Bundestagswahl 2021

Freiburgerin will mit Brief-Kampagne Großeltern für Klimaschutz gewinnen

Greta Zieger

Politikwissenschaft-Studentin Paula Gaess will dem Klimaschutz mehr Gehör verschaffen: Mit einem Online-Brief will sie kurz vor der Bundestagswahl Großeltern für das 1,5-Grad-Ziel sensibilisieren.

Paula Gaess (20) ergreift die Initiative. Sie möchte, dass der Klimawandel ernst genommen wird – vor allem bei der anstehenden Bundestagswahl. Also hat die Politikwissenschaft-Studentin einen Brief geschrieben: Sie fordert Großeltern dazu auf, ihre Stimme für deren Enkel zu nutzen. Denn für sie ist klar: Es braucht einen Umschwung und ein Bewusstsein für die Folgen des Klimawandels.

Im Gegensatz zur Kampagne "Enkelkinderbriefe", die von Grünen-nahen Prominenten unterstützt wird und ebenfalls Briefe an Großeltern verschickt, spricht sich Gaess in ihrem Brief nicht für eine Partei aus. Es gehe ihr um wissenschaftliche Sachverhalte, aus denen jeder seine eigenen Schlüsse ziehen kann, so die gebürtige Freiburgerin. Ihren Brief hat sie nun auf der Website liebegrosseltern.de veröffentlicht und fordert junge Leute dazu auf, ihn den eigenen Großeltern und Eltern zu schicken. Bis Freitag hatten mehr als 30.000 Leute die Website besucht.

Wenn die Großeltern ihre Stimme quasi an ihre Enkel abtreten – ist das nicht undemokratisch?

Gaess: Kinder und junge Erwachsene sind in unserem Land unterrepräsentiert: 18- bis 29-Jährige bilden gerade mal 15 Prozent aller Wahlberechtigten. Die jungen Generationen verbringen noch viel Zeit auf diesem Planeten und werden die Auswirkungen des Klimawandels am meisten spüren. Trotzdem können wir kaum über unsere Zukunft entscheiden. Wir brauchen unsere Verwandten jetzt. Und es ist nicht undemokratisch, wenn Kinder ihren Großeltern einen Brief schicken und über Politik sprechen wollen. Ich möchte die Menschen zu uns ins Boot holen und sagen: Hey, lasst uns doch mal bitte darüber reden, dass wir hier nicht unsere Zukunft aufs Spiel setzen. Aber am Ende liegt die Entscheidung bei den Wählenden.

"Wir haben diese Wahl, es ist noch nicht zu spät." Paula Gaess

Was willst Du denn mit deinem Brief erreichen?

Gaess: Es geht darum, dass Generationen ins Gespräch kommen. Daran fehlt es. Und Leute, die den Brief an ihre eigenen Verwandten weitergeleitet haben, geben mir das Feedback, dass sich diese mit dem Brief und dessen Quellen beschäftigen. Eine Freundin hat einen Antwortbrief bekommen, in dem ihr Opa seine eigenen Argumente aufgelistet hat. Natürlich kann ich nicht sehen, wer was wählt. Ich möchte nur, dass den Menschen ihre Entscheidung bewusst ist, wenn sie nicht fürs Klima wählen.

Aber laut deinem Brief tut ja keine Partei genug für den Klimaschutz.

Gaess: Klimaneutralität bis 2045 wäre viel zu spät. Jede Partei, die dieses Datum propagiert, nimmt die Lage nicht ernst genug. Aber manche Parteien gehen in die richtige Richtung. Da kann und muss man nachbessern. Denn die nächste Regierung ist die entscheidende Regierung. Die der letzten 16 Jahre hat das Thema Klima nicht ernst genommen. Nun haben wir noch eine Chance: Wir haben diese Wahl, es ist noch nicht zu spät. Und das müssen wir nutzen. Also hoffe ich, dass möglichst viele Menschen meinen Brief lesen und an ihre Verwandten weiterleiten werden.