Diskussion

Freiburger Quidditch-Team will sich von Harry-Potter-Autorin distanzieren

Tim Bergfeld

Quidditch basiert auf den Harry-Potter-Büchern der Autorin Joanne K. Rowling. Nachdem dieser aber Transfeindlichkeit vorgeworfen wird, will sich die Szene distanzieren und den Sport umbenennen – auch das Freiburger Team zieht mit.

Am Bolzplatz im Seepark wirbeln zehn junge Menschen Staub auf. Mit Stäben zwischen den Beinen, die Besen symbolisieren sollen, rennt die Freiburger Quidditch-Mannschaft "Black Forest Bowtruckles" über das Spielfeld und passt und wirft sich Bälle zu. Für Laien sieht es chaotisch aus, aber je länger man zusieht, desto mehr sieht man, dass viel Taktik im Spiel ist.

Quidditch ist eine ursprünglich fiktive Sportart, die auf den Harry-Potter-Romanen der britischen Autorin Joanne K. Rowling basiert. Inzwischen hat sie sich zu einer unabhängigen Sportart mit eigenen Regeln entwickelt. 600 Mannschaften in 40 Ländern spielen Quidditch, deutschlandweit gibt es Vereine, sogar einen internationalen Dachverband. Doch weil Rowling in den vergangenen Jahren vor allem auf Twitter mit Äußerungen zu Transsexualität auffiel, die teils als transfeindlich bezeichnet wurden, wird in der Quidditch-Szene über eine deutliche Distanzierung von ihr diskutiert. Rowling selbst dementiert, dass sie transphob sei. Der Dachverband, die "International Quidditch Association" (IQA) will die Sportart deshalb sogar in "Quadball" umbenennen.

Quidditch soll umbenannt werden, um sich von Rowling zu distanzieren

Die Sportart ist eine Mischung aus Rugby, Handball und Völkerball. Eigentlich sind es mehrere Spiele, die parallel stattfinden. Die Chaser versuchen, den Quaffel (einen Volleyball) durch Ringe – die Tore – zu werfen und dadurch Punkte zu erzielen. Gleichzeitig sind Beater unterwegs und werfen die Gegner mit Bludgern (Dodgeball-Bälle) ab. Wer von einem Bludger getroffen wird, muss vom Stab, oder Besen, steigen und zu den eigenen Toren rennen, bevor er weiterspielen darf. Außerdem gibt es einen Snitchrunner, der neutral ist und sich auf dem Spielfeld frei bewegt. Der Snitchrunner hat eine Socke mit einem Tennisball im Hosenbund (den Snitch), wer diesen Tennisball zu fassen bekommt, beschert seinem Team Punkte. Das Fangen des Snitch kann auch das Spiel beenden, wenn die Mannschaft bereits deutlich führt.

Da die Spieler Stäbe zwischen den Beinen haben, die Besen nach der Buchvorlage symbolisieren sollen, sorgt das dafür, dass sie ein gewisses Handicap haben und etwas langsamer sind. Außerdem kann man den Ball nicht einfach mit beiden Händen greifen und wie beim Rugby auf Kollisionskurs gehen. Die Spieler müssen den Ball durch Passen und Freilaufen durch einen der Ringe bugsieren. Trotzdem ist der Sport rau und körperlich fordernd: Schubsen und Stoßen ist unter Einhaltung bestimmter Regeln erlaubt. "Die Sportart hat bis auf die Inspiration und die Namen der Spieler und Bälle nichts mehr mit Harry Potter zu tun. Es ist eine ganz normale Sportart", erklärt Max Benzinger (genannt "Benz"), 27 Jahre alt und Vorstandsvorsitzender der Freiburger Bowtruckles.

Die Roman-Sportart Quidditch hat viel zu bieten

Das Aufwärmprogramm sieht erst etwas chaotisch aus, aber alle kommen gut in Bewegung. Man kann sehen, dass es sich um einen ernsthaften Sport handelt. Es gibt Aufwärmspiele, bei denen die Bälle bestimmten Spielern zugepasst werden müssen. Dann gibt es ein Spiel nach dem Vorbild von Ultimate Frisbee, um das Passen zu üben. Die Spieler geben alles und schicken den Ball schnell hin und her.

Warum sie das spielen? "Es ist etwas anderes. Wenn man zu den klassischen Sachen wie Fußball, Volleyball oder Tennis geht, fängt man bei null an. Bei Quidditch ist das egal. Du machst am Anfang alles falsch, aber jeder hat so angefangen", erzählt Benz. Die meisten Spieler sind zwischen 20 und 35 Jahre alt. Außerdem sind die Mannschaften vom Geschlecht her gemischt – das heißt Männer, Frauen und nicht-binäre Menschen spielen zusammen. "Jedes Geschlecht wird anerkannt. Die Quidditch Community ist sehr divers und hat viele queere Mitglieder", sagt Benz. In einer Mannschaft dürfen höchstens drei Spieler vom selben Geschlecht spielen. Eine Mannschaft besteht aus sechs Spielern. Die Deutsche Meisterschaft ist im Oktober in Bamberg, darauf bereiten sich die Bowtruckles bereits vor. Die besten Teams spielen dann auf europäischer Ebene weiter.

Auch die Freiburger Mannschaft will sich von Rowling distanzieren

Die umstrittenen Äußerungen zu Transsexuellen von Rowling hat die Mannschaft getroffen. "Wenn Rowling die Existenz von Trans-Menschen nicht anerkennt, dann finden wir das schlimm. Da können wir nicht hinter stehen", sagt Benz. "Wir sind froh, wenn wir den Sport in ’Quadball’ umbenennen können. Zum einen, um uns von den Äußerungen von Rowling zu distanzieren. Zum anderen, um zu zeigen, dass es sich um eine echte Sportart mit eigenen Regeln handelt", erklärt Benz. Man wolle die Sportart rechtlich unabhängig von der Harry-Potter-Marke machen. Denn aktuell besitzt die US-amerikanische Filmgesellschaft Warner Bros die Urheberrechte für den Begriff.

Der Name "Bowtruckles" kommt von einem Fabelwesen aus dem Harry-Potter-Universum. Es ist eine Art Pflanzenwesen aus dem Wald, daher die Verbindung zum Schwarzwald. Der Sport wird seit 2009 in Freiburg ausgeübt. Die Mannschaft gibt es seit 2014, vor einiger Zeit wurden Freiburg und Offenburg zusammengelegt.

Am Ende des Trainings legt sich der Staub, die Sonne geht unter, die Spieler haben alles gegeben. Sie sind müde, aber zufrieden.

Mehr zum Thema: