Kleiner Krause

Freiburger Rapper: "Ein bisschen politisch, persönlich und prollig"

Selma Leipold

Rapper Kleiner Krause, eigentlich Anton M., studiert in seiner Wahlheimat Freiburg nicht nur Deutsch und Geschichte, sondern macht leidenschaftlich gerne Musik. Der 25-jährige Rapper hat Anfang Dezember sein zweites Soloalbum herausgebracht.

Am ersten Dezember hast du dein zweites Soloalbum veröffentlicht, herzlichen Glückwunsch! Wie bist du zur Musik gekommen, war das schon immer ein Teil deines Lebens?

Danke! Wenn man dazu zählt, dass ich schon als Kind Klavierunterricht hatte, mache ich eigentlich schon immer Musik. Mit zwölf habe ich angefangen, eigene kleine Text zu schreiben und die dann bei meinem Bruder aufgenommen, der hat das mit seinen Freunden früher auch gemacht. Und dann habe ich relativ schnell mit einem Schulfreund – Morpheus – zu zweit weitergemacht, er wird auch ab und zu im Album erwähnt. Mit 14 haben wir dann angefangen, Songs aufzunehmen haben Alben mit selbstgemachten CDs auf dem Schulhof verkauft. Und das Ganze mit der Zeit auch mit Spotify professioneller aufgezogen.

Arbeitet ihr auch heute noch zusammen?

Nein, ich bin 2015 nach Freiburg gezogen und irgendwann wollte ich nicht mehr die ganze Zeit nach Heidelberg fahren, um Musik zu machen, weil es schon ein sehr zeitintensives Hobby ist. Ich wollte mir hier in Freiburg also auch etwas aufbauen und habe dann den Produzenten, "Diesel J" auf der Veranstaltung "Rap Anker" im Artik kennengelernt. Wir haben Nummern ausgetauscht und letztlich dann das Album, das jetzt am ersten Dezember rauskam, zusammen produziert.
"Ich beabsichtige keine direkte Message, ich will einfach ein bisschen erzählen, was mir in der Welt nicht gefällt und was ich so sehe."

Wie würdest du deine Musik beschreiben?

Ich würde sagen, dass es relativ klassischer Studentenrap ist, auch wenn ich probiere, das nicht zu machen. Aber davon kann ich mich natürlich nicht komplett fernhalten, weil es einfach meine Lebensrealität ist. Soundbildmäßig haben wir eine gute Mischung aus klassischem Rap und moderneren Trap-Elementen gefunden, das fand ich ganz interessant bei der Entstehung. Man muss dazu sagen, meine Vorstellung wie es klingen soll, wenn ich den Text geschrieben habe, war immer ganz anders zu dem, wie es am Ende dann geklungen hat. Es war echt sehr cool, mit "Diesel J" zusammenzuarbeiten, weil wir uns gegenseitig ziemlich an unsere Limits gepusht haben und immer wieder unterschiedliche Ideen aufeinandergestoßen sind und so ist das Ganze dann entstanden. Man kann es als "Liebhaber Rap" bezeichnen.

Gibt es etwas, das dich am Rap gegenüber anderen Musikrichtungen fasziniert?

Ich höre schon mein ganzes Leben lang Rap, vor allem amerikanischen. Wenn man Lust hat, sprachlich ein bisschen etwas zu machen, bietet Rap einfach wahnsinnig viele Möglichkeiten. Man kann einfach nur Unsinn erzählen und Spaß haben, man kann aber auch ernstere Themen besprechen. Wenn man keinen Poetry Slam machen will, ist Rap glaube ich ganz gut (lacht).



Deine Musik erscheint unter dem Künstlernamen "Kleiner Krause", was steckt da dahinter?

Mein großer Bruder hatte den Spitznamen "Krause" und seine Freunde haben mich immer kleiner Krause, Krause small oder Mini Krause genannt. Da ich im Namen geben nicht so kreativ bin, dachte ich mir, ich übernehme das einfach.

