische Vorgaben, wie etwa die Photovoltaik-Pflicht auf Neubauten, wie es sie nun in Baden-Württemberg gibt. Mit Zukunftstechnologien wie Wasserstoff wollen wir den Industriestandort Deutschland absichern.

  • Soziale Gerechtigkeit: Unsere Gesellschaft ist zunehmend gespalten. Das liegt nicht an der Klimapolitik, sondern an einer schlechten Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Der Mindestlohn ist zu niedrig, das Hartz-IV-System entwürdigend und jedes fünfte Kind wächst in Armut auf.
  • Wir müssen Harz IV überwinden und durch eine vernünftige Grundsicherung ersetzen. Außerdem wollen wir den Mindestlohn auf 12 Euro anheben und eine Kindergrundsicherung einführen. Durch das Energiegeld werden wir außerdem finanziell schwächere Menschen und Familien entlasten.

  • Europa: Außenpolitisch wiegen derzeit wirtschaftliche Interessen schwerer als Menschenrechte. Das kann nicht sein. Innereuropäisch fand ich etwa die Grenzschließungen während der Pandemie kontraproduktiv. Da hätte ich mir ein europäisches Vorgehen gewünscht.
  • Wir müssen als Europa nach außen selbstbewusster auftreten. Da können wir internationale Standards setzen. Und nach innen müssen wir das Europaparlament stärken und die Vorteile Europas mehr in den Vordergrund rücken.

  • Bildung: Dass während der Pandemie Kitas und Schulen geschlossen wurden, aber Großraumbüros offenblieben, darf sich nicht wiederholen. Auch die Belange von Studierenden sind untergegangen.
  • Der Bund muss sich stärker finanziell an einer modernen Ausstattung von Schulen beteiligen. Ich fände es richtig, dafür das Kooperationsverbot zu lockern. Das BAföG muss reformiert und leichter zugänglich werden.

  • Investitionen: In den letzten Jahren war Deutschland trotz niedriger Zinsen auf die schwarze Null fokussiert. Dadurch sind dringend nötige Investitionen ausgeblieben.
  • Wir möchten begrenzt und zielgerichtet mehr ins öffentliche Vermögen investieren: in Brücken, Schulen, klimafreundliche Technologien. Das sichert unseren Wohlstand.


Chantal Kopf im BZ-Fragenwirbel


So kam ich zur Politik

Ich war, soweit ich mich zurückerinnere, schon immer politisch interessiert und den Grünen zugeneigt. Meine Familie ist sehr politisch. Mein Großvater ist ein wahres CDU-Urgestein, mein Vater kommt eher aus der 68er-Ecke. Da hatten wir immer spannende Diskussionen. Das hat mich früh geprägt. Bei der Bundestagswahl 2013 war ich 18 Jahre alt und habe mich geärgert, dass Klimaschutz als Thema so wenig Gewicht hatte und die Grünen recht schwach abgeschnitten haben. Ich habe dann beschlossen, neben dem Studium selbst politisch aktiv zu werden und dazu beizutragen, dass sich etwas verändert.

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