Wochenrückblick

Freiburger schneidet Nachrichten auf Instagram in sechzig Sekunden zusammen

Gina Kutkat

Der 25-jährige Damian Correa hat ein Instagram-Format entwickelt, mit dem er Nachrichten für junge Menschen konsumierbar macht. Wie viel Aufwand hinter "Die Woche in 60 Sekunden" steckt, erklärt er im Interview.

Im Januar hast Du das erste Video auf Instagram online gestellt. Worum geht’s in "Die Woche in 60 Sekunden"?

Das ist eine Art satirischer Nachrichtenrückblick, der versucht, gesellschaftskritische Neuigkeiten komprimiert darzustellen. In erster Linie geht es um politische Themen, die die letzten sieben Tage in den Medien diskutiert worden sind. Ich versuche aber auch Themen aufzugreifen, die in Deutschland nicht so auf dem Nachrichtenradar sind – wie zum Beispiel die globale Impfstoffverteilung oder der Kälteeinbruch in Lesbos. Und ich suche Anknüpfungspunkte an lustige und unterhaltsame Themen, damit die Leute am Ball bleiben.
"Der Anspruch, die Woche in einer Minute abzubilden ist natürlich utopisch, deswegen ist mir der satirische Aspekt auch wichtig."

Was ist deine Motivation hinter dem Ganzen?

Nachrichten für Menschen zugänglich machen, die nicht jeden Tag auf Spiegel-Online unterwegs sind – sondern eher auf Instagram. Meine Generation ist noch mit Facebook und SchülerVZ groß geworden und steckt in der Instagram-Welt nicht so drin wie die jüngere Generation. Durch meine kleinen Geschwister habe ich gemerkt, wie intensiv diese die Plattform verwenden. So bin ich auf die Idee gekommen, Instagram zu nutzen, um Nachrichten in aller Kürze, quasi "to-go", zu liefern. Denn unsere Aufmerksamkeitsspanne wird immer kürzer, die Tagesschau mit ihren 15 Minuten ist für viele schon zu lang. Damit man trotzdem weiß, was in Deutschland und der Welt passiert, habe ich mir das einminütige Instagram-Format ausgesucht. Der Anspruch, die Woche in einer Minute abzubilden ist natürlich utopisch, deswegen ist mir der satirische Aspekt auch wichtig.



Es gibt ja schon ähnliche Formate, die kurz die Nachrichten in Videoform erklären. Was ist bei dir anders?

Damit ich alle Nachrichten unterbekomme, spreche ich meinen Text in doppelter Geschwindigkeit, ich rattere quasi alles durch. Auch meine eigene kritische Perspektive steckt in den Videos mit drin. Außerdem arbeite ich mit Memes, um das Ganze etwas aufzulockern und merke da auch, welchen Unterschied es zwischen den Generationen gibt. Beispielsweise kannte meine 15-jährige Schwester ’Teddy’s Umfrage zum Integrationstest’ nicht, das hat mich wirklich verwundert, weil das bei uns sehr beliebt und bekannt war. Ich habe die Sequenz dann tatsächlich rausgelassen.
Instagram: @diewochein60sek

Wie viel Arbeit steckt in so einem 60-sekündigen Video?

Ziemlich viel, ich schätze zwei komplette Tage. Zuerst muss ich die Nachrichten der vergangenen sieben Tage sichten und mich da auch teilweise durch lange Beiträge wie die Corona-Konferenz quälen, um ein gutes Zitat zu finden. Zu den Krawallen in Holland habe ich stundenlang Videos auf Youtube geschaut, bis plötzlich ein weißes Polizeipferd durchs Bild lief. Darüber stand nichts in den Berichten, ich habe es auf Niederländisch gegoogelt, um mehr darüber herauszufinden. Dann habe ich die Sequenz auf einem holländischen Twitter-Account gefunden und sie für das Video genutzt. Wenn ich alles zusammengesucht habe, schneide ich es zu einem Video zusammen und spreche dann meinen Text dazu. Das ist gar nicht so einfach, weil ich die Akzente perfekt setzen muss. Dafür schreibe ich mir alles auf und übe jeden Satz 20 bis 30 Mal. Die Zuschauer sollen alles beim ersten Mal verstehen – das ist die Herausforderung.
Damian Correa ist 25 Jahre alt, kommt ursprünglich aus Berlin und ist fürs Studium nach Freiburg gezogen. Hier studiert er Politik, Deutsch und Soziologie.

Wie hast du als Jugendlicher Nachrichten konsumiert?

Ich hatte das Privileg, in einer Journalistenfamilie groß zu werden. Meine Eltern haben sich schon als Kind mit mir über politische Themen unterhalten und mein Interesse wurde früh geweckt. Selber Journalist werden wollte ich allerdings nie, weil mich immer die biedere Seite des Journalismus abgeschreckt hat. Ein aktuelles Beispiel: Wie einige Medien die Nachricht aufgearbeitet haben, dass Bodo Ramelow Candy Crush während den Corona-Konferenzen spielt, war so ein Beispiel. Ich weiß noch, wie sich eine Moderatorin mit todernstem Gesicht vor die Kamera gestellt hat mit den Worten: "10 Level schafft er in einer Ministerpräsidentenkonferenz". Einerseits habe ich das Gefühl, mich von meinen Eltern, die den klassischen Journalismus betreiben, emanzipieren zu müssen. Andererseits interessieren mich Nachrichten ja auch, aber ich stelle sie eben anders dar. So, wie ich sie selber konsumieren würde.

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