Hilfe für Sehbehinderte

Freiburger Verein entwickelt eine Smartphone-Tastatur für Blinde

Jens Kitzler

Der Verein Freies Sehen will Sehbehinderten und Blinden die Nutzung von Smartphones zu erleichtern. Zusammen mit Partnern arbeitet er an einer Blindenschrift-Tastatur. Wie funktioniert die?

Die Finger von Jaqueline Laws huschen über die acht Tasten, es macht klickklick und man ahnt, dass das vielleicht noch leiser werden sollte. "Wird es", sagt Daniel Schauenburg, Vorstand des Vereins "Freies Sehen", und grinst: "In der nächsten Version ist es fast nicht mehr hörbar". Jaqueline Laws klickt weiter, per drahtloser Bluetooth-Übertragung landen ihre Eingaben im Handy, das liest sie zur Kontrolle vor.


Welche Taste sie wofür drückt, erschließt sich für Beobachter zuerst nicht, kein Wunder: "Man muss die Blindenschrift können, um das zu bedienen", erklärt sie. Denn das ist Zweck des ovalen Aufsatzes für die Handy-Rückseite: Er nimmt Eingaben in der für Blinde entwickelten Braille-Schrift entgegen und funktioniert so für Sehbehinderte als Tastatur fürs Smartphone.

In der Öffentlichkeit diskreter, als mit dem Handy zu reden

Das Projekt begann 2019 auf eine Weise, wie sie sich Wirtschaftsförderer für Start-ups immer erträumen: An der Kaffeemaschine in einem Freiburger Co-Working-Space, einer Art Gemeinschaftsbüro also, trafen die Aktivisten von Freies Sehen auf den Ingenieur Jan Clement. Die Vereinsleute hatten die Idee, Blinden die Nutzung von Smartphones zu erleichtern, der Elektronik- und Softwaremann Clement hatte das Know-How dazu.

Aufgabengebiet von "Freies Sehen" ist es, die Barrieren für Sehbehinderte im Berufsleben zu verkleinern: Die Mitarbeiter geben Kurse in der Anwendung von Microsoft Office, von Spracherkennungssoftware und Hilfsprogrammen für Eingeschränkte, und sie beraten Firmen bei der barrierefreien Einrichtung von Arbeitsplätzen. Natürlich, erklärt Daniel Schauenburg, konnten Blinde auch bisher Smartphones benutzen, besonders die für Sehbehinderte recht zugänglichen Apple-Geräte. Aber die Bedienung erfolgte zumeist über Sprachein- und ausgabe. "In der Öffentlichkeit ist das nicht sehr diskret".

100 Prototypen sind das nächste Ziel

Also musste ein Interface her, auf dem sich in Blindenschrift tippen ließ. Eine naheliegende Idee und trotzdem, behauptet Schauenburg, gebe es marktreif derzeit weitgehend nichts Vergleichbares. Jan Clement fertigte einen ersten Prototyp von "Connecta", dann einen zweiten. Vergangenes Jahr begann Freies Sehen, Spenden zu sammeln. Ziel ist es, mit dem Geld 100 Prototypen zu bauen um dann 100 Menschen die Tastaturen innerhalb einer Pilotstudie in der Praxis testen lassen zu können. Man brauche dafür etwa 50.000 Euro, heißt es beim Verein. Die Akquise ist zäh – bei vielen klassischen Spendengebern aus dem sozialen Bereich fielen sie durchs Raster. Auf Investoren setzen wolle man aber auch nicht, sondern die Entwicklung im Verein halten. Also hoffen die Mitglieder auf weitere Spenden.

Später werde Connecta um die 400 Euro kosten, sagen sie. Das klingt happig, angesichts der Entwicklungskosten und geringer Stückzahlen komme man da aber nicht drumherum, sagt Daniel Schauenburg. Zudem bezögen Sehbehinderte ja Blindengeld, sagt Jaqueline Laws, die selbst eine solche Einschränkung hat. "Das ist genau für solche Anschaffungen, die die Krankenkasse nicht bezahlt."
Verein Freies Sehen, Bertoldstraße 3, 79098 Freiburg, http://freiessehen.org