Rave the Rempart

Freiburger Studierende raven für eine autofreie Rempartstraße

Annika Vogelbacher

Raven für die Rempartstraße: Diesen Dienstag demonstrierten Studierende tanzend vor der Mensa. Sie wollen, dass die Straße autofrei wird. Dabei gab es die Debatte schon einmal: Seit mehr als 50 Jahren setzen sich Studierende dafür ein.

"Warum wir raven fragst du dich? Platz fürs Fahrrad, Platz für Menschen, Platz fürs Klima. Kein Platz für Autos", schallt eine Frauenstimme zwischen Beats aus Lautsprechern gegenüber dem Mensa-Eingang in der Rempartstraße. Zur Technomusik, leichtem Nieselregen und in der Luft liegendem Duft nach Mensa-Essen tanzen etwa 50 Studierende beim "Rave the Rempart". Sie demonstrieren dafür, dass die Rempartstraße autofrei wird. Es ist nicht der erste Rave für diesen Zweck. Wie später Friedrich Dreves vom Lokalverein Innenstadt Freiburg sagt, demonstrierte er als Student schon in den 70er-Jahren für das gleiche Anliegen.

Anfang März vergangenen Jahres schien es so, als wäre die erste Hürde geschafft: Die Rempartstraße wurde probeweise zur Einbahnstraße. Aber die Stadt erhob, dass es durch die einseitig ausfahrenden Fahrzeuge häufig zu Rückstaus auf der Kajo kam – die Straße darf deshalb seit August wieder beidseitig befahren werden.

Dagegen wendet sich das Bündnis "Platz für Menschen", das sich aus Greenpeace Freiburg, Students For Freiburg, dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) und dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) zusammensetzt.

Tägliche Gefahr für die Studierenden

Unter einem Partyzelt, an dem Banner mit der Aufschrift "Tanz für autofrei" und "Fahrradparkhäuser" angebracht sind, steht Clara Buck, die Pressesprecherin von Fridays for Future Freiburg. "Wir wollen so viele Menschen wie möglich erreichen, Lösungen finden und diese auf die Agenda bringen", sagt sie. Ziel sei es, dass die Rempartstraße autofrei wird. In der Straße befinden sich jedoch zwei große Tiefgaragen. Was soll aus diesen werden, wenn sie kein Auto mehr erreicht? "Die Universität-Parkgarage soll zu einer sicheren Fahrradgarage umfunktioniert werden", sagt Buck. Das gegenüberliegende Parkhaus soll Platz für sozialen Wohnungsbau schaffen. "Hier ist der Dreh- und Angelpunkt der Studierenden. Sie laufen tagtäglich Gefahr, in dieser stressigen Verkehrssituation vor ein Auto zu kommen", betont Buck.



Unter die Menschentraube hat sich auch die Psychologiestudentin Luise Wachsmuth (23) gemischt. Tanzend sagt sie, sie wünsche sich, dass die Aktion Vorbild für andere Städte sei: "Ich komme aus dem Saarland, da passiert noch nicht so viel. Es wäre geil, wenn die Aktion eine Lobby findet."

"Die Rempartstraße muss autofrei werden, das ist klar." Anna Fedrich, Studentin
Auch die 20-jährige Studentin Anna Fedrich unterstützt die Forderungen des Bündnisses mit ihrem Tanz. "Die Rempartstraße muss autofrei werden, das ist klar", sagt sie. Sie habe schon oft erlebt, wie es beinahe zu Unfällen zwischen Studierenden und Autos gekommen sei. "Einmal war eine lange Schlange vor der Mensa und ein Mädchen ist auf die Straße gestolpert. Es war so kurz davor, dass etwa passiert ist", sagt sie und zeigt mit ihren Fingern einen Abstand von ein paar Zentimetern.

Der Lokalverein Innenstadt Freiburg unterstützt das Bündnis

Ein weiterer Plan des Bündnisses ist es, mit dem Gemeinderat mehr in den Dialog zu gehen. Deshalb waren auch die Fraktionen zum Rave geladen. Gekommen war nur Hannes Wagner (Grüne), der den Studierenden die Unterstützung seiner Partei zusagt, sowie der Lokalverein Innenstadt Freiburg mit Anca Rosler-Koslar und Friedrich Dreves. "Es soll ein neuer Verkehrsversuch gestartet werden und wir wollen unbedingt ein Fahrradparkhaus", sagt Dreves unter Beifall der Studierenden. Seit Jahrzehnten kämpfe der Verein bereits für einen Zebrastreifen zur Mensa. "Eine Begleitgruppe zur Planung der Rempartstraße ist erst wieder in vier Jahren geplant. Wir setzen uns dafür ein, dass sie schnellstmöglich tagen", versichert Devis. "Wenn wir uns nur alle vier Jahre Gedanken über die Verkehrswende machen, kann das nichts werden." Das Anliegen einer autofreien Innenstadt sei aber nicht leicht, sagt Dreves. "In unserem Lokalverein sind auch Geschäftsleute, die man davon überzeugen muss, dass eine Verkehrsberuhigung auch ihnen zu Gute kommt."