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Freiburger Verein Amica unterstützt kriegstraumatisierte Frauen weltweit

Tina Turban

Amica bemüht sich um Frieden und um Aussöhnung zwischen Völkern, Ethnien und Geschlechtern, so auch in der Ostukraine. Die Freiburger Frauenrechtsorganisation gibt Frauen auf der ganzen Welt eine Stimme.

Kriege und gewaltsame Auseinandersetzungen werden überwiegend von Männern ausgefochten – zurück bleiben meist eine Spur der Verwüstung, fehlende Infrastruktur und zerstörte Existenzen. Besonders hart getroffen sind häufig die Nebenfiguren des Geschehens: Die Frauen. Traumatisiert, mitunter als Kriegswaffe instrumentalisiert und als Zurückgebliebene, wird ihnen vor allem in patriarchalischen Gesellschaften oft wenig Aufmerksamkeit zuteil. Ein untragbarer Zustand, befanden die Freiburger Gründungsmitglieder des Vereins Amica im Jahre 1993 – damals im Zusammenhang mit dem schwelenden Krieg im ehemaligen Jugoslawien. "Wir entstanden als Bürgerinitiative und aus der Empörung heraus", sagt Gaëlle Dietrich, die seit einigen Jahren Mitglied des Vereins ist. Momentan sind acht hauptamtliche und drei ehrenamtliche Vorstandsfrauen bei Amica aktiv, insgesamt hat der Verein 160 Mitglieder. Dabei reicht das Altersspektrum der Engagierten von Freiburger Studierenden bis hin zu Rentnern und Rentnerinnen.

Eins der derzeitigen Projekte befindet sich in der Ostukraine. Längst ist die Aufmerksamkeit der Welt um den dortigen Konflikt weg – dabei steht der momentane Waffenstillstand zwischen der Ukraine und den von Separatisten besetzten Ostregionen Donezk und Luhansk auf tönernen Füßen. Amica bemüht sich mithilfe einer lokalen Partnerorganisation um nachhaltige Stabilität in der Konfliktzone. "Ein großes Problem ist häusliche Gewalt, die gesellschaftlich oft toleriert wird", so Natalia Schaaf, die für die Ukraine zuständige Referentin des Vereins. Daneben sei mit den Nachfolgen des Krieges und der sexualisierten Gewalt als dessen Nebenprodukt zu kämpfen – so etwa mit Traumatisierungen Vertriebener, Armut und Stigmatisierung.

Über den Bundesfreiwilligendienst kam sie zu Amica

Abhilfe schaffen seit September 2018 vielfältige Angebote der lokalen Partnerorganisation im ukrainischen Mariupol und in der Pufferzone zwischen dem ukrainischen und dem besetzten Teil: Neben umfangreichen psychosozialen Angeboten wie Therapiemöglichkeiten für Betroffene, sollen auch etwa Handarbeits-, Computer- und Businesskurse den Frauen zu wirtschaftlicher Unabhängigkeit verhelfen. Schaaf selbst begann ihr Engagement bei Amica 2017 als Bundesfreiwillige: "Mir war schon bei dem Kennenlerngespräch klar, dass ich meinen Bundesfreiwilligendienst unbedingt bei Amica machen möchte."

Wie auch bei den weiteren derzeitigen Projekten von Amica in Bosnien-Herzegowina, Libyen und im Libanon liegt der Fokus auf einer langfristigen Stärkung der Einrichtungen vor Ort: "Wir leiten die lokalen Initiativen zur Selbsthilfe an, geben Informationsveranstaltungen, Workshops, schulen in Sachen Fundraising und Verwaltung", so Schaaf. Dabei bliebe die örtliche Organisation unabhängig, Ziel sei der Aufbau nachhaltiger eigener Strukturen.
Das Zentrum des Vereins liegt in der Fabrik in der Habsburgerstraße in Freiburg – von dort aus werden weltweite Einsätze geplant, verwaltet und organisiert. Möglich ist das Engagement des Vereins überhaupt erst durch Spenden.

Häusliche Gewalt nimmt wegen Pandemie weltweit zu

Mit verschiedenen Aktionen beteiligte sich Amica auch bei den Aktionstagen "16 Tage – Stopp Gewalt gegen Frauen" vom 25. November, dem "Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen" bis zum 10. Dezember, dem "Internationalen Tag der Menschenrechte." Das Programm rückte Gewalt gegen Frauen und Mädchen in den Mittelpunkt und das nicht zur falschen Zeit – nicht nur nimmt aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen weltweit häusliche Gewalt zu, auch ist ein Wiedererstarken längst überkommen geglaubter Rollenbilder festzustellen.

Den Auftakt für Amica gab die Online-Video-Kampagne "Frieden? Nicht ohne uns!" Sie startete bereits am 31. Oktober, dem Jubiläumstag der UN-Resolution 1325 "Frauen, Frieden und Sicherheit". "Die Resolution ist ein wichtiger Meilenstein für unsere Arbeit und unsere Partnerinnen, leider ist die Umsetzung sehr mangelhaft", sagt Gaëlle Dietrich. "Unser Ziel war es, auf spezifische Situationen und Belange der Frauen in Kriegs- und Krisenregionen aufmerksam zu machen und die Forderungen von Amica und unseren Partnerinnen zu äußern."