Brettspiele

Fünf Spiele-Empfehlungen für die heimische Quarantäne

Manuel Fritsch ("Insert Moin")

Seit Samstag befindet sich Freiburg im "Lockdown". Klar, dass einem schnell die Decke auf den Kopf fallen kann. fudders Spieleexperte Manuel Fritsch hat fünf Spieletipps, die gegen den Lagerkoller helfen und für Abwechslung sorgen.

Kitchen Rush

  • Echtzeit Restaurant-Manager für 2-4 Spieler ab 8 Jahren
  • von Dávid Turczi und Vangelis Bagiartakis / Verlag: Pegasus Spiele

Kitchen Rush ist ein kooperatives Echtzeitspiel, bei dem wir gemeinsam ein neues Restaurant eröffnen und leiten. Im Verlauf von acht Kapiteln arbeiten wir uns von der kleinen Spelunke hoch bis zur Sterneküche und müssen uns um Einkauf, schmutzige Teller und anspruchsvolle Gäste kümmern. Das Spielprinzip ist dabei so einfach wie ungewöhnlich: Statt klassischen Holzfigürchen bewegen wir echte Sanduhren über das Brett. Wollen wir beispielsweise Fleisch, Gemüse und Käse aus der Speisekammer holen, stellen wir dort einen unserer zwei Zeitmesser umgedreht hin, um anzuzeigen, dass wir ins Lager gehen. Der rieselnde Sand symbolisiert dann die Dauer, die wir für diese Aktion benötigen. Erst wenn die Sanduhr durchgelaufen ist, dürfen wir diese Figur auf ein neues Feld bewegen und sie dort wieder umdrehen, um beispielsweise Gewürze beim Händler zu kaufen oder die Zutaten am Herd zu einem Gericht zu verwandeln.
Das alles passiert gleichzeitig, und wie in einer echten Großküche wirbeln alle durcheinander, stehen sich im Weg und lassen auch mal ein Essen anbrennen. Denn wir haben pro Runde nur fünf Minuten Zeit, möglichst viele Gäste zu bedienen und genügend Geld zu erwirtschaften, damit wir die Anforderungen für das nächste Kapitel erfüllen. Der Schwierigkeitsgrad steigt langsam an und mit jeder Partie kommen neue Herausforderungen und Regelergänzungen hinzu. Diese können nur gemeistert werden, wenn sich die Gruppe als Team gut abspricht, klare Aufgaben verteilt und ein Konzept hat. Das sorgt für großen Spaß, einen hohen Wiederspielreiz und ein tolles Gemeinschaftsgefühl für die ganze Familie.

Der Kartograph

  • Taktisches Kartographieren für 1-100 Spieler ab 10 Jahren
  • von Jordy Adan / Verlag: Pegasus Spiele

Der Kartograph ist ein sogenanntes "Flip and Write"-Spiel. Das bedeutet, dass jede Runde eine Karte umgedreht wird ("flip") und wir daraufhin den darauf abgebildeten Landschaftstyp auf unserer persönlichen Landkarte einzeichnen ("write"). Vorgegeben sind die Form und die Größe des Gebiets, aber wir dürfen diese frei drehen und so positionieren, dass sie zu den ausliegenden Wertungskategorien passen. Diese sind in jeder Partie unterschiedlich und werden zufällig zu Beginn gezogen. Mal müssen Wälder neben Wasserflächen positioniert werden, in der nächsten Runde sind dagegen besonders die Felder rund um die Gebirge besonders wichtig. Da alle vier Wertungskriterien (eine pro Jahreszeit) von Anfang an offen liegen, sind Strategen und gute Vorausplaner bei diesem Spiel klar im Vorteil. Glück und Zufall spielen hier eine eher untergeordnete Rolle. Der Kartograph bietet trotz seiner kompakten Spieldauer von rund einer Stunde eine Fülle an spannenden Entscheidungen. Zwar können sich die Spieler nicht direkt schaden oder etwas wegnehmen, aber sobald eine Monsterkarte erscheint, muss diese möglichst unpassend auf dem Spielfeld des Nebensitzers eingezeichnet werden.
Besonders schön wird es, wenn sich alle Kartenzeichner entsprechende Buntstifte bereit legen. Dann wirkt die kartographierte und neu entdeckte Welt am Ende der Partie richtig lebendig. Die Angabe "von 1-100 Spieler" ist übrigens kein Druckfehler. In der Schachtel findet man neben einigen Spielkarten und Bleistiften einen Block mit 100 beidseitig bedruckten Landschaftsplänen. Da alle gleichzeitig spielen, funktioniert das Spiel in allen Konstellationen gleichermaßen gut.

