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Friseurmeister und Barbier Remo Balda: Wie geht’s und wie geht’s jetzt weiter?

Maya Schulz

Wie verbringen die Menschen in Freiburg die Krise? Was macht es mit ihnen und wie lenken sie sich ab? fudder fragt bei Studierenden, Sportlern und Gastromenschen nach. Folge 4: Friseurmeister und Barbier Remo Balda, 30, Inhaber von Remos Barberei.

Remo Balda, 30, eröffnete im Frühjahr 2019 eine eigene Barberei im Freiburger Breuninger. Anstatt nach seinem 1,3-Abitur seiner Familie nachzueifern und ein Studium zu beginnen, entschied er sich für seinen Traumberuf. Seit nunmehr 12 Jahren ist er im Friseur- und Barbiergeschäft tätig und meistert sein Handwerk. In seinem Salon konzentriert er sich auf die professionelle Kopf- und Bartpflege für den Mann und die Liebe zu seinem Beruf ist dort auf Anhieb spürbar.

Remo, wie geht es dir?

Langsam wieder gut, die Lage stabilisiert sich wieder. Der Alltag lebt wieder auf, auch hier im Breuninger entspannt sich die Situation und, abgesehen vom Mundschutz, herrscht schon beinahe wieder ein Normalitätsgefühl.

Wie hast du die letzten zwei Monate verbracht?

Insgesamt musste ich meinen Salon für sieben Wochen schließen. Am Anfang war ich noch recht entspannt und habe auch die Soforthilfe erhalten. Das war zur Überbrückung hilfreich, trotzdem wurde ich nervöser als mehr Zeit verging und kein Verdienst in Sicht war. In der Zeit, in der ich nicht arbeiten konnte, bin ich viel wandern gegangen. Es war schwierig, Termine für meinen Salon zu bewerben, da ich sowohl von der 800m²-Begrenzung durch den Breuninger betroffen war, aber auch die allgemeinen Bestimmungen für Friseure für mich galten, sodass ich erst ab dem 4. Mai wieder öffnen durfte.

Welche beruflichen Auswirkungen hat die Krise für dich?

Vor der Corona-Krise hatte ich geplant, mit einem Kollegen eine zweite Filiale zu eröffnen. Dieser Plan liegt jetzt leider erst mal auf Eis und ich muss mich darauf konzentrieren, meinen eigenen Salon wieder in Fahrt zu bringen. Dadurch, dass ich mir im letzten Jahr bereits eine Stammkundschaft erarbeiten konnte, die jetzt wieder Termine wahrnehmen darf, werde ich zum Glück "sanft aufgefangen". Trotzdem ist die Situation sehr anders als zuvor – in der Zeit vor Corona waren Termine mehrere Wochen im Voraus vergeben. Jetzt bin ich in der aktuellen Woche ausgebucht, doch Termine in den nächsten Wochen sind unüblicherweise noch frei.

Ich lege viel Welt darauf, dass man sich in meinem Salon wohl und wie Zuhause fühlt. Daher gibt’s bei mir normalerweise ein Wahlgetränk zum Haarschnitt dazu. Dieser kleine, aber feine Bonus musste nun leider gestrichten werden. Aktuell darf sich nur ein Kunde nach dem anderen in meinem Salon aufhalten. Das bedeutet zum Beispiel, dass Freunde, die zum Termin begleitet haben, jetzt stattdessen einen Spaziergang durch den Breuninger machen müssen. Das macht sich natürlich am Ende des Tages in der Gesamtkundenanzahl bemerkbar. Trotzdem bin ich froh, nun wieder geöffnet zu haben und seit kurzem auch wieder Bärte schneiden zu dürfen. Man muss aber ganz klar sagen, dass eine noch längere Schließungszeit auch für mein Geschäft das Aus bedeutet hätte. Hätte ich meinen Salon erst vor wenigen Wochen neu eröffnet, so hätte ich diese Zeit nicht überstanden.
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fudder möchte in dieser Serie junge Menschen aus Freiburg und der Region vorstellen und sie fragen, wie es ihnen in der Krise geht. Dabei möchte die Redaktion einen Querschnitt der Gesellschaft zeigen. Seit Mai stellen wir regelmäßig eine Folge von "Wie geht’s und wie geht’s jetzt weiter?" online.

Wie geht’s jetzt für dich weiter?

Ich versuche das Beste aus der Situation zu machen und bin froh, dass die Stimmung langsam wieder besser wird. Ich bin ein sehr neugieriger Mensch und frage meine Kunden viel. Gespräche und eine gelöste Stimmung bei der Arbeit sind mir daher sehr wichtig. Trotzdem ist es aktuell das Wichtigste, die Kunden zu schützen. Mein ältester Kunde ist 88 Jahre alt und kam direkt in der Woche nach der Wiedereröffnung mit dem Fahrrad vorbei! Mein jüngster Kunde ist ein Jahr alt – da spielt die Erlaubnis, jetzt wieder Bärte schneiden zu dürfen, natürlich keine so große Rolle. Trotzdem bin ich für so eine Kundentreue sehr dankbar.
Info:

In Remos Barberei gibt’s auch ein Studentenangebot: Mittwochs und donnerstags gibt’s für Studierende einen professionellen Haarschnitt für 27 Euro. Unter den Studierenden, die regelmäßig zu Remo kommen, sind die meisten Bartträger übrigens Lehramtsstudenten. Am wenigsten Bart tragen hingegen Jura- und Medizinstudenten.

Adresse:
R79 – Remos Barberei
Kaiser-Joseph-Straße 169
79098 Freiburg im Breisgau
Telefon: 0761/3804155