Friska Viljor im Waldsee: Der Patient lebt!

Benjamin Köhler

Die Konzertszene in Freiburg wir jedes Jahr wieder und wieder totgeredet. Friska Viljor zeigten am Freitag im rappelvollen Waldsee mit einem tollen Konzert, dass es doch noch Anlass zur Hoffnung gibt.



Bereits auf dem Weg von der Straßenbahnhaltestelle zum Waldsee wundert man sich über die vielen Menschen, die offensichtlich das gleiche Ziel haben. Das war bei bestem Schneematschwetter und orkanartigen Windböen nicht zu erwarten. Dazu ja auch noch die große Konkurrenzsituation mit den gleichzeitig stattfindeten Konzerten im Swamp und The Great Räng Teng Teng.

Der erste Eindruck trügt aber nicht, denn das Waldsee ist schon mehr als gut gefüllt und der gefühlte Temperaturunterschied von 30° C schlägt einem wie eine Wand ins Gesicht. Kurze Zeit später heißt es plötzlich „Ausverkauft!“. Wann dies das letzte mal im Waldsee bei einem Konzert der Fall war? Man weiß es nicht. Die Meute scharrt jedenfalls schon ungeduldig mit den Hufen.

In den ersten Reihen bringen sich Mädels um die 16 in Position, es wird gekreischt. Einige Indiehipster nippen lässig an ihrem Bier, aber dennoch ist das Publikum angenehm bunt gemischt.

Dann betritt die Vorband Moll Flanders die Bühne, wahrscheinlich selbst überrascht über den tosenden Jubel, der ihnen entgegen strömt. Nach ausgiebigem Intro treten die Jungs aus Jönköping auch gleich aufs Gaspedal. Leider sind die Melodien meistens nur zu erahnen, da viel zu laute Gitarren die Boxen zu einem fiesem Soundbrei zwingen. Dem Konzertmob ist das egal. Es wird gesprungen, geklatscht und auf Animation von Sänger Mathias Alrikson auch ausgiebig mitgesungen.

Eine schlimme Bon Jovi Gedächtnis Ballade und viele „Lalalas“ und „Gimme Gimmes“ später ist für Moll Flanders dann aber Feierabend. Unter dem Strich nett, aber die Zuschauer wussten mehr zu begeistern. Da sage mal noch einer, das Freiburger Publikum würde nur lahm herumstehen.



Nach kurzer Atempause wird man das Gefühl nicht los, dass noch einmal einigen Leuten mehr Einlass gewährt wurde. Von allen Seiten wird gedrückt und geschoben, immer wieder wollen noch weitere Menschen nach vorne, direkt vor die Bühne. Unfreiwillig kommt man mit mehr Brüsten in Berührung, als Tiger Woods und auch das stärkste Deo quittiert nun riechbar seinen Dienst.

Als Friska Viljor die Bühne betreten wird es regelrecht ekstatisch. Die Schweden sind sichtbar verwirrt ob der großen Begeisterung und fangen ohne große Worte einfach mal an, einen ihrer Hits rauszufeuern. Das klappt natürlich prima und kaum einer der Zuschauer, den es ruhig auf den Beinen hält.

Optisch würden die beiden Sänger Daniel Johansson und Joakim Sveningsson in der „Was ist dein Stil?“- Rubrik üble Prügel für ihr, sagen wir mal, „vernachlässigtes“ Haupthaar beziehen. Das machen die beiden aber mit gekonntem Dandy- Look locker wett und wer mit Ukulele und Mandoline auf der Bühne steht, hat ohnehin gewonnen.



Der Sound ist im Gegensatz zur Vorband deutlich besser und langsam taut auch die Band etwas auf und kommuniziert nach anfänglicher Schüchternheit immer häufiger mit dem Publikum. Dieses bedankt sich, indem es jeden Song textsicher mitsingt und das sind einige. Von „Oh Oh“ und „Old Man“ über „If I Die Now“ bis zum frenetisch abgefeierten „Shotgun Sister“. Da hat sich im Laufe von drei Alben einiges angesammelt.

Nach zwei Zugaben und gut 75 Minuten Spielzeit sind Friska Viljor und die Zuschauer dann gleichermaßen am Ende.

Ein tolles Konzert, das schon einmal eine Messlatte für 2010 aufstellt. Die wichtigste Erkenntnis des Abends ist aber: der Patient „Freiburger Konzertszene“ lebt. Jetzt liegt es an den Veranstaltern diesen stabil zu halten.

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Foto-Galerie: Carolin Buchheim & Christoph Ries


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