#terran

Freiburger Verein möchte eine Bewegung für das Reisen ohne Flugzeug starten

Anna Castro Kösel

Der Verein "terran" will das Reisen ohne Flugzeug populär machen. Wie und warum es zu der Vereinsgründung kam und was sich hinter dem Begriff "terran" verbirgt, hat fudder die zwei Gründungsmitglieder Charlotte und Anselm gefragt.

Wie kam es zur Idee von "terran"?

Charlotte: In unserer Gesellschaft ist es völlig normal zu fliegen, obwohl es die Form der Fortbewegung ist, die am klimaschädlichsten ist. Daher wollten wir diese Normalitätsvorstellung adressieren. Die Idee kam uns zunächst wegen des Begriffs "Flugscham", der aus Schweden rüber geschwappt, aber negativ konnotiert ist.
Anselm: Wir haben einen Begriff gesucht, der einfach in den Sprachgebrauch einzubinden ist, so wie "vegan" und der als Vehikel dient, um über das Thema zu sprechen und zu diskutieren. Unser Ziel ist es, dass die Entscheidung, nicht zu fliegen, zu einer Lebensweise wird. Wir möchten dabei nicht mit dem gehobenen Zeigefinger kommen, sondern einfach ein Denkanstoß liefern.

Wieso habt ihr euch entschieden, im Bereich Flugverhalten etwas zu ändern?

Charlotte: Wer weniger fliegt, kann als Einzelperson am meisten etwas gegen seinen hohen CO2-Fußabdruck tun. Als Durchschnittsdeutsche und – deutscher verursachen wir 11,6 Tonnen CO2 pro Kopf. Ein Transatlantikflug von Düsseldorf nach Los Angeles verursacht schon knapp fünf Tonnen. Außerdem fliegt nur ein kleiner Prozentsatz der Gesamtbevölkerung, etwa 5-10 Prozent. Deswegen möchten wir diese Dimensionen aufzeigen und erreichen, dass jede und jeder das persönliche Flugverhalten reflektiert.
terran e.V.

Der Verein wurde 2019 von einem bunten Team unter anderem Anselm Pahnke, Geophysiker und Filmemacher von "Anderswo", und Charlotte Senkpiel, Energie- und Umweltmanagerin, gegründet. Alle Mitglieder arbeiten ehrenamtlich für das Projekt.

Was ist eure Vision mit #terran?

Charlotte: Dass in der Welt deutlich weniger geflogen wird und mehr Bewusstsein für die Wahl des Verkehrsmittels entsteht. Manchmal geht es nicht anders und man muss einen Flug in Kauf nehmen, aber dieser Flug sollte möglichst reflektiert angetreten werden. Das bedeutet, einem sollte bewusst sein, dass man dadurch viel CO2 ausstößt und Alternativen sollten in Betracht gezogen worden sein.

Außerdem ist die Idee, dass wir Menschen aktivieren und einen Dialog zu starten, was persönlich verändert werden kann: In der Familie, am Arbeitsplatz, im Gespräch mit Freunden etc. Wir wünschen uns auch, dass eine richtige Terraner-Bewegung entsteht, die es nichtfliegenden Menschen leichter macht, Vielfliegende auf das Problem anzusprechen.

Anselm: Kein Mensch verzichtet gerne. Aber nicht fliegen kann Spaß machen! Das Schöne am Reisen ist ja auch der Weg zum Ziel und nicht nur das Ziel selbst. Der Weg ist durch das "am Boden reisen" viel mehr gegeben und bringt sehr schöne, neue Erfahrungen ein. Wir sammeln auf unserer Website auch Geschichten, in denen Leute von ihren terranen Reisen erzählen.

Wie kann man bei euch mitmachen?

Anselm: Der Begriff soll verbreitet und geteilt werden. Wir suchen sogenannte "Local Heroes", die Flyer in ihrem Stadtteil verteilen. Dafür kann man sich auf unserer Website in das Kontaktformular eintragen und unsere Idee nach außen tragen. Über Spenden freuen wir uns auch. Außerdem freuen wir uns über terrane Reiseberichte: Fernbeziehungen, der dienstliche Alltag ohne Flugzeug, oder Geschichten aus dem Corona Alltag - wie Menschen jetzt mehr übers Internet kommunizieren, anstatt zu fliegen. Wir erhoffen uns, dass Unternehmen aufspringen, und sich zum Ziel setzen, ihre Mitarbeitenden darin zu unterstützen, sich "terran" fortzubewegen.

Was macht ihr sonst noch so?

Charlotte: Wir haben noch eine Kooperation mit der internationalen NGO "Stay Grounded", dessen deutscher Hauptprojektpartner wir in der Kampagne "Let´s stay grounded" sind. Dabei versuchen wir auf politischer, internationaler und persönlicher Ebene auf die Thematik des Flugverkehrs aufmerksam zu machen. Zurzeit erarbeiten wir zusammen mit Stay Grounded einen Leitfaden der aufzeigt, wie Reisepolicies in Unternehmen geändert werden können.

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