Protokoll

Freiburger Studentin hatte Covid-19 und berichtet aus der Quarantäne

Gina Kutkat

Über 1000 Menschen haben sich im Raum Freiburg bereits mit dem Coronavirus infiziert. Während täglich neue Fälle dazu kommen, haben einige die Krankheit schon überstanden. Wie Studentin Judith Kohm, die fudder von ihren Erfahrungen erzählt hat.

Dieser Erfahrungsbericht steht für sich allein und bildet keinen typischen Verlauf von Covid-19 ab – denn den gibt es nicht. Die fudder-Redaktion hatte einen Aufruf gestartet und Menschen gebeten, sich zu melden, wenn sie die Krankheit überstanden hatten. Dieser Bericht will nichts verharmlosen, sondern einen möglichen Verlauf aufzeigen.

Judith Kohm, 22, Studentin aus Freiburg:

"Ich habe mich wahrscheinlich bei meiner Tante mit Covid-19 angesteckt – wir haben uns beim Geburtstag meiner Oma Mitte März gesehen. Das war noch vor der Ausgangsbeschränkung. Kurz danach hat sie dann Symptome entwickelt und einen Test gemacht, der sich später als positiv herausstellte. Eine Woche nach dem Familienfest ging es dann bei mir los: Samstagabend habe ich mich abgeschlagen und schlapp gefühlt. Zu dem Zeitpunkt habe ich noch gehofft, dass es eine normale Erkältung ist.

"Niemand fühlte sich so richtig zuständig."

Am Sonntag habe ich dann Fieber bekommen und dazu noch starke Kopfschmerzen. Das Fieber ist den Tag über stark gestiegen bis auf 39 Grad, da habe ich dann beim ärztlichen Notdienst angerufen. Ich bin auch gleich gut beraten worden, nur beim Gesundheitsamt ging es ein bisschen hin- und her. Niemand fühlte sich so richtig zuständig.
Wer hilft mir, wenn ich Krankheitssymptome habe?
  • Wenn Sie bei sich selbst Symptome feststellen, rufen Sie ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt an.
  • Gehen Sie keinesfalls unangemeldet direkt in eine Praxis oder in ein Krankenhaus. Gehen Sie auch nicht direkt zu einem lokalen Abstrichzentrum – sie werden dort nur getestet, wenn ihre Hausärztin oder ihr Hausarzt dies angeordnet hat.
  • Sollten die Symptome am Wochenende auftreten, kontaktieren sie die 116 117 des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes. Er ist freitags von 16 bis 22 Uhr sowie samstags und sonntags von 8 bis 22 Uhr erreichbar.

Zwei Tage später hat mich meine Mutter dann zur Messe Freiburg gefahren, um beim mobilen Abstrichzentrum den Corona-Test zu machen. Das war ein richtiges Highlight, denn ich war zu dem Zeitpunkt natürlich schon ein paar Tage in Quarantäne und froh, mal rauszukommen. Mir ging es allerdings schon wieder besser: Alles in allem hatte ich nur ein bis zwei Tage Symptome, am nächsten Morgen ging es mir wieder gut, nur das Müsli hat noch komisch geschmeckt. Mittlerweile gehören Geschmacksveränderungen ja auch zu den Corona-Symptomen.

"Ich wohne noch bei meiner Familie und verlasse seit zwei Wochen mein Zimmer nur noch, wenn ich auf die Toilette oder duschen muss."

Fünf Tage nach dem Abstrich hatte ich das Ergebnis: Das Labor sagte mir am Telefon, dass ich positiv auf Covid-19 getestet worden bin. Am Anfang fand ich die Diagnose schlimm. Ich war die einzige in meiner Familie, die es hatte – außer meiner Tante. Die hat sich übrigens bei einem Arbeitskollegen angesteckt, wie wir mittlerweile vermuten. Und auch sonst gibt es niemanden in meinem Umkreis, der positiv auf Covid-19 getestet wurde – noch nicht.
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Am 21. März war ich das letzte Mal draußen. Ich wohne noch bei meiner Familie und verlasse seit zwei Wochen mein Zimmer nur noch, wenn ich auf die Toilette oder duschen muss. Die restliche Zeit habe ich quasi Zimmer-Arrest, damit ich niemanden in meiner Familie anstecke. Am Anfang war das für mich total belastend, ich hatte auch einen kleinen Nervenzusammenbruch.

Jetzt zieht es sich nur noch, die Tage verschwimmen und mir fällt einfach die Decke auf den Kopf: Ich liege viel rum, schaue Serien oder spiele Computerspiele. Diese Woche habe ich auch zum ersten Mal wieder für die Uni gelernt. Wenn ich Hunger oder Durst habe, muss ich meine Mutter rufen und sie bringt mir dann was.
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Mittlerweile bin ich ganz froh, dass ich Covid-19 schon hinter mir habe und quasi immun bin. Zum Glück ist die Krankheit bei mir so milde verlaufen und ich darf bald wieder nach draußen. Am Samstag endet meine Quarantäne. Was ich dann als erstes mache, weiß ich noch gar nicht, aber ich freue mich sehr drauf, wieder rausgehen zu können.

Ich finde es anstrengend, dass es aktuell nur noch um Corona geht und man keine andere Ablenkung mehr hat. Wobei es natürlich wichtig ist, dass viel darüber gesprochen und informiert wird. Und irgendwie finde ich es auch spannend. Meiner Meinung nach haben wir ein gutes Gesundheitssystem in Deutschland, das macht mir Mut."

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