Ausstellung "Birth"

Freiburgerin zeigt ihre intime Geburtsfotografie im Jos-Fritz-Café

Gina Kutkat

Sie ist beim innigsten Moment dabei, den sich eine Familie vorstellen kann: Isabell Steinert aus Freiburg fotografiert Geburten. Eine Auswahl ihrer kraftvollen Bilder ist bis Mitte Dezember in der Ausstellung "Birth" im Jos-Fritz-Café zu sehen.

Nah. Ehrlich. Intim. Mit diesen drei Worten beschreiben Mütter die Fotos, die Isabell Steinert von ihren zurückliegenden Geburten gemacht hat. Und wie sieht die Freiburger Fotografin selbst ihre Bilder? "Sie sind moody und warm zugleich – und sie gehen nah dran", sagt Steinert. Seit 2014 fotografiert die 37-Jährige Geburten, aber nicht nur das. "Es geht um die Atmosphäre, den Raum, die Familie, den Zusammenhalt und die Selbstbestimmung der Gebärenden", sagt Steinert.

18 ihrer Bilder hängen seit Kurzem im Jos-Fritz-Café. Sie zeigen die verschiedenen Phasen der Geburt: die Wehen, die Schmerzen, die Liebe und die Gebärende. Sie zeigen den tatsächlichen Moment der Geburt und das Glück, wenn das Kind in den Armen von Mutter und Vater liegt. "Mir geht es darum, die Geburt sichtbarer zu machen", sagt Steinert. Viel zu oft sei das Bild davon von Szenen aus TV und Kino geprägt. "Ich erlebe Geburt meist ganz anders", so Steinert. "Auch ich dachte früher, Frauen seien bei der Geburt ausgeliefert." Was sie durch ihre Fotografie lernte? "Geburten können ganz wundervolle Erlebnisse sein, sie sind kraftvoll und es macht etwas mit den werdenden Eltern."



Zufälle und Begegnungen waren es, die Isabell Steinert zur Geburtsfotografie brachten. Von 2014 bis 2017 arbeitete sie für eine Non-Profit-Organisation auf den Philippinen und half in einem Kinderhaus und Geburtshaus aus. Weil sie schöne Aufnahmen von den dort lebenden Kindern machte, fragte sie die Sozialarbeiterin, ob sie nicht ihre anstehende Geburt fotografieren wolle. Sie wollte – und hatte ihre Berufung gefunden. Seit vier Jahren ist sie wieder in ihrer Heimat Freiburg und fotografiert etwa drei bis vier Geburten pro Monat. Ab der 38. Schwangerschaftswoche ist sie in Rufbereitschaft und fährt sofort los, wenn sie die Mitteilung erhält, dass es losgeht. Ihre längste Geburt dauerte über 40 Stunden, "da habe ich mich zwischendurch Schlafen gelegt", erzählt Steinert.

"Ich bin eine Fliege an der Wand und eine helfende Hand." Isabell Steinert
In den Momenten vor, während und nach der Geburt fügt Isabell Steinert sich ins Team ein. "Ich versuche, nicht aufzufallen oder zu stören." Weil sie schon viele Geburten begleitet hat, weiß sie trotzdem, was zu tun ist. "Ich bin eine Fliege an der Wand und eine helfende Hand." Die meisten Anfragen, die sie erhält, betreffen Hausgeburten – ab und zu sind auch Klinikgeburten dabei. In ihrem Blog veröffentlicht sie Auszüge ihrer Arbeit und auch Geburtsberichte von Frauen. "Ich höre immer wieder, dass sich andere Familien durch diese Erfahrungsberichte gestärkt fühlen."

Um Kraft und Stärke geht es auch Isabell Steinert in ihrer Arbeit als Fotografin. Indem sie die Frau und ihren Körper in den Mittelpunkt stellt und die Geburt nicht als laut und schrecklich, sondern ruhig und authentisch darstellt, leistet sie ihren Beitrag, Geburten aus der Tabuzone zu holen. Ehrenamtlich engagiert sie sich bei Mother Hood und Sambucus und ist an der Entstehung des Freiburger Geburtshauses beteiligt.

Was: Ausstellung "Birth" von Isabell Steinert
Wann: bis 18 Dezember, Mo bis Sa 11 bis 18 Uhr
Wo: Jos-Fritz-Café
Eintritt: frei

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