Freiburg-Haslach

Friseur Andreas Sturm hat auf süße Nahversorgung fürs Viertel umgesattelt

Anja Bochtler

Seit 1972 gab’s in Haslach den Friseursalon "Sturmfrisuren" – doch der ist jetzt Geschichte. Friseur Andreas Sturm hat in den Räumen "Sturmelino" eröffnet – und verkauft dort Süßwaren und Spiele.

Meist kommen sie nachmittags, mittwochs schon mittags: Immer nach Schulschluss bricht ein gewaltiger Ansturm von Schülerinnen und Schülern der Staudinger-Gesamtschule auf Andreas Sturm (52) herein. Ihm gefällt das – für sein neues Geschäft "Sturmelino" gegenüber der Straßenbahnhaltestelle am Haslacher Bad ist es prima. Das "Sturmelino" hat am 7. Januar eröffnet, Andreas Sturm und sein Familienname waren aber auch davor am gleichen Ort präsent: Seit 1972 gab’s den – nun geschlossenen – Friseursalon "Sturmfrisuren".


Süßwaren, Spielsachen und Schreibwaren

Saure Zungen, Kirschen oder Erdbeeren – das sind ein paar der Fruchtgummi-Süßigkeiten an der Kassentheke, die vor allem die Jüngeren anlocken. Die meisten halten ihre Münzen schon in der Hand, während sie aussuchen, was sie haben wollen, und Andreas Sturm sagt nach jeder Wahl den jeweiligen Centstand an. Die Preise liegen zwischen 5 und 20 Cent pro Stück. Beliebt sind auch süße und andere Getränke, außerdem gibt’s Hefte, Stifte und andere Schulartikel sowie Eis. Und wenn die Kinder schon mal da sind, fallen ihnen auch die Spielsachen ins Auge: Bei den Lego- und Playmobilartikeln und anderen kleineren Spielen achtet Andreas Sturm auf "Taschengeldpreise" zwischen 5 und 15 Euro.

Auch seine eigenen zwei Kinder (sieben und zehn Jahre alt) bringen ihr Taschengeld in seinen Laden, meist für Süßes. Nachbarn und Kunden können ausgediente Spielsachen mitbringen, die ins Secondhandregal wandern: Beim Verkauf behält Andreas Sturm 15 Prozent, den Rest bekommen die Ex-Besitzer. Da ins Neubaugebiet Gutleutmatten eher solche Familien gezogen seien, die lieber vor Ort als online einkaufen, schätzt er seine Chancen gut ein – umso mehr, weil es nicht nur dort, sondern auch in der Gartenstadt viele Kinder gebe.

Dass der Online-Handel in Gutleutmatten nicht an erster Stelle steht, sieht er daran, dass von dort wenige kommen, um Bestelltes zurück zu schicken. Denn Andreas Sturm bietet neben Süßigkeiten, Getränken, Spielwaren, Schulmaterial, Zigaretten, Zeitungen und Zeitschriften und anderen Kleinigkeiten auch Post-Dienstleistungen an: Wer will, kann sich Pakete an seinen DHL-Paketshop schicken lassen, er nimmt Briefe und Päckchen an und verkauft Briefmarken. Eine ältere Kundin, die ein Paket abholt, fände es gut, wenn es künftig auch Bus- und Straßenbahnfahrkarten geben würde. Besonders für die vielen Älteren aus der Seniorenwohnanlage und dem Pflegeheim wäre das wichtig, sagt sie. Andreas Sturm hätte nichts dagegen, doch die Freiburger Verkehrs AG wolle keine weiteren Verkaufsstellen dazu nehmen, sagt er.

Auch im Friseursalon gab’s schon Kioskartikel

Hinter dem Sammelsurium seiner Angebote steckt ein durchdachtes Konzept: Bis zum Jahresende hatte er in seinem Friseursalon schon drei Jahre lang mit einem kleinen Kiosk, der mit im Salon untergebracht war, herumexperimentiert. Auch seine Eltern hatten ab 1984 in dem 1972 von seiner Mutter eröffneten Friseurbetrieb nebenher Zeitschriften, Tabak und Süßes verkauft.

Trotzdem war die Aufgabe des Friseursalons nach 47 Jahren ein großer Schritt: Andreas Sturm hat knapp 35 Jahre als Friseur gearbeitet, auch seine Frau ist Friseurmeisterin. Sie sei nun ins Sekretariat eines Steuerbüros gewechselt, erzählt er, beide wollten etwas Neues ausprobieren, weil sie zuletzt als Friseure nicht mehr zufrieden gewesen seien. Das habe vor allem am Fachkräftemangel gelegen: Es sei mittlerweile fast unmöglich, gute Aushilfskräfte zu bekommen. Und die seien nötig, wegen unvermeidbarer Krankheits- und Urlaubsausfälle. Außerdem gab’s in seinem Salon immer feste Termine – immer mehr Kunden aber würden auf Schnellebigkeit setzen und sofort vorbeikommen wollen. Die Idee, dass ein Friseurbesuch Zeit brauche und eine Wohlfühloase biete, werde dadurch kaputtgemacht. Das hat ihn frustriert – obwohl er betont, dass er mehr als genug Kunden gehabt habe. Mit seiner Frau hat er im vergangenen Jahr entschieden, dass sie umsatteln und ihren Horizont erweitern wollten. Bei den Stammkunden stieß das auf Bedauern, sagt Andreas Sturm: "Aber sie haben es verstanden."

Für Andreas Sturm hat der Friseursalon immer zu seinem Leben gehört: Er erlebte ihn als Kind, als ihn seine Eltern betrieben, während er – in Haslach aufgewachsen – auf die Vigeliusschule ging. Ohne Druck der Eltern ergab es sich wie von selbst, dass er ebenfalls Friseur werden wollte. 1999 übernahm er den Salon. In den gemieteten Räumen macht er auch jetzt weiter – nur anders als bisher.
Sturmelino

Carl-Kistner-Straße 72

Freiburg-Haslach

Öffnungszeiten

montags bis freitags

9 bis 18 Uhr

samstags

9 bis 13 Uhr