Freiburger Stadtteile

fudders Stadtteilbesuch: Wie lebt es sich in Haslach?

Sarah Rondot

In einer Serie stellt fudder Freiburger Stadtteile durch die Brille eines Bewohners oder einer Bewohnerin vor. Dieses Mal erzählt die 21-jährige fudder-Autorin Sarah Rondot selbst von ihrem Stadtteil und berichtet von der Liebe auf den zweiten Blick.

Wo ziehst du hin? Nach Haslach? – Daraufhin folgte erstmal ein Stirnrunzeln, als ich vor zwei Jahren zum Studium aus einem behüteten Dorf bei Heidelberg in den Freiburger Stadtteil Haslach zog. Die Oma meines Mitbewohner sagte immer: "Westlich der Bahngleise kann man nicht mehr wohnen."

fudders Stadtteilbesuch: Wie lebt es sich in Weingarten?

Doch wenn Haslach so unwohnlich ist, wie kann es sein, dass mir nach zwei Jahren in diesem Stadtteil das Herz schwer wird, wenn ich an meinen nahenden Umzug in die Wiehre denke. Ein absolutes Upgrade, würden die meisten sagen. Das stimmt objektiv auch, Haslach gewinnt vielleicht auf den ersten Blick keinen Schönheitswettbewerb, ist aber auf den zweiten Blick umso interessanter.

Französische Croissants und erschwingliche Mieten

Mein perfekter Tag in Haslach beginnt mit einer Joggingrunde an den Dietenbachsee. Dazu nehme ich den Weg am Dorfbach entlang, der über die Brücke nach Weingarten, der Übergang wird auch "Hawei" genannt, führt. Am Dietenbachsee wartet zwar kein tropischer Sandstrand, aber ein von Bäumen umgebener idyllischer See. Wer früh genug dran ist kann, nur in Gesellschaft von ein paar Enten seine Bahnen ziehen.

Auf dem Rückweg schlägt mir ein unverkennbarer Duft entgegen: "Pain au Chocolat". Ich mache hier keine Übertreibung, wenn ich das französische Wort für das luftige Gebäck benutze. Der Bäcker Pfeifle hat seine Backzentrale in Haslach und zaubert mit den knusprigen Croissants ein Stück Frankreich auf den Frühstücksteller. Das genieße ich auf meinem kleinen Balkon, der in Haslach absolut erschwinglich ist. Ich zahle nur 250 Euro Miete warm, in einer Zweier-WG eines sehr großen Hauses, das eigentlich nur für Studierende gedacht ist. Allerdings nimmt der Vermieter das nicht so eng und so wohnt hier eine bunte Mischung, auch kulturell. Es gibt Mieter aus Deutschland, der Ukraine, Kolumbien, Russland, der Türkei, Vietnam und noch viel mehr.

Alles, was man zum Leben braucht

Nach dem Frühstück mache ich ein paar Besorgungen in der Carl-Kistner-Straße. Eigentlich müsste man Haslach nie verlassen, denn hier gibt es alles, was man zum Leben braucht. Einen DM, einen Zeitschriftenladen, einen Blumenladen, Fahrradläden, ein Sonnenstudio, eine Änderungsschneiderei und überdurchschnittlich viele Apotheken. Beim Supermarkt kann man zwischen Lidl und Beckesepp wählen. Im Beckesepp gibt es eine Unverpackt-Abteilung und der Markt hat einige regionale Produkte im Angebot. Ich kann den Löwentaler-Käse aus St. Peter empfehlen.

Außerdem arbeitet an der Bäckertheke der lustigste Verkäufer der Welt. Er nennt alles und jeden "Schätzchen" und trägt in Corona-Zeiten einen Mundschutz mit aufgezahltem Schnurrbart und dazu Hosenträger. Wenn man in Haslach einkaufen geht, trifft man nicht nur Kundschaft mit Jutebeutel und Birkenstocks, sondern auch Jugendliche, die sich gegenseitig ins Klopapierregal schupsen oder sich mit Chips und Softdrinks für die Mittagspause eindecken.
fudders Stadtteilbesuch: Wie lebt es sich in der Wiehre?

Auf dem Rückweg mache ich einen Abstecher zu der kleinen Melanchton-Kirche. Hier steht ein altes Fachwerkhaus und auf dem Vorplatz kann man von Bäumen beschattet ein Buch aufschlagen. Überhaupt hat Haslach ein paar schöne Plätze zum Verweilen. Meine Nachbarin Svenja entspannt am liebsten am Ufer des Dorfbachs hinter dem Haslacher Bad. Und auch in der Haslacher Gartenstadt stehen gemütliche Häuschen. Besonders idyllisch ist der kleine Platz an der Ecke Pflegerweg/Gutleutstraße.

Am Anfang der Corona-Zeit mussten wir uns eine Alternative zur Mensa suchen, da haben mein Mitbewohner Peter und ich begonnen, so viele der Haslacher Imbisse wie möglich zu testen. Die meisten säumen sich entlang der Markgrafen Straße Richtung Carl-Kistner-Straße. Wer Lust auf Döner oder Pizza hat, wird fündig. Matej Snethlage, Student der Medienkulturwissenschaften, weiß genau, was sein Lieblingsplatz in Haslach ist: "Ganz klar der Cevapcici-Laden "Schwarzer Berg", weil es lecker ist, der Besitzer herzlich und wenn man im Sommer draußen sitzt, fühlt man das ganz besondere Haslach Feeling am stärksten überhaupt."

Großstadtfeeling an der Markgrafenstraße

Mein persönliches Highlight ist das Masala-House. Ein Pakistani verkauft hier traditionelle Küche zu unschlagbaren Preisen. Gemüse-Teigtaschen in scharfer Soße kosten nur 4,50 Euro. Dazu eine frische Minz-Limonade und die Mittagspause ist perfekt. Außerdem kann man das Treiben in der Markgrafenstraße beobachten. Ich wurde schon dafür ausgelacht, aber ich finde, dass sich Freiburg hier ein bisschen großstädtisch anfühlt.

Auf der anderen Seite fühle ich mich in Haslach so wohl, weil es einen familiären Charakter hat. Peter findet: "Haslach hat eine dauerhaft entspannte Stimmung." Durch Corona habe ich mehr Zeit im Viertel verbracht. Einige Bekanntschaften sind über die zwei Jahre entstanden. Zum Beispiel mit der etwas verwirrten Oma Elsie, die jeden Morgen die Straße fegt und mich vor Messerstechereien warnt, aber anderseits als einzige bemerkt, wenn ich beim Friseur war. Oder der Hausmeister, der zu Nikolaus Schokolade vor die Tür stellt. Mit der Besitzerin von Tinas Getränkemarkt komme ich bei jedem Einkauf ins Gespräch. Hier kann man sich ein Sixpack Waldhaus selbst zusammenstellen und es gibt alle erdenklichen Limonaden und Säfte. Der Rotkäppchen Sekt kostet ein paar Cent weniger als im Supermarkt.

Trendige Möglichkeiten zum Schlemmen

Wer für den Sport nicht weit fahren will, wird auch in Haslach fündig. Mein kolumbianischer Nachbar Oscar Reyes findet: "Das Haslacher Bad ist super." Aber noch besser findet er die Tanzhalle in der Markgrafenstraße: "Hier kann man alles tanzen, Salsa, Rumba, Ballett."

Sind die Eltern zu Besuch, bietet Haslach auch ein paar trendige Möglichkeiten um zu Schlemmen. Zum Beispiel das Café Mohrentopf im Gewerbegebiet. Hier sind besonders die herzhaften Waffeln und als Nachtisch die Törtchen zu empfehlen, die liebevoll per Hand kreiert werden. Das Café hat einen gemütlichen Innenhof und man kann sogar Schaukeln! Zum Abendessen empfehle ich das "Glasmännlein" wo badische und alpine Küche aufeinandertreffen. Zurück zu meinem Haus geht es durch die Staufener Straße, wo man im Herbst wunderbar Kastanien sammeln kann.

Mein Lieblingsausklang für einen perfekten Tag in Haslach ist auf meinem Balkon. Da ich keine wirklich zu empfehlende Kneipe in Haslach kenne, ziehe ich ein Glas Sekt mit einer guten Freundin auf dem Balkon vor. Während sich der Himmel hinter der St. Michael-Kirche langsam rosa färbt, genießen wir die Haslacher Abendstimmung.

Ach Haslach – es fällt mir nicht leicht, dich für die Wiehre verlassen. Es war ein Glücksfall vor zwei Jahren in dieses ungewöhnlichere Stadtviertel zu ziehen. Allen, die jetzt nach einer Wohnung suchen, kann ich Haslach nur empfehlen: Die günstige Miete, die bunte Küche und die ruppige Schönheit sorgen für eine Liebe auf den zweiten Blick. Und wenn ihr hier seid, grüßt Tina von mir.

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