Freiburger Stadtteile

fudders Stadtteilbesuch: Wie lebt es sich in Littenweiler?

Sarah Rondot

In einer Serie stellt fudder Freiburger Stadtteile durch die Brille eines Bewohners oder einer Bewohnerin vor. Dieses Mal: Die 20-jährige Magdalena Friess. Sie liebt die Ruhe und familiäre Atmosphäre des östlichen Stadtteils.

"Da kommt die Bahn nach Litti", sagt die 20-jährige Lehramtsstudentin Magdalena und steigt in die Nummer 1. "Litti" - Der Kosename klingt ein bisschen nach einem lieben Haustier oder nach einer "Oma Litti", die mit leckerem Apfelkuchen auf einen wartet. Fragt man Studierende, was sie mit Littenweiler verbinden, fallen fast immer die Begriffe: Dreisam und PH, also die Pädagogische Hochschule, gefolgt von der Frage: "Ist das nicht am Ende der Welt?"


Die Fahrt dorthin fühlt sich wirklich so an: Die Straßenbahn tuckert durch die Oberwiehre und Waldsee, bis sie schließlich die Endstation Lassbergstraße erreicht. Dort beginnt offiziell der Stadtteil Littenweiler. Magdalena findet: "Besonders die Lage macht Littenweiler außergewöhnlich." Es liegt eingebettet zwischen zwei Bergen: Auf der einen Seite der Kybfelsen und jenseits der Dreisam der Rosskopf. Die umliegenden Freiburger Ortsteile sind Kappel und Ebnet. "Hier vergesse ich schon manchmal, dass ich noch in Freiburg bin", sagt Magdalena. Kann man an diesem ruhigen Fleckchen einen ganzen Tag verbringen? Sie findet schon, solange man die Natur nutzt.

In Littenweiler gibt es zwei Wohnheime

Ein perfekter Tag in Littenweiler beginnt für Magdalena mit einem Gang zu "Mein Laden", eine der wenigen Einkaufsmöglichkeiten im Stadtteil. Wenn sie Glück hat, kann sie hier ein frisch aufgebackenes Croissant ergattern. Von hier aus hat es Magdalena nicht weit zum St. Alban Wohnheim, in dem sie für günstige Miete lebt. "Viele wissen gar nicht, dass Littenweiler zwei Wohnheime hat", schmunzelt sie. Die zwei katholischen Wohnheime: Das St. Alban und die Thomas-Morus-Burse, befinden sich in ständiger, augenzwinkernder Konkurrenz: Eine Seniorin, die einst im Alban-Wohnheim gelebt hat, grinst dazu und sagt: "Unsere Partys waren immer besser als die in der Burse."

Während Magdalena vom Wohnheimbalkon den Blick über den Schwarzwald schweifen lässt, berichtet sie von den verschiedenen Wandermöglichkeiten: "Von hier aus kann man über den Kybfelsen zum Schauinsland laufen, eine Route mit wahnsinnig schönen Aussichten." Wer lieber die andere Seite erkunden will, kann die Dreisam überqueren und sich auf den Weg zum Rosskopf machen. Ein Lieblingsausflugsziel von Magdalena ist St. Peter im Schwarzwald. Was das kleine Littenweiler auch hat: einen Bahnhof. Die Züge bringen einen entweder schnell zum Hauptbahnhof oder Richtung Höllental. Auch der Feldberg ist nicht weit.

An der Dreisam treffen alle möglichen Menschen aufeinander

Trotz aller Ausflugsziele rundherum ist ihr persönlicher Lieblingsort das Dreisam-Ufer: "Hier oben ist viel weniger los, im Sommer stellen wir Grills und Tische in den Fluss", Magdalena zeigt auf Steine, die so angeordnet sind, dass sie perfekt einen Bierkasten halten. Doch auch im Winter merkt man, wie vielseitig Littenweiler ist: Es spazieren Senioren, Studierende, Geflüchtete und Internationale, die am Sprachenkolleg Deutsch lernen, am Flussufer entlang. Der Sportler Carl Dohmann, der Siebter bei der WM der Sportart "Gehen" geworden ist, hat an der Dreisam trainiert. Was absurd klingt, hat Magdalena mit eigenen Augen gesehen: Bei dieser Sportart muss man möglichst schnell mit gestreckten Knien eine Strecke gehen. "Ich habe ihn oft trainieren sehen, wir dachten zuerst, dass er einfach nur sehr komisch läuft."