Die Crew

  • Kooperatives Stichspiel für 3-5 Spieler ab 10 Jahren
  • von Thomas Sing / Verlag: Kosmos

Skat, Doppelkopf, Wizard: Stichspiele haben in Deutschland seit Generationen einen recht hohen Stellenwert, aber sind für Neulinge nicht besonders zugänglich. Die Crew von Thomas Sing will das ändern. Denn bei diesem Kartenspiel handelt es sich um ein kooperatives Stichspiel. Als Teil einer bis zu fünfköpfigen Besatzung reisen wir zum neunten Planeten und begegnen dabei den typischen Alltagsproblemen einer Raummission. Defekte Triebwerke, Asteroidenstürme & Co. dienen als thematische Aufhänger für die insgesamt 50 Missionen, die wir nacheinander bewältigen sollen.
Dazu müssen zufällig ermittelte Zahlenwerte von 1 bis 9 in drei Farben von bestimmten Crew-Mitgliedern "erstochen" werden. Anders als in klassischen Stichspielen ist es also nicht wichtig, möglichst viele Stiche zu gewinnen. Sondern der Gruppe muss es gelingen, dass bestimmte Stiche in einer vorgegeben Reihenfolge von den richtigen Mitspielern geholt werden.
Schnell wird klar: Die Crew ist eigentlich gar kein echtes Stichspiel, sondern bedient sich nur den bekannten Mechaniken von Skat und Co, um daraus eine gemeinschaftliche Rätselaufgabe zu formen. Über den Verlauf der im Schwierigkeitsgrad ansteigenden Kampagne arbeiten wir uns so in jeweils rund zehn- bis fünfzehnminütigen Partien immer weiter Richtung Pluto vor.
Erschwerend kommt hinzu, dass wir nur eingeschränkte Kommunikationsmittel an Bord haben. Einmal pro Partie dürfen alle eine der geheimgehaltenen Handkarten auslegen. Mit einem Plättchen dürfen wir darauf einen von drei Zuständen bekannt geben: Ist dies unsere höchste, die niedrigste oder die einzige Karte dieser Farbe? Auch das bewusste Nicht-Kommunizieren muss richtig gedeutet werden und macht das Spiel auf lange Sicht reizvoll und zu einem modernen Klassiker.

MyCity

  • Zeitgleiches Städtepuzzlen für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren
  • von Reiner Knizia / Verlag: Kosmos

Dieses Spiel ist etwas besonderes, denn die Regeln und das Spielmaterial verändern sich nach jeder Partie. Je nach Spielausgang werden Sticker, die aus verschlossenen Umschlägen gezogen werden auf das eigene Tableau geklebt und mit dem Filzstift dürfen Dinge dauerhaft markiert werden! Dieses Prinzip nennt sich "Legacy" und sorgt seit einigen Jahren im Kennerspielbereich für Innovationen und gänzlich neue Spielerlebnisse. MyCity verbindet dieses erfrischende Spielgefühl nun mit einem sehr simplen Legespiel für die Familienrunde. Eine einzelne Partie dauert rund zwanzig bis dreißig Minuten und läuft grundlegend gleich ab: Jeder Mitspieler hat 24 Gebäudeplättchen vor sich liegen, die in einer durch einen gemeinsamen Kartenstapel vorgegeben Reihenfolge auf das eigene Grundstück gepuzzelt werden müssen. Dabei gilt es unterschiedliche Anforderungen zu erfüllen, damit man idealerweise die meisten Siegpunkte kassiert und sich so dauerhaft einen Vorsprung für den Gesamtsieg erarbeitet.
Doch auch die Verlierer der Runde profitieren, denn diese erhalten Bonus-Aufkleber, die dafür sorgen, in den folgenden Partien aufholen zu können. Dadurch bleibt die Spannung bis zur letzten der insgesamt 24 Partien erhalten und auch jüngere Mitspieler bleiben mit Spaß bei der Sache. Spielerisch ist durch das Legacy-Prinzip viel Abwechslung geboten: Mal müssen wir auf farblich passendendes Anbauen achten, in der nächsten Runde gilt es, Brunnen und Kirchen geschickt in das Stadtbild einzubinden. Und keine Sorge: Nach den 24 Partien ist das Spiel nicht etwa "kaputt gespielt" und muss in den Müll. Auf der Rückseite der Tableaus gibt es eine unbeklebte Seite, auf der ganz klassisch als "ewiges Spiel" gespielt werden kann.

Unlock!-Reihe

  • Escape-Abenteuer für 2-6 Spieler ab 10 Jahren
  • von diversen Autoren / Verlag: Space Cowboys im Vertrieb bei Asmodee

Leider sind derzeit alle "echten" Escape-Räume geschlossen. Doch Rätselfreunde finden im Brettspielbereich etliche Alternativen, um ein ähnliches Erlebnis im Wohnzimmer zu replizieren. Neben der bekannten Exit-Reihe von Kosmos ist vor allem die Unlock!-Reihe von den Space Cowboys zu empfehlen. Auch hier gilt es, innerhalb von 60-90 Minuten auszubrechen oder ein bestimmtes Ziel zu erreichen, in dem knifflige Aufgaben durch cleveres Kombinieren und gutes Teamwork gemeistert werden. Thematisch springen die Settings zwischen Sherlock Holmes, Dinosauriern, Comicfiguren über Videospiele und Alice im Wunderland. Alle Fälle werden per kostenloser Begleitapp gesteuert, über die die Codes überprüft werden und kleine Spielereien die Denkaufgaben auflockern.
Die insgesamt 15 unterschiedlichen Fälle (einzeln oder in gebündelten Dreier-Sets verfügbar) lassen sich komplett zerstörungsfrei spielen und können danach so zurückgesetzt werden, dass sie auch an Freunde oder Nachbarn weiterverschenkt werden können.
Hinweis: Zwar haben derzeit alle Ladengeschäfte geschlossen, aber zum Beispiel das "Freispiel" im Stühlinger bietet aktuell einen Lieferdienst für Brett- und Gesellschaftsspiele an. Das ist nicht nur schneller als große Online-Versandhändler, sondern hilft auch der lokalen Wirtschaft, diese ungewöhnliche Krisensituation zu überstehen.