Hofgut Himmelreich

Frisörlehrlinge pflegen Servicekräfte von Inklusionsbetrieb

Elena Kolb

Styling für Himmelreich-Servicekräfte: Gertrud-Luckner-Frisörlehrlinge haben angehendes Gastrofachpersonal aus dem Inklusionsbetrieb des Hofgutes Himmelreich verschönert.

Buntes Gewusel herrscht in den Räumen 031 und 032. Rund 20 Auszubildende des Hofgutes Himmelreich mit Lernschwierigkeiten und kognitiven Beeinträchtigungen sind zu Besuch bei der Gertrud-Luckner-Gewerbeschule (GLG) in Freiburg. Frisörazubis aus dem zweiten Lehrjahr der GLG locken Haare, kümmern sich um Maniküre, Handmassage, Kopfmassage und Spitzenschneiden für die Gäste. Das Kooperationsprojekt zwischen der Schule und der Akademie Himmelreich soll für beide Seiten ein Gewinn sein.


Suhejl Kaymaz (20) hat sehr trockene Hände. Er macht seine Ausbildung in der Gastronomie im Hofgut Himmelreich und muss sich dort oft die Hände waschen. Fatima Dormane (38) rät ihm, öfter mal Handcreme zu benutzen. Sie beginnt, abgestorbene Haut rund um seine Fingernägel zu entfernen. Schon bald sind die Hände nur noch nebensächlich. Die beiden bemerken, dass es eine Sprache gibt, die sie verbindet. Fatima Dormanes Muttersprache ist Arabisch, ihre Eltern sind aus Algerien. Suhejl Kaymaz’ Eltern sind aus Syrien. Er ist hier geboren, beginnt aber gerade etwas Arabisch zu lernen. Er erzählt, dass er sich für eine Ausbildung in Himmelreich entschieden habe, weil es dort viele Betreuer gebe.

Oft in eine Schublade gesteckt

Manchmal habe er Sprachprobleme und Schwierigkeiten damit, Dinge zu erklären. Es störe ihn aber, dass er oft in eine Schublade gesteckt werde, wenn er seinen Ausweis heraushole, auf dem ein B für Behinderung geschrieben ist. Fatima Dormane kann das verstehen. Sie streicht Nivea-Creme auf Suhejl Kaymaz’ Hände und beginnt mit einer Handmassage.

Sophie Altenburger vom Team der Akademie Himmelreich freut sich, dass das Miteinander bei dem Kooperationsprojekt so gut funktioniert. Die berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme in Himmelreich wird für die Berufsfelder Hotel- und Gaststättengewerbe, Hauswirtschaft und Hausmeisterdienste angeboten. Schon in den vergangenen Jahren wurden mehrfach Workshops mit einem Friseur organisiert, der den Azubis Stylingtipps für die Arbeit geben sollte. Nun übernehmen GLG-Berufsschüler diese Aufgabe. 17 junge Frisörazubis sind im Einsatz.

Himmelreich-Schüler im Gegenzug zu Gast

Vor zwei Wochen waren sie selbst zu Besuch auf dem Hofgut Himmelreich und haben den Integrationsbetrieb vor Ort kennengelernt. Jetzt sind die Himmelreich-Schüler im Gegenzug bei der GLG zu Gast. Auch Claudia Knaus, Studiendirektorin an der GLG, ist begeistert von der Aktion. Es gehe zwar ums Styling, aber doch viel mehr um die Begegnung und den Austausch.

Julia Burger (18), die eine Gastroausbildung in Himmelreich macht, wünscht sich ihr Haar an den Seiten kürzer und oben lang. Recep Dundar (19) kümmert sich darum. Bei aller Konzentration bleibt ihm noch Zeit zum Scherzen: "So kurz wie bei mir wird’s aber nicht. Meine Seiten sind auf Kontostand, also null." Als alle Frisuren sitzen, steht schon der Fotokurs der GLG in Position. Die Styling-Duos werden fotografiert und es werden auch Bewerbungsbilder für die Jugendlichen aus Himmelreich geschossen. Altenburger und Knaus sind sich einig: Das Projekt soll auf jeden Fall nächstes Jahr erneut stattfinden.