Nachtleben

Freiburger Verein sucht Standort für geplantes Kulturareal mit Tram

Anika Maldacker

Der Freiburger Verein Clubkultur plant ein Areal für die Subkultur in Freiburg. Das Herzstück soll eine der vier ausgemusterten Straßenbahnen sein – aber ein Grundstück fehlt noch.

Vergangene Woche hat die Freiburger Verkehrs-AG dem Verein Clubkultur eine von vier ausgemusterten Straßenbahnen geschenkt und symbolisch übergeben. Die Bahn soll Teil eines vom Verein konzipierten Kulturareals werden. Nun sucht die Gruppe einen Standort. Findet sie keinen, droht der Bahn die Verschrottung.

"Über uns schwebt das Damoklesschwert", sagt Elis Weber vom Verein Clubkultur. Bis Ende des Jahres sucht die Organisation ein Grundstück in Freiburg, auf dem Platz für eine 33 Meter lange Straßenbahn vom Typ GT8K ist. Die Straßenbahn soll, wenn es nach den Plänen des Vereins geht, Herzstück eines sogenannten Kulturareals werden. "Es soll ein Ort werden, wo grundsätzlich jeder willkommen ist", sagt Christian Günther von Clubkultur. Die Vorstellung: eine Freifläche, die Platz für die Straßenbahn bietet und in einem Freiburger Bezirk liegt, in dem keine Anwohnerinnen und Anwohner gestört werden könnten.

Kulturareal soll niederschwellig sein

An Ideen, wie die Fläche genutzt werden könnte, mangelt es dem rund 15-köpfigen Verein nicht: Lesungen, Konzerte, DJ-Abende, Workshops, Partys, Flohmärkte oder Theater. "Wir wollen ein niederschwelliges Angebot für Kulturschaffende und Kulturfans bieten", sagt Elis Weber, "wir glauben, eine solche Freifläche für Subkultur fehlt in Freiburg und würde die angespannte Situation in der Innenstadt im Sommer entzerren." Die Gruppe will den rund 70 ihnen bekannten Kollektiven, Künstlerinnen und Künstlern sowie Vereinen mit dem Areal eine Anlaufstelle bieten. Die Tram könnte zur Bar mit Bühne umgebaut werden. "Gleichzeitig können wir uns auch kreative und unkonventionelle Ideen vorstellen", so Günther, "wieso nicht alle paar Monate einen Seniorentreff organisieren?"

So reich an Ideen für das Areal die Gruppe ist, so wenig Möglichkeiten scheint es bei der alles entscheidenden Standortfrage zu geben. Seit einigen Monaten lotet der Verein zusammen mit der Stadtverwaltung mögliche Areale aus – bisher ohne Erfolg. Mehrere Dutzend Grundstücke hat die Gruppe der Stadt vorgeschlagen – alle scheiterten an bestimmten Kriterien. "Dabei war auch OB Horn von der Idee angetan", so Günther. Auch der Popsupport-Beauftragte Tilo Buchholz unterstützt den Verein bei der Standortsuche. Allerdings hat die Gruppe wenig Hoffnung, über die städtische Seite einen Platz zu finden. Daher weitet sie die Suche aus und ruft Privatpersonen, Unternehmen und Institutionen, die sich ein solches Projekt vorstellen könnten, dazu auf, sich zu melden.

Bahnen könnten verschrottet werden, wenn kein Platz gefunden wird

Denn die VAG hat zwar zugesagt, die Bahn bis März 2022 zu lagern, aber wenn bis dahin keine Fläche gefunden ist, könnte die Bahn doch auf dem Schrottplatz landen. Zuvor hatte die VAG vier alte Straßenbahn zur Schenkung ausgeschrieben. Der Vorstand hatte das Vorgehen angeregt, um die Verschrottung zu vermeiden.

"Bisher sind wir zuversichtlich, dass wir noch eine Fläche finden", sagt Elis Weber. Dafür radeln die Vereinsleute auch selbst durch die Stadt, um nach geeigneten Orten Ausschau zu halten. Denn die Idee zum Kulturareal hat den Verein aus der Corona-Lethargie geholt. Bis Ende 2020 zählte er sieben Mitglieder. Als Anfang des Jahres die Idee zum Kulturareal aufkam, verdoppelte sich die Mitgliederzahl. Clubkultur hatte sich 2018 gegründet, mit dem Ziel, den vor zwei Jahren geschlossenen Club White Rabbit am Siegesdenkmal zu erhalten. Der Verein wollte die Öffentlichkeit auf das Clubsterben aufmerksam machen.

Immerhin ist die Transportfrage der Tram geklärt. Eine Zusage dazu hat die Gruppe laut eigenen Angaben schon.
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