Clubmusik

fudder empfiehlt die zehn besten Onlineradios und Streamingportale für daheim

Bernhard Amelung

Clubsound für Daheimbleiber: Ausgehen ist erstmal nicht möglich – aber dank vieler Streamingangebote muss man auf den Lieblingssound nicht verzichten. Zehn Empfehlungen.

Boiler Room
Ein Kreis und der Schriftzug Boiler Room. Es dürfte wohl der bekannteste Streamingdienst der Clubkultur sein. Legten seine Gründer, die Discjockeys Thristian Richards und Femi Adeyemi, zu Beginn des Jahres 2010 noch in einem alten Heizungskeller in London auf, ist Boiler Room inzwischen auf zahlreichen Festivals mit einer eigenen Bühne vertreten, zum Beispiel Dekmantel vor den Toren Amsterdams oder Present Perfect in St. Petersburg. Das Archiv der Webseite umfasst Tausende Shows. Dass Feiernde überall auf der Welt mit Künstlern wie Young Marco oder Carista etwas anfangen können, ist ein Verdienst der Londoner.

Cercle
Perfekt inszenierte DJ- und Livesets vor atemberaubender Kulisse. Das ist Cercle, ein Streamingdienst aus Frankreich. 2016 von Derek Barbolla gegründet, verbindet er elektronische Musik, Naturfilm und Künstlergespräch. Auf dem Eiffelturm in Paris, auf einer Plattform über den Iguazu-Fällen in Brasilien oder auf dem Schilthorn im Berner Oberland spielen Künstler und Künstlerinnen vom Format eines Stephan Bodzin, einer Ellen Allien oder Charlotte de Witte. Nur auf die Internationale Raumstation ISS hat Cercle noch keine Künstler geschickt. Bisher. Be-At TV
Die Clubsaison auf Ibiza beginnt im Mai. Eigentlich. In diesem Jahr wahrscheinlich später. Wer Clubs wie das Ushuaia vermisst, ist bei Be-At TV, 2008 von den beiden Londonern Ray Smith und Damian Mould gestartet, richtig. Dort gibt’s die Sets eines Steve Lawler, aber auch von Ben Klock, wie er beim Great Wall Festival auf der Großen Mauer in China steht und das Publikum mit hartem Techno begeistert.

Operator
Seit 2017 sendet Operator, eine Online-Radioplattform aus Rotterdam. Untergebracht ist sie in einem blauen Schiffscontainer, der auf dem Gelände des Biergarten steht, einer Bar zwischen Hauptbahnhof und Hofplein. Musikalischer Schwerpunkt des Programms, das die Gründer Jeff van Hoek und Ofra Beenen kuratieren, ist der "Sound of Rotterdam", historisch und aktuell. Der war immer schon etwas düsterer, schroffer und härter. Red Light Radio
Sie senden aus einem ehemaligen Prostitutionsfenster im Rotlichtviertel in Amsterdam: Seit 2009 steht das Red Light Radio, von Hugo van Heijningen und Orpheu de Jong gegründet, vor allem für eines: Abseitige, nischige, skurrile Musik von Death Metal zu Minimal Wave, Soul und Funk aus der arabischen Welt der Sechziger und Siebziger, genauso wie für Neues der britischen Untergrundmusik. Auch die Freiburger Discjockeys Shaddy und Klingberg haben dort schon gespielt. Hör
Der Name ist Programm. Bei Hör, einer noch jungen Plattform für elektronische Clubmusik, geht’s vor allem ums Zuhören. Gesendet wird aus einem weiß gekachelten Raum aus dem Berliner Stadtteil Kreuzberg. An den Deck stehen bekannte Discjockeys wie Alienata und Perel und jede Menge Künstlerinnen und Künstler zum Entdecken. Darunter Aleksa Alaska, Melanie Haves oder Nørus. Mixmag
Das englische Musikmagazin Mixmag gab es schon, da war Acid House noch nicht geboren. Auch 38 Jahre nach der Gründung ist es eine wichtige Stimme in der Szene der Clubmusik. Das zeigt unter anderem das Format The Lab, das unter anderem aus Los Angeles, Mumbai, New York oder Paris sendet. Gäste sind Szenelegenden wie Joe Smooth ("Promised Land") und Newcomerinnen wie Kamma aus Amsterdam.

Rts.fm
Einen Titel beansprucht Rts.fm mit Hauptsitz in Moskau für sich. Nach eigenen Angaben war das Onlineradio, gegründet von Dmitry Green, der erste Sender, der DJ-Sets live ins Internet gestreamt hat. Dort aufgelegt haben zu Beginn ihrer Karriere heutige Star-DJs wie Nina Kraviz, deren Sets auch heute noch gleichbleibend frisch klingen. Kasheme
Bar, Club, Plattenladen. Die Kasheme in Zürich ist ein bisschen von allem. Die Betreiber Nick Mazrekaj und Oliver Scotoni haben sie im Dezember 2015 eröffnet, ursprünglich als Projekt auf Zeit und für Partys von Freunden für Freunde. Diesen Wohnzimmercharakter konnten sie bis heute beibehalten. Ins eigene Wohnzimmer übertragen dieses Flair die Videos der Livingroom Sessions. Bei diesen spielten schon Discjockeys wie Sammy Dee, Alma Negra oder Chez Damier, vor einem großen Schallplattenregal auf einer Sechzigerjahre Retro-Couch sitzend. Mehr zum Thema: