Radeln ohne Alter

Freiburger Projekt bietet Rikschafahrten für ältere Menschen an

Gina Kutkat

Ehrenamtliche steuern eine Rikscha, in der Bewohner von Alters- und Pflegeheimen sitzen – das ist das Konzept von "Radeln ohne Alter". Die Rikschas sind bereits bestellt, jetzt werden noch Mitfahrerinnen und Mitfahrer gesucht.

Den Wind im Haar, den Fuß auf der Pedale, die vorbeifliegende Landschaft im Blick: Für die meisten Seniorinnen und Senioren ist das Radfahren nur noch eine schöne Erinnerung oder eine bloße Fantasie. Denn aufgrund eingeschränkter Möglichkeiten können sie ihre Wohnung immer seltener verlassen und mit anderen Menschen in Kontakt treten.


An dieser Stelle knüpft das deutschlandweite Projekt "Radeln ohne Alter" an, das jetzt einen Ableger in Freiburg bekommt. "Wir möchten Menschen zusammenbringen, die sozial isoliert sind", sagt Projektleiterin Clara Speidel. Speidel und ihr Team, die seit 20156 bei "Bike Bridge" Fahrradkurse und Freizeitangebote für geflüchtete Frauen anbieten, möchten den Verein für eine weitere Zielgruppe öffnen. Geplant sind Rikschafahrten für Seniorinnen und Senioren aus Freiburg. "Vielen ist es aufgrund ihres Alters, Krankheit oder anderen Gegebenheiten nicht mehr möglich, selbst- und eigenständig Fahrrad zu fahren", sagt die 28-jährige Speidel.

"Jede(r) hat ein Recht auf Wind in den Haaren"

Zwei Rikschas und viele Menschen sollen das ändern: Die zweirädrigen Gefährte sind bereits bestellt, im Mai sollen die ersten Ausfahrten beginnen. Soweit der Plan: Momentan will das Team natürlich die weiteren Entwicklungen im Zuge des Coronavirus abwarten. Trotzdem werden schonmal Ehrenamtliche gesucht, die in die Pedale treten, sowie ältere Menschen aus Freiburg, die Lust auf eine kostenlose Rikschafahrt haben.

Unter dem Motto "Jede(r) hat ein Recht auf Wind in den Haaren" geht’s dann auf Tour: Jeweils zwei ältere Mitfahrer haben vorne Platz, für die Fahrenden gibt es Räder mit E-Antrieb. Egal ob Seniorenheim, eigenes Haus, Wohngruppe oder Sozialgebiet: Die Senioren werden zu einer ein- bis zweistündigen Fahrt an ihrem Wohnsitz abgeholt. "Wohin es geht, ist jedem Rikscha-Team freigestellt", sagt Clara Speidel. Eine Kaffee-Ausfahrt sei genauso denkbar wie ein Ausflug in den Park, inklusive Eisessen. Nur eins ist wichtig: "Die Rikschas sollen nicht als Taxen umfunktioniert werden", so Speidel.

"Wohin es geht, ist jedem Rikscha-Team freigestellt." Clara Speidel, Projektleiterin.
Sie sei von Anfang an von dem Projekt "Radeln ohne Alter" angetan gewesen, sagt die studierte Sportwissenschaftlerin. In der Fahrradstadt Freiburg sollte es für alle möglich sein, das Fahrradfahren zu erleben. Seit 2017 gibt es den Verein in Bonn, in den letzten Jahren kamen immer mehr Standorte in Deutschland dazu – jetzt auch Freiburg. "Das Konzept passt zu uns", sagt Speidel.

Über 225 Teilnehmerinnen haben in den letzen Jahren in ihren Bike-Bridge-Kursen von mehr als 125 Ehrenamtlichen Fahrradfahren gelernt. Für Speidel und ihr Team ist es eine innere Motivation, aktiv etwas in der Gesellschaft zu bewegen – auch wenn es nur im Kleinen ist. "Wir haben gemerkt, wie groß der Bedarf ist und wie viel Positives die Vernetzung bewirken kann", sagt sie.

Die ursprüngliche Idee stammt übrigens aus Dänemark, dort wird "Cycling without age" seit 2012 organisiert. Und wie bekannt ist, sind die Dänen das glücklichste Volk in Europa.
Radeln ohne Alter meets Bike Bridge

Radeln ohne Alter meets Bike Bridge ist das neue Freiburger Projekt von Bike Bridge e.V. in Kooperation mit Radeln ohne Alter Deutschland e.V..Wer Interesse hat, in einer Rikscha mitgenommen zu werden, kann sich unter clara@bikebridge.org melden und einen Termin vereinbaren. Und auch, wer gerne Rad fährt und ehrenamtlich Rikscha-Touren anbieten möchte, meldet sich unter der Email-Adresse.

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