Zurück im Wohnheim erzählen Magdalenas Mitbewohner Nico und Jojo von der Geschichte Littenweilers: Früher haben dort viele Bergarbeiter gelebt, die Silber am Schauinsland abgebaut haben. Deswegen springt einem oft der Name "Heilige Barbara" entgegen. Sie ist die Schutzheilige der Bergarbeiter. Der Geologie Student Nico ergänzt: "Einmal im Jahr feiern wir den Babsi Tag, da stoßen wir auf die heilige Babsi an."

Die Fangesänge für den SC-Freiburg gehören auch zu Littenweiler

Für seinen Kumpel Jojo gehören auch die Fangesänge für den SC-Freiburg, die vom nahegelegenen Stadion ab und an herüberwehen, zu Littenweiler. "Wir bekommen immer mit, wenn ein SC-Spiel ist, sehen die Fans in der Bahn und hören den Jubel." Doch das SC-Stadion gehört zur Kategorie der Dinge, die fast jeder zu Littenweiler zählt, sich aber offiziell nicht in dem Stadtteil befinden. Denn der Ort gehört noch zum Stadtteil Waldsee. Genau wie der Uni-Sport und das Strandbad. Auch für Magdalena gehört der Uni-Sport irgendwie zu Littenweiler. Die Sportanlage, wo sie das kostenlose Gruppentraining "Massenzappeln" besucht, ist für sie nur einen Katzensprung entfernt.

Genau wie die Liebe zur Natur verbindet die Litti-Bewohner eine Hassliebe mit der Entfernung zur Innenstadt. "Im Sommer ist der Weg an der Dreisam mit dem Fahrrad wunderschön", sagt Nico, "doch im Winter ist es schon verdammt nervig." Fragt man die drei nach dem Nachtleben in Littenweiler, lachen alle. Magdalena grinst: "Nachtleben? Hm, das ist eigentlich nicht existent." PH-Student Jojo schwärmt von der Alban-Bar und auch die "Wanne", die Bar der Thomas-Morus-Burse, ist eine Alternative, viel Auswahl gibt es sonst aber nicht. Überhaupt scheint sich Littenweiler für die Dinge auszuzeichnen, die es nicht gibt: Kein Nachtleben, kein Dönerladen und kein Bio-Supermarkt.

Doch diese unfreiwillige Abstinenz verbindet auch: Beim Einkaufen kennt jeder jeden und abends macht sich eine Karawane müder Nachtschwärmer auf den Weg von der Innenstadt zurück nach Hause. Kommen die Eltern zu Besuch, gibt es immerhin eine Anlaufstelle zum Essen gehen: Das "Bauerntafel auf St.Barbara", das sich an den Hang unter dem Kybfelsen schmiegt. Anders als der Name vermuten lässt, gibt es hier leckere Tapas.

Auch die PH ist aus Littenweiler nicht mehr wegzudenken

Ein nicht wegzudenkender Treffpunkt in Littenweiler ist das Kulturcafé, das zur PH gehört. Auf gemütlichen Sofas lümmeln junge Leute, lesen Zeitung, lernen und unterhalten sich. Eine Spielesammlung quillt aus dem Regal und an der Wand hängt der Spruch: "Euch die Uhren, uns die Zeit". Nina, die dort ehrenamtlich arbeitet, kann sich die PH ohne das Kuca nicht vorstellen: "Das ist ein Ort zum Verweilen, hier lernt man superschnell Leute kennen." Jojo erzählt, dass es an der PH sogar einen Schlafraum mit Sofas gibt. Ruhe wird in Littenweiler großgeschrieben. Die Bibliothek der PH ist ein echter Geheimtipp: Hier gibt es Bücher, die in der UB vergriffen sind und man lernt in gelassener Atmosphäre.

Diese Ruhe und Entspanntheit ist auch ein Grund, warum Magdalena gerne in Littenweiler lebt. "Manchmal fühle ich mich wie ein Einsiedler, wenn ich aus meinem kleinen Fensterchen auf die Dreisam und nach Ebnet schaue. Es ist schon sehr sehr meditativ." Die meisten, die sich an diesem ruhigen Fleckchen Freiburgs niedergelassen haben, wollen Litti nie wieder verlassen. Höchstens hin und wieder, für ein bisschen Nachtleben.

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