Übung

Freiburger Rettungshunde schnüffeln sich im Europa-Park durch Frankreich-Themenbereich

Julia Witzku

Mantrailer, Trümmerhunde und Flächensuchhunde: Anfang Februar hat die Rettungshundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes geübt. Sie schnüffelten sich durch den Europa-Park.

Da sitzt ein schwarzer Hund in der Mitte des leeren Platzes. Seine Augen wandern von links nach rechts und von rechts nach links, die Nase zuckt. Über ihm bläst der Wind die französische Flagge hin und her. Die kühle Luft streicht über Fassaden, die man sonst aus der Pariser Altstadt kennt. In einem leergepumpten Wassergraben liegt ein graues Boot. Valco weiß ganz genau was jetzt kommt.


Da ist er allerdings nicht der Einzige. Regula Wolf wartet gespannt neben ihm, die Hand um die Leine des Hundes gelegt. Ihre orangefarbene Jacke ist bestickt mit einem Aufsticker des roten Kreuzes. Sie ist Valcos Hundeführerin, denn der Labrador gehört zur Rettungshundestaffel des Freiburger Roten Kreuzes. Normalerweise rettet er Leben. Der Hund spürt vermisste Personen auf und kann ihnen so helfen.

Gleich mehrere Hundestaffeln trainieren in Rust

An einem Samstag Anfang Februar darf er im Europapark in Rust trainieren. Genauer gesagt, im Themenbereich Frankreich. "Such’", hört Valco sein Frauchen nun rufen. Das lässt er sich nicht zweimal sagen. Seine Augen blitzen auf und er stürmt los. Der Labrador ist jetzt voll in seinem Element. Auf der Suche nach Opfern flitzt er über den gesamten Platz. Seine Ohren fliegen im kalten Wind.

Die Männer und Frauen in den orangefarbenen Jacken beobachten ihn ganz genau. An diesem Samstag sind sie alle früh aufgestanden, um mit den Hunden zu trainieren. Die Rettungshundestaffel um Staffelleiterin Regula Wolf ist dabei nicht die Einzige, die an diesem Tag in den Europapark gekommen ist. Gleich mehrere Hundestaffeln wollten den Tag nutzen. Sie kommen aus Offenburg, Emmendingen oder Lech.

"Nicht jeder Hund kann dasselbe." Regula Wolf, Staffelleiterin
"Ganz schön kalt", bemerkte auch Regula Wolf als sie am Morgen auf dem Parkplatz stand und ihre Teamkollegen begrüßte. Man rieb sich die Hände warm und packte Handschuhe aus. In der Kälte zuckte die Hundenase. "Wir haben nur einmal im Jahr die Möglichkeit, hier zu trainieren. Natürlich nehmen wir die Kälte in Kauf", sagt sie lächelnd. Ihr Atem bildet Wölkchen in der Luft. Die Freiburger Hundestaffel des DRK hat 29 Mitglieder. Nicht alle konnten an diesem Tag mitkommen. Die Anwesenden trainieren aber keinesfalls alle zusammen. "Die Zeit ist knapp", so Wolf, "und nicht jeder Hund kann dasselbe". Ihr Valco gehöre zu den Flächensuchhunden und ist gleichzeitig Trümmerhund.

"Flächensuchhunde versuchen Menschen auf großen Flächen oder Waldstücken zu finden und Trümmersuchhunde suchen zum Beispiel in eingestürzten Gebäuden nach Verschütteten", erklärt sie, "Heute trainieren aber auch Mantrailer. Das sind Hunde, die die Spur einer ganz bestimmten Person aufnehmen können und ihr folgen."

Langsam ist der Hund nicht

Zu acht sind die Hundeführer im Themenbereich Frankreich. Valco läuft alles ab. Ab und zu zeigt Regula Wolf ihm die Richtung, in der er suchen soll. Ihren Arm streckt sie dann in Richtung eines bestimmten Gebäudes oder sie macht ein paar Schritte dorthin. "Das nennt man markieren. Valco fängt sonst vielleicht an einer anderen Stelle an zu suchen", sagt Harriet Jeeves. Die junge Hundeführerin beobachtet Valco ganz genau. "Regula darf nur nicht zu viel unterstützen. Drücken heißt das dann", ergänzt sie. Valco hat das aber auch nicht nötig.

Er trainiert seit zweieinhalb Jahren. Das macht ihn erfahren. Routiniert läuft er alles ab. Eines ist der schwarze Hund dabei nicht: langsam. Blitzschnell verschwindet er hinter der nächsten Ecke. Regula Wolf joggt hinterher. "Der Hund hält sie ganz schön auf Trab", bemerkt Daniela Kirschner. Sie kennt Hund und Frauchen schon seit die Beiden zur Staffel kamen. Da war Valco 13 Wochen alt.

Je länger, die Nase, desto besser der Geruchssinn

Eigentlich kann jeder Hund Rettungshund werden. Er braucht eine Nase, die lang genug ist und muss groß genug sein, um sich im Gelände bewegen zu können. Ein Mops käme da wohl nicht in Frage. Im Wald käme er nicht richtig über Stock und Stein und die Nase ist viel zu kurz. Denn bei Hunden gilt die Devise: Je länger die Nase, desto besser der Geruchssinn. Klar, denn so gibt es mehr Platz für Riechzellen. Von denen haben Hunde 550 Millionen.

