Nebenwirkungen

Freiburgs Recyclinghöfe werden seit der Coronakrise überrannt

Simone Höhl

Nebeneffekte des Coronavirus: Freiburgs Recyclinghöfe werden seit den verordneten Sicherheitsmaßnahmen aufgesucht wie selten, weil die Leute ausmisten. Auch der Müll in der Innenstadt wird weniger.

Die verordneten Sicherheitsmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus haben ungeahnte Nebenwirkungen: Freiburgs Recyclinghöfe werden überrannt. Viele Menschen sind jetzt zu Hause und nutzen die Zeit zum Ausmisten. "Es wird so viel angeliefert wie noch nie in der Geschichte der ASF", sagte Michael Broglin, der Chef der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg am Mittwoch: "Bei uns geht die Hölle ab."

Das Corona-Informationstelefon des Gesundheitsamtes ist ab sofort unter der Telefonnummer 0761/2187-3003 erreichbar.

Währenddessen standen die Leute wieder Schlange. Am Samstag, als alle drei Recyclinghöfe offen hatten, kamen so viele wie noch nie – allein an der Carl-Mez-Straße füllten sie vier große Container nur mit Altholz: "100 Prozent mehr als normal", sagte Broglin. Da werden Container und Kapazitäten knapp. Und die Leute bringen nicht nur Holz, sondern schlicht alles: "Das sieht klassisch nach Aussortieren aus." Normalerweise ist der Advent die Zeit im Jahr, in der Freiburgs Sperrmüll Hochsaison hat – doch der ist nichts dagegen. In St. Gabriel kam es am Dienstag zu Wartezeiten von über einer Stunde. Und auch wenn die ASF die Zahl der Fahrzeuge auf dem Hof zum Schutz der Kundschaft und der Mitarbeiter vor zu viel Nähe auf zehn beschränkt hat: So einen Ansturm kann sie auf Dauer nicht bewältigen, sagt der Chef: "Unser Appell: Halten Sie sich mit der Anlieferung zurück, wir wären dankbar."

Weniger Müll in der Innenstadt wegen Coronakrise

Noch haben die Recyclinghöfe auf, und auch der übrige Betrieb der ASF läuft noch komplett planmäßig. Zehn Fahrer aus dem Elsass sind zu Hause, was sich schnell negativ auswirken könnte. Aber viele ASF-Mitarbeiter bieten an, aus dem Urlaub zu kommen oder Überstunden zu machen, sagte Broglin: "Auf die Belegschaft bin ich echt stolz, das ist top!"

Die Coronakrise macht sich auch beim normalen Müll bemerkbar: In der Innenstadt hat er enorm abgenommen, stellt die Truppe der Stadtreinigung fest. "Und wir merken auch, dass die Leute zuhause sind, wohl Hamsterkäufe machen und nicht mehr so viel in der Kantine verzehren": Die Hausmülltonnen sind um einiges voller.

Positiv wirkt sich die Situation für die Müllabfuhr auf den Straßen aus: Die Laster kommen besser durch, es gibt deutlich weniger Verkehr und Staus. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, schließt die ASF ihre Zentrale an der Hermann-Mitsch-Straße ab Donnerstag, 19. März, für Publikumsverkehr.

Kontakt finden die Bürger weiterhin per Telefon (0761/76707-0) und für etliche Anliegen gibt es Formulare auf der Internetseite. "Wir sind auch kulant, was gewisse Fristen angeht", versichert der ASF-Geschäftsführer, zum Beispiel für Widersprüche zum Gebührenbescheid.
Weitere Informationen gibt es auf der Website der Abfallwirtschaft unter www.abfallwirtschaft-freiburg.de


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