Demonstration

Fridays for Future kehrt mit Klimastreik am Freitag aus der Corona-Pause zurück

Anika Maldacker

Seit dem Lockdown ist es still um Fridays for Future geworden, am Freitag ist die Bewegung mit dem globalen Klimastreik wieder zurück. In Freiburg werden 9000 Teilnehmer erwartet. fudder lief beim Plakatieren mit.

Über dem Marktplatz im Freiburger Stadtteil Weingarten dämmert es. Jana Böhler, Moritz Schmidt, Felix Quartier und Emil Streif sind auf dem Weg dorthin. Ihre Fahrräder haben sie an der Haltestelle Krozinger Straße abgestellt. Nur Moritz schiebt sein Fahrrad noch neben sich her, auf dem Gepäckträger klemmen Plakate und Flyer. "Da könnten wir ein Plakat hinhängen", sagt Felix und deutet auf einen Stromkasten am Gehwegrand. Er hält hin, Moritz und Emil kleben fest, Jana sprüht währenddessen mit grünem Spray das Datum "25.09." mit dem Verweis "Klimastreik" durch eine Schablone auf den Gehweg. "Das ist Kreidespray, das geht beim nächsten Regen wieder weg", erklärt sie. Die Vier sind Teil der Freiburger Fridays-for-Future-Ortsgruppe. Wenige Tage vor dem globalen Klimastreik-Tag am 25. September ziehen sie durch Freiburgs Stadtteile und plakatieren. Die Gruppe rechnet mit rund 9000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zum Streiktag am Freitag. Diese stolze Zahl muss erstmal mobilisiert werden. "Wir haben davor schon im Stühlinger und in der Innenstadt plakatieren", sagt Felix. Eine andere Gruppe sei gerade im Vauban unterwegs.


An diesem Freitag ruft Fridays for Future, kurz FfF, zum sechsten globalen Klimastreik auf. Das Motto: "Uns steht das Wasser bis zum Hals". Weltweit plant die Organisation rund 2500 Streiks – online und vor Ort –, in ganz Deutschland finden rund 400 Demonstrationen statt. In Freiburg beginnt der Klimastreik dieses Mal auf dem Messegelände. Schon ab 8.30 Uhr ziehen Fahrradkorsos aus Emmendingen, Waldkirch und dem Rieselfeld Richtung Treffpunkt los. Um 10 Uhr gibt es eine Kundgebung, ab 11 Uhr soll der Demonstrationszug Richtung Platz der Alten Synagoge in der Innenstadt losziehen. Die Berliner Allee, die Sundgauallee, die Breisacher Straße, der Fahnenbergplatz und der Rotteckring werden beansprucht. Die Polizei rechnet mit mehrstündigen Verkehrsbeeinträchtigungen beim Öffentlichen Nahverkehr und Individualverkehr in der gesamten Stadt. Das Besondere an diesem Klimastreik: Bei der Versammlung gilt von Anfang bis Ende Maskenpflicht und Abstandsgebot. Um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten, werden 450 Ordner gebraucht. Dafür sucht die Ortsgruppe noch Freiwillige.

Demo mit Maske und Abstand

Mit dem Lockdown und dem Versammlungsverbot sind auch die Aktivisten von Fridays for Future ins Home Office gedrängt worden. Ihr Plenum, das sie sonst einmal wöchentlich veranstalteten, fand ab März nur noch online statt. Seit die Regeln gelockert wurden, treffen sich die Jugendlichen draußen in Gärten, um zu diskutieren. "Unsere Ortsgruppe besteht aus rund 15 Aktiven", erklärt Felix Quartier, "beim Plenum kommen immer etwas mehr, meistens rund 20 Leute." Kurz vor einem Klimastreik kommen meistens etwas mehr als sonst.

Eine Demonstration mit Maske und Abstand zu organisieren, scheint anspruchsvoll. "Wir wollen die Demonstrationsteilnehmer in Blöcken zu je 100 Menschen loslaufen lassen", erklärt Moritz Schmidt. So soll der Abstand einfacher gewährleistet werden. Inzwischen bekleben die vier Laternenpfähle und Stromkästen im Einkaufszentrum Weingarten. Als Jana das Streikdatum mit Kreidespray auf den Boden sprüht, schauen zwei Passantinnen irritiert. Auf den Stickern, die sie dabei haben, steht: "Klimakrise macht auch dein Bier teurer" oder "Kein 1,5-Schnitt? Mach das Klima besser als deinen Abschluss".

Die Forderungen sind gleich geblieben

Sechs Monate konnten sie solche Aktionen nicht mehr vorbereiten. "Es war schlimm zuzuschauen, wie die Politik in der Corona-Pandemie die Klimakrise vergas", sagt Felix Quartier. Er erinnert an die Diskussion um die Abwrackprämie oder die Corona-Wirtschaftshilfe, die kaum nachhaltige Aspekte umfasst. "Andererseits haben viele gesehen, dass es der Natur gut tut, wenn alles etwas entschleunigt", sagt Jana, "zum Beispiel, dass das Wasser in Venedig plötzlich so sauber war, weil kaum Kreuzfahrttourismus stattfindet." "Die Corona-Krise hat gezeigt, dass die Politik auf die Wissenschaft hören kann", antwortet Moritz. Und Jana fügt hinzu, dass in ihrem Bekanntenkreis nun schon mehr darüber nachgedacht würde, was man Gutes für die Umwelt tun könnte.

Die Forderungen von Fridays for Future sind gleich geblieben: "Wir fordern wie vor einem Jahr und davor auch, dass die Politik sich an das Pariser Klimaabkommen hält", sagt Felix Quartier. Also: Die Erderwärmung darf nicht mehr als 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter betragen. Zudem fordert Fridays for Future einen raschen Kohleausstieg. Vor einem Jahr hatten die Aktivisten diese Forderungen auch schon bei einer Rekorddemo in Freiburg gestellt. Im September 2019 haben zwischen 20.000 und 30.000 Menschen in Freiburg für mehr Klimaschutz demonstriert.


Klimastreik am Freitag, 25. September 2020

  • ab 8.30 Uhr: Sternmärsche zur Neuen Messe
  • 10 Uhr: Kundgebung auf dem Messegelände
  • 11 Uhr: Demonstrationszug beginnt: Neue Messe, Madisonallee rechte Fahrbahn, Berliner Allee, Sundgauallee, Lehener Straße, Kreuzstraße, Breisacher Straße, Zur Unterführung, Friedrichstraße, Fahnenbergplatz, Rotteckring, Platz der Alten Synagoge
  • 14 Uhr: Ende der Demonstration

Hilfe benötigt

Fridays for Future suchen noch Ordner, die beim Ablauf der Demo helfen. Wer Interesse hat, meldet sich unter: freiburg@fridaysforfuture.de

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