Streit um Proberäume

Freiburgs Musiker kritisieren Kompromiss zum Bandhaus

Jens Kitzler

Aus dem Bandhaus am Freiburger Güterbahnhof wird wohl nichts. Die Stadt bietet den Musikern stattdessen Gewerberäume. Doch der Musikerverein Multicore findet das fragwürdig.

Zuerst hoffte Freiburgs Band-Szene auf den Bau einer Musikzentrale am Güterbahnhof, dann wenigstens auf Räume dort. Jetzt kommt es vielleicht ganz anders: Die Initiative Multicore könnte im Keller einer Immobilie an der Karlsruher Straße Proberäume betreiben. Die Musiker finden das fragwürdig – und kritisieren auch den Popbeauftragten.


Ein schmuckloser Zweckbau mit Fitnessstudio und Craftbier-Brauer

Das Gebäude ist ein schmuckloser Zweckbau, ein Fitnessstudio und Craftbier-Brauer finden sich ebenfalls in dem Gewerbekomplex. Die Stadt hat laut Sprecherin Martina Schickle mit der Vermieterin des Gebäudes "eine finanzielle Vereinbarung bis Ende des Jahres getroffen".

Die sichere die Option auf die Räume, "bis alle Prüfungen für eine Nutzung als Bandübungsräume abgeschlossen und die Entscheidungen der Gremien herbeigeführt sind." Nutzen könne man die Räume auch während dieses Zeitraums schon. Sei alles in trockenen Tüchern, werde die Besitzerin des Gebäudes dann an die Betreiber des Proberaumkomplexes direkt vermieten.

Die Musiker hatten auf andere Dimensionen gehofft

Betreiber könnte dann die Musiker-Initiative Multicore sein, die gestern vermeldete, dass man die Betreiberschaft "nicht pauschal ausschlagen werde". Der aufgebrachte Tonfall der Pressemitteilung rührt daher, dass die Musiker auf andere Dimensionen gehofft hatten.

Mit Rückenwind aus dem OB-Wahlkampf 2018 hatte Multicore zunächst einen Neubau auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs anvisiert, mit Proberäumen und Veranstaltungssaal. Dass Musiker in den Plänen für das dort von der Stadt geplante Gebäude nun gar nicht mehr vorgesehen seien, habe sie "geschockt", so die Pressemitteilung.

Die Initiative kritisiert auch den Popbeauftragten Tilo Buchholz

Stattdessen seien sie nun ohne Mitsprachemöglichkeit vor vollendete Tatsachen gestellt worden. An der Karlsruher Straße sei nur ein kleiner Teil des tatsächlichen Bedarfs zu realisieren.

Multicore kritisiert auch Tilo Buchholz, der als Popbeauftragter zwischen Wirtschaft, Rathaus und Musikerszene vermitteln soll. Der habe hier "die Interessen der Verwaltung hinter verschlossenen Türen einseitig umgesetzt."

Bei der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe, wo der "Popsupport" angesiedelt ist, lautet die Interpretation anders: "Nachdem sich am ehemaligen Güterbahnhof immer mehr Hürden auftaten, hat der Popbeauftragte die Bau- und Kulturdezernenten auf eine möglicherweise gut geeignete Option aufmerksam gemacht". Laut Rathaus habe die Lösung an der Karlsruher Straße viele Vorteile – vor allem sei sie schneller zu realisieren, "gegebenenfalls noch in diesem Jahr".
Multicore



Der Verein Multicore sieht sich als Interessensvertretung und Anlaufstelle für Bands und Musiker in und um Freiburg. Multicore organisiert Workshops, bietet Unterricht, vermittelt Proberäume und veranstaltet Konzerte.

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