Außerdem sollte der Hund beim ersten Training nicht zu alt sein. Die Rettungshundeprüfung muss spätestens abgelegt werden, wenn der Hund sechs Jahre alt ist. "Vielleicht kann ein älterer Hund alles schnell lernen, aber der Mensch braucht oft mehr Zeit, um sich auf den Hund einzulassen, das Handwerk zu lernen und die DRK-Helfergrundausbildung zu absolvieren", sagt Wolf. Hunde, die älter als drei Jahre sind, dürfen selten die dreijährige Ausbildung beginnen.

Frauchen und Hund sind ein eingespieltes Team

Da ist sie wieder, die zuckende Nase. Valcos Schwanz schlägt von links nach rechts. Er blinzelt noch einmal, dann springt er durch die Tür eines leeren Bootes. Im Sommer sicher ein hübsches Restaurant, heute jedoch voller gestapelter Stühle, zwischen denen der Labrador den Geruch des Opfers wahrnimmt. Ja, hier muss es sein. Valco weiß, dass er nicht mehr weit ist. Aufgeben ist keine Option. Eisern ragt eine Wendeltreppe vor ihm auf. Er springt nach oben und öffnet das Maul – Wau! Erst einmal, dann reckt er sein Gesicht nach oben und bellt erneut. Energisch versucht er seine Hundeführerin auf den Fund aufmerksam zu machen. Tatsächlich, da sitzt das Opfer. "Super Valco", ruft dieses. Der Hund wird gelobt, bekommt ein Leckerchen und darf ein wenig Spielen.

Auch die Hundeführer sind sichtlich stolz. Der Labrador wird getätschelt und man spielt mit ihm. Valco hat es geschafft. Sein Frauchen und er sind ein eingespieltes Team. Das müssen sie aber auch sein. Harriet Jeeves, die mit Hündin Maya schon auf ihren Einsatz wartet, stellt fest: "Inzwischen kennen wir unsere Hunde so gut, dass wir sehen, wenn sie etwas riechen." In der Pause wird dann viel gelacht. Die Hundestaffel kennt sich gut. "Das Hobby ist zeitintensiv", sagt Ramona Sexauer, "Jede Woche verbringen wir mindestens 10 Stunden zusammen." "Die Hundestaffel ist da fast schon eine zweite Familie", ergänzt auch Jeeves. Aber Valco, Maya und ihre Kollegen profitieren davon.

"Eine Win-Win -Situation", so Sexauer. "Der Hund weiß nicht, dass er arbeitet. Für ihn ist das ein Spiel und eine Beschäftigung für den Kopf", stellt Jeeves klar. Maya traue sich bei der Suche Dinge, die sie sich im Alltag nicht traue. "Diese Ressource müssen wir doch nutzen", sagt die Hundeführerin.

Orientierung ganz ohne Licht im Geisterhaus

Nicht nur auf dem Platz im Themenbereich Frankreich trainieren die Hunde. Später zieht die Truppe weiter – die Geisterhäuser am Rande des Geländes geben tolle Verstecke ab. Ganz ohne Licht müssen die Hunde sich hier orientieren. Mittlerweile ist es draußen wärmer geworden. Hier drinnen jedoch bildet der Atem weiter Wölkchen und die Lippen werden schnell blau. Spielt man selbst das Opfer ist es im dunklen Gruselhaus alles andere als gemütlich.

Neben einem Sarg mitsamt Dracula versteckt heißt es warten. Kurz zuvor hatte das Europapark-Team angeboten, die Effekte anzuschalten. Das hatten sie dann aber gelassen – zum Glück. Ein paar Minuten vergehen. Man hört Pfoten tapsen. Sie gehören Amber, einem der erfahrensten Rettungshunde der Staffel. Die zuckende Nase schleicht durch die Gänge. Der Hundeführer spricht dem Hund gut zu. Dann steht er vor dem Sarg und bellt. Endlich! Die Erleichterung ist riesig. Genug von dunklen Geisterhäusern.

Bis zu zehn Einsätze im Jahr 2019

Im Notfall könne die Rettungshunde Leben retten und müssen es auch. Sie wurden für den Fall trainiert, dass ein Mensch fernab von Geisterhäusern und ohne Taschenlampe verloren ging und Hilfe braucht. "Nur dafür haben wir heute trainiert", sagt Ausbilderin Claudia Heckle später. Die Staffel existiert auch nicht grundlos. "Am häufigsten suchen wir nach dementen Personen, die sich verlaufen haben", so Heckle, "aber auch die brauchen unsere Hilfe."

Die größeren Einsätze werden hingegen immer öfter von den Hundestaffeln der Polizei übernommen. Pro Jahr haben die Hunde bis zu zehn Einsätze. Könnten sie gar nicht mehr suchen, würde ihnen etwas fehlen. Beim Gedanken an die Suche zuckt Valcos Nase immer noch vor Aufregung. Mehr zum Thema: