Freiburger Warenwelt: Zinnfigurenklause

Stephan Elsemann

Das trutzige mittelalterliche Schwabentor gehört zu den Wahrzeichen Freiburgs, doch kaum jemand schaut mal hinein. Dabei beherbergt der Turm eins der skurrilsten Museen der Stadt. Zinnfiguren in Miniatur stellen kriegerische Auseinandersetzungen nach. Die kleinen Figuren kann man auch kaufen und selbst anmalen. Etwas für Leute mit viel Zeit, findet Stephan



Hier und sonst nirgends

Hinter den meterdicken Mauern des Schwabentors geht es turbulent zu. Da  gibt es Miniatur-Armeen, die mit vielen hundert Mann aufständische Bauern bekämpfen. In einem anderen Jahrhundert und in einem anderen Schaukasten liefern sich badische Revolutionäre aussichtslose Gefechte mit Regierungstruppen. Um Freiheit geht es, um die Einheit Deutschlands und um die Abschaffung der Monarchie. Dinge, die für uns heute selbstverständlich sind.

Der Krieg in Miniatur hat etwas niedliches. Im Schwabentor sind es Zinnsoldaten die sich darum balgen, liebevoll in vielen Dioramen inszeniert, die vergangene Konflikte lebendig werden lassen. Rolf Konetznick passt auf sie auf. Ob seine Schützlinge schon mal ausgebüchst sind, wollen wir wissen, so wie im Film "Nachts im Museum", doch Herr Konetznick hat derartige Aktivitäten bisher nicht beobachten können. Seine Soldaten blieben immer schön, wo sie sind. Herr Konetznik geht allerdings um 17 Uhr nach Hause.



"Zinnfiguren", erklärt er, "sind Ausstellungsstücke." Sie sind platt, weil sie ja nur zum Anschauen gedacht sind und immer nur von der selben Seite betrachtet werden. Bleisoldaten dagegen sind Spielfiguren für Kinder. Sie sind dicker und robuster als die zarten Zinnsoldaten, die zwar seit Jahrhunderten dem Ansturm der Zinnbauern Stand halten, einen Nachmittag mit spielenden Kindern aber kaum überleben würden.

Das Schwabentor von innen und von oben

Die Klause erreicht man über 52 Stufen. Das Museum ist im ersten und zweiten Geschoss des Schwabentors untergebracht, leider nicht im dritten Stock. Denn von dort würde man eine tolle Aussicht genießen können, mit einer Perspektive wie sie Oskar Kokoschka für sein berühmtes Freiburg-Bild hatte.



Aus Sicherheitsgründen und mangels Budget und Personal ist die Öffnung des dritten Geschosses zur Zeit nicht möglich. Man sollte sich aber den 3. Oktober vormerken. Das ist der Tag der offenen Tür und im Schwabentor auch der Tag des offenen dritten Stockwerks.

Das Schwabentor ist ein derartig herausragendes Gebäude, dass es postalisch keiner  Straße zugeordnet ist und noch nicht mal eine Hausnummer besitzt. Es ist eines der zwei verbliebenen Stadttore aus dem mittelalterlichen Freiburg. Für Neufreiburger: Es ist das Tor mit der Sankt-Georg-Bemalung und ohne McDonalds.



Notizen für den Einkaufszettel

Zinnfiguren gibt es auch zum Kaufen für zu Hause und man ist hier schon mit 1,20 Euro dabei. Dafür bekommt man eine zweieinhalb Zentimeter hohe Figur, die nackt ist und nach Farbe schreit. Größere und bemalte Miniaturen kosten deutlich mehr. Sissi und Franz-Joseph bekommt man für rund 40 Euro.

Akribie und Durchhaltevermögen sind gefragt, wenn es ums Bemalen der Figuren geht. Bis zu sieben Stunden dauert die Bemalung einer kleinen Figur, wenn man es kann. Grundierung, Untermalung und Bemalung werden nacheinander und unter der Lupe aufgetragen. Drei Schichten und immer wieder trocknen lassen. Spätestens hier kommt Leidenschaft ins Spiel, denn sonst tut man sich wohl kaum so etwas an.

Und wenn, dann ist es etwas für lange dunkle Winterabende. Die nackten Figuren sollte man jedoch vor dem Wintereinbruch schon gekauft haben. Denn die Räume des Schwabentors werden nicht beheizt und deshalb endet die Saison des Museums Ende Oktober.



Wegbeschreibung

Vom Bertoldsbrunnen auf der Salzstraße Richtung Schwabentor laufen. Vor dem Schwabentor auf die kleine Tür rechts achten. Da geht es hinein. 52 Stufen sind zu meistern und man steht vor dem Eingang der Klause. Zwei Minuten laufen.

Adresse

Zinnfigurenklause
Schwabentor
79098 Freiburg
0761-24321

Öffnungszeiten

Mai bis Oktober
Dienstag bis Freitag 14.30 bis 17 Uhr
Samstag und Sonntag 9 bis 14 Uhr

Eintritt

Erwachsene: 1,20 Euro
Kinder: 0,30 Euro

Foto-Galerie: Stephan Elsemann

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.