Und wie bist du bei der Namensfindung für das Album "Kapuze" vorgegangen?

Der Albumname kam mir tatsächlich schon in den Sinn, bevor ich die Lieder dafür geschrieben habe. Ich mache das häufig so, dass ich mir ein Motiv überlege und dann die Songs daraufhin schreibe und an diesem Motiv orientiere. In dem Fall war es eben das Motiv einer Kapuze, ich finde das hat etwas Düsteres an sich und steht dafür, dass man sich zurückzieht und sich ein bisschen vor der Welt verschließt. Die Texte auf meinem Album sind deshalb zum Großteil relativ düster, auch die partymäßigeren Tracks haben immer auch ernstere Zeilen und das Wort Kapuze kommt in den verschiedenen Liedern häufig vor.

Würdest du sagen, dass die Lieder im Album miteinander zusammenhängen?

Ich glaube, dass sie irgendwo auf jeden Fall miteinander verbunden sind, weil ich sie alle in einem bestimmten Zeitrahmen geschrieben habe und sich manche Motive deshalb auch wiederholen. Aber es ist nicht so, dass alle Lieder zusammen eine Message vermitteln. Meine Musik ist ein bisschen politisch, ein bisschen persönlich und ein bisschen prollig. So kann man das ganz gut zusammenfassen. Ich beabsichtige keine direkte Message, ich will einfach ein bisschen erzählen, was mir in der Welt nicht gefällt und was ich so sehe.
"Ich mache nicht diesen krass politischen, zeigefingermäßigen Rap, wie man ihn kennt. Das kann anstrengend sein."

Die Inspiration deiner Texte holst du dir also, indem du dir die Welt genau anschaust?

Genau, also ich mache eben nicht diesen krass politischen, zeigefingermäßigen Rap, wie man ihn kennt. Das kann anstrengend sein. Ich habe eigentlich immer ein Textbuch oder manchmal auch das Handy dabei und sammle mir dann irgendwelche Wörter, die ich so mitkriege. Dann habe ich immer einen Notizzettel, auf dem Wörter draufstehen wie zum Beispiel "Pommesbude" oder "Unwetterwarnung", also einfach Wörter aus dem Alltag. Ich gucke dann, welche mir gefallen vom Klang oder einfach, weil es komische Wörter sind und überlege, ob ich daraus irgendwelche Bilder schaffen kann. Wenn ich in der Stimmung bin, schreibe ich dann Texte mit den gesammelten Wörtern und gucke dabei, dass ich sie immer in einem anderen Kontext verwende.

Wie lange braucht denn so ein Prozess, von der Idee ein Album rausbringen zu wollen, bis zur Veröffentlichung? Und haben die Corona Beschränkungen da ein Hindernis dargestellt?

Tatsächlich hat es aufgrund von Corona sehr lange gedauert dieses Mal. Wir haben uns im Februar 2020 zum ersten Mal zum Aufnehmen getroffen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon die Hälfte der Songs geschrieben. Wir haben dann mal einen Song aufgenommen, einfach um erst mal gucken, wie das passt. Kurz danach kam dann der erste Lockdown und da war dann erstmal wieder alles auf Eis gelegt. Letztlich war das Album dann diesen Sommer fertig, obwohl das eigentlich schon im Winter 2020 geschrieben war.

Wie sieht der Blick in die Zukunft aus?

"Diesel J" und ich werden auf jeden Fall nochmal zusammenarbeiten. Über die Zeit sind wir uns natürlich auch freundschaftlich nähergekommen und deshalb haben wir uns beide entschieden, dass wir uns Anfang nächsten Jahres nochmal zusammensetzen und nächstes Jahr auf jeden Fall wieder etwas releasen. Jetzt im Dezember hätten wir eigentlich auch eine Release-Party mit einem Konzert gemacht, das musste coronabedingt natürlich wieder gekippt werden.
Mehr zum Thema: