fudders Papst-Ticker: Testfahrt mit dem Papamobil

Philipp Barth

Es ist der heimliche Star bei den Auslandsreisen des Heiligen Vaters. Sagenumwoben, in Handarbeit hergestellt und seit 30 Jahren in perlmutt-weiß: Das Papamobil. In Freiburg soll der Papst im September mit dem neuesten Hybridmodell seine Runden drehen – das will zumindest die Wirtschaftswoche aus "Unternehmerkreisen" wissen. Ob das stimmt oder nicht: Hybrid passt nach Freiburg. fudder hat eine fiktive Runde mit dem neuen Modell gedreht und blickt zurück auf die Geschichte des päpstlichen Gefährts.

Daimler Teststrecke Stuttgart-Untertürkheim, leichtes Nieselwetter. Der Chauffeur, ein Mercedes-Testpilot, dreht sich kurz um. Alles klar? Nicken. Los geht’s. Während der Sound aus der Motorklappe von einem leisen Zischen in ein geregeltes Schnurren wechselt und der Zeiger des Spannungsmessers nach oben schnellt, wirft der Elektromotor den Wagen vehement voran. Tief in den weich gepolsterten Sitz gedrückt, nimmt man beinahe atemlos wahr, wie das Glas-Cabrio in 4,4 Sekunden auf Schrittgeschwindigkeit stürmt.

Dieses Fahrerlebnis auf einer erhöhten Sitzbank mit Rundumblick war zuerst Johannes Paul II. gegönnt. Vorherige Päpste hatten leicht modifizierte Staatskarossen genutzt, aber er suchte den Kontakt mit der Öffentlichkeit, machte weltweite Reisen und wollte gesehen werden. Das erste Sondermodell „Papamobil“ kam beim Besuch in seiner polnischen Heimat zum Einsatz und basierte auf einem dreiachsigen Militärlaster der polnischen Marke „Star“. Es blieb das einzige Auto aus dem ehemaligen Ostblock, das der Vatikan nutze. Ende 1980 stellte dann Mercedes-Benz, traditioneller Hoflieferant des Vatikans, dem Papst anlässlich seines Deutschlandbesuchs eine offene Variante auf Basis eines Geländewagens zur Verfügung.

Überholmanöver erscheinen bei dem für Schrittgeschwindigkeit entwickelten Spezialgetriebe so aussichtslos wie ein nicht bestandener Elchtest, aber der Überblick auf dem erhöhten Sessel wird schnell zu einem Gefühl der Erhabenheit. Man meint, Jubelschreie von Gläubigen durch das zentimeterdicke Panzerglas zu erahnen. Automatisch hebt sich die Hand zum Winken.



Nach dem Attentat auf den Papst auf dem Petersplatz in Rom 1981 kam bei Reisen der Panzerglasaufsatz dazu. Bei den insgesamt 104 Besuchen von Papst Johannes Paul II. weltweit blieben die verschiedenen Modelle meist im Ausland und wurden beim nächsten Besuch wieder eingesetzt. So soll es weltweit rund 60 Papamobile geben. Die meisten davon von Mercedes-Benz, aber nicht nur: Der Papst war schon in einem offenen Ferrari unterwegs, in einem Fiat, Seat oder einem Cadillac DeVille mit Thron anstelle einer Rückbank - aber immer mit dem Kennzeichen SCV 1 - Stato della Città del Vaticano.

Der römische Volksmund  hat sich aus den drei Buchstaben seinen eigenen Reim gemacht. „Se Cristo Vedesse“, wenn Christus das wüsste. Und umgekehrt VCS:  „Vi Cacciarebbe Subito",  würde er euch sofort verjagen. Manche sagen, das sei eine Referenz an die Nähe des Vatikans zum Faschisten Benito Mussolini, andere an den Pomp rund um den Petersdom. Papst Benedikt XVI. hat die Tradition von seinem Vorgänger übernommen und fährt mit dem Kennzeichen SCV 1 einen modernen Mercedes-Geländewagen: Natürlich panzerglasgesichert, perlmutt-weiß und mit Spezialgetriebe. Ob der in Freiburg von einem Elektromotor angetrieben wird?

Ein kurzes Ruckeln, dann kommt das Hybrid-Papamobil zum stehen. Händeschütteln mit dem Testpilot. Beim Verabschieden in der Presseabteilung dann die Enttäuschung. Bei Mercedes ist gar kein Hybridmodell in Auftrag gegeben, die Testfahrt war eine reine Illusion. Selbst wenn der Auftrag jetzt noch käme, sei die Sonderanfertigung für September unmöglich. Es sei deshalb „sehr unwahrscheinlich“, dass der Papst elektrisch durch Freiburg fahren wird. Schade, aber man wird ja noch träumen dürfen.

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  [Bildmaterial: Mercedes Benz]

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