Einnahme-Ausfall

Freiburger VAG rechnet mit einem dicken Corona-Minus

Simone Höhl

Die Verkehrs-AG Freiburg verzeichnet über 50 Prozent Rückgang beim Ticketverkauf. Die Regiokarte soll wegen der Pandemie dieses Jahr nicht teurer werden – aber wohl wegen der Inflation.

Die Freiburger Verkehrs-AG geht von erheblichen Einnahme-Ausfällen für dieses Jahr aus. Doch das städtische Unternehmen, das ohnehin ein jährliches Defizit von 20 Millionen Euro einfährt, hält an den bisherigen Ausbauplänen fest. Ab welchem Punkt diese gestoppt werden müssten, ist unklar. "Das ist aktuell nicht seriös zu prognostizieren", sagt Andreas Hildebrandt, der Sprecher der Verkehrsbetriebe. Sie stünden in engem Austausch mit der Stadt. Freiburg denkt wegen der Corona-Krise über eine Haushaltssperre nach.


Wie hoch das Einnahme-Minus der VAG bisher ist, sei schwer zu sagen, erklärt Hildebrandt. Es handele sich um Verbundeinnahmen. Direkt bei sich kann die VAG deutliche Rückgänge beim Fahrscheinverkauf feststellen – in Bussen, an Automaten, Schaltern und per App: "Weniger als die Hälfte im Vergleich zu sonst." Insgesamt befördert die VAG derzeit 90 Prozent weniger Fahrgäste.

Kurzarbeit soll kein Thema sein

Die Kosten sinken nicht annähernd so stark. Zwar hat die VAG weniger Personal und Fahrzeuge im Einsatz und spart Sprit. Doch wie hoch die Ersparnisse sind, lässt sich dem Sprecher zufolge ebenfalls noch nicht belastbar sagen.

Auf Kurzarbeit will die Stadt verzichten. Wo möglich, bauen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Überstunden und Resturlaub ab, erklärt Hildebrandt. In den meisten Arbeitsbereichen aber sei das Pensum trotz des Corona-Fahrplans nicht oder kaum weniger geworden. In der Werkstatt springen Mitarbeiter der Schauinslandbahn für Erkrankte ein.

Stadtbahnausbau soll weitergehen

Die Gondeln der Bergbahn stehen auch nach der Revision still, Einnahmeausfall: 100 Prozent. Das Team erledigt Wartungsarbeiten selbst, die sonst an Firmen vergeben worden wären, und baut ebenfalls Überstunden ab. Der Bau der Aussichtsplattform läuft weiter.

Keine Auswirkung hat Corona bislang auf den weiteren Ausbau und die Modernisierung von Netz und Fuhrpark. "Das sind mittel- und langfristige Projekte", sagt Hildebrandt.

Welches Projekt bekommt Priorität?

Stadt und VAG legen in der nächsten Aufsichtsratssitzung ihren Plan zum Stadtbahnausbau vor. Der Gemeinderat soll nach bisherigem Zeitplan im Mai festlegen, nach welcher Priorität Freiburg ausbaut. Dabei geht es um Vorhaben wie die Verlängerung der Stadtbahn Littenweiler, die Trasse für Dietenbach, den Lückenschluss zwischen Rotteck- und Messelinie durch die Bahnhofsunterführung und um St. Georgen.

Trotz des Corona-Minus bei den Verkehrsbetrieben in und um Freiburg: "Eine außerplanmäßige Erhöhung der Regiokarten-Preise ist nicht vorgesehen", erklärt der Regio-Verkehrsverbund auf Anfrage.

Keine Rückerstattung bei Regiokarten-Abo

Teurer wird die Karte dieses Jahr wahrscheinlich doch, aber nur wegen des normalen Anstiegs von Personal-, Fahrzeug- und Spritkosten, so Geschäftsstellenleiter Thilo Ganter.

Regiokarten-Abonnenten, die ihre Monatskarte längst bezahlt, aber jetzt nicht oder von zu Hause aus arbeiten, können nicht auf Rückerstattung hoffen. Die Verkehrsunternehmen stellten trotz allem ein solides Angebot zur Verfügung, erklärt Ganter.