Interview

Freiburger Poetry-Rapper: Es fällt mir schwer, gar nichts zu tun

Fabian Hajraj

Entspannte Beats und eine Portion Poetry-Rap: Das ist Tausendsassa! Seit vergangenem Jahr tritt er als Solokünstler auf. In seiner neuen Single "Infaulenza", die diesen Freitag erscheint, geht es um die Schnelllebigkeit in unserer Gesellschaft. Wir haben mit ihm gesprochen.

Ansgar Hufnagel, so der bürgerliche Name, ist 1987 in Schwäbisch Hall geboren und bekannt durch das Poetry-Slam-Duo "Einfach So". Mit mehr als 500 Auftritten ist er einer der umtriebigsten Künstler in der Szene und nahm 2017, 2018 und 2019 an den deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften teil. Wenn er gerade nicht auf der Bühne steht, arbeitet der 34-jährige Wahlfreiburger aufgrund von Corona bei Fairfood Freiburg in der Auftragsabwicklung.

Wie lange existiert der Tausendsassa als Figur schon und was verbirgt sich hinter dem Künstlernamen?

Tausendsassa: Der Tausendsassa existiert in der Form seit etwa einem Jahr. Davor war das Soloprojekt schon länger in Planung, bis ich meinen ersten Song im Oktober 2020 veröffentlicht habe. Auf den Namen bin ich gekommen, als ich bei einer Veranstaltung als kreativer Tausendsassa anmoderiert wurde. Seitdem hat mich der Name nicht mehr losgelassen. Er beschreibt meinen Weg bis hierhin, da ich schon immer sehr viele Sachen und Dinge in meinem Leben gemacht habe.



In deinen Poetry-Rap-Songs verbindest du Lyrik und Musik. Kannst du uns etwas darüber erzählen, wie die Texte entstehen?

Auf ganz verschiedenen Wegen. Beispielsweise ist ein Song entstanden, als ich mir von Danger Dan "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" angehört habe. Plötzlich hatte ich eine Grundidee für den Aufbau des Textes und daraus ist der Song "Immer Nie" entstanden. Der wird übrigens als nächste Single am 5. November veröffentlicht. Zu "Infaulenza" hat mich eine Freestylesession inspiriert. Einige Ideen habe ich aus der Session übernommen und das Ganze dann verfeinert. Andererseits finde ich meine Inspiration durch äußere Einflüsse oder von inneren Prozessen, die ich momentan verarbeite.

"Das Künstlerdasein mit all seinen Seiten habe ich schrecklich vermisst."

An diesem Freitag, 17. September, feiert dein neuer Song "Infaulenza" sein Debüt. Zu sehen ist das Musikvideo auf YouTube, bei dem es um die Schnelllebigkeit unserer Zeit geht. Was war bei dir der Auslöser das zum Thema zu machen?

Ich bin eine Person, die viel um die Ohren hat. Schon immer so gewesen. Doch es gab eine Situation, wo mir jemand gesagt hat, dass ich auch mal chillen muss. Hinlegen, Handy zur Seite und aus dem Fenster schauen. Lange hab ich es allerdings nicht ausgehalten, öfter musste ich mich erinnern zu entspannen. Da habe ich gemerkt, wie schwer es mir fällt, gar nichts zu tun.

Welche Message sollen die Menschen bekommen, nachdem sie "Infaulenza" gehört haben?

Dass es ausreicht, Dinge auch mal loszulassen, zu atmen oder den Schlaf nachzuholen. Gleiches gilt auch für mich. Außerdem geht der Song auch auf die Situation im öffentlichen Leben ein, wo alles auf Leistung beruht.

In welchen Situationen merkst du diese Schnelligkeit – privat oder auch in der Öffentlichkeit?

Themen, die in den sozialen Medien auftauchen, sind heutzutage kurzlebig. Meistens nur solange wichtig bis die nächste Neuigkeit kommt. Ein Thema jagt das andere. Privat merke ich es, wenn ich an Terminen in einem halben Jahr denke. Früher würde ich sagen, dass es noch ewig in der Zukunft liegt, heute aber wie schnell der Tag kommen wird.

Nun verlangsamt sich die Zeit durch die Pandemie und den Corona-Lockdown. Wie erging es dir während dieser Zeit?

Die Zeit war super durchwachsen! Zu Anfang war alles neu, sodass viele Menschen, genauso wie ich, jede Nachrichtensendung angeschaut haben, um auf dem Laufenden zu sein. Schnell habe ich gemerkt, dass mein Leben als Künstler nicht wie gewohnt weitergehen kann. Also habe ich mich in meinen Job gestürzt, um in kein Loch zu fallen. Es gab dennoch einige Phasen, in denen es mir schlechter ging. Das Künstlerdasein mit all seinen Seiten habe ich schrecklich vermisst, da ich nicht mit Auftritten planen konnte. Doch ich blieb weiterhin kreativ und wusste, dass ich genug Zeit habe, um ins Studio zu gehen und Songs aufzunehmen. Es hat mir geholfen, Dinge zu verarbeiten und mich von ihnen zu lösen. Mittlerweile bin ich als Solokünstler mit meinen eigenen Songs unterwegs und es fühlt sich gut an.

"Nächstes Jahr wird mein erstes Album Thema sein, die Pläne hierfür sind aber noch nicht konkret."

Zudem steht dein neues Soloprogramm "Das ist Kunst" in den Startlöchern. Worum geht es in dem Stück?

Es werden Geschichten über die Kunst erzählt: Was ist Kunst? Was kann die Kunst? Wie entschleunigt man dadurch die Zeit? Man betrachtet sie auf eine kleine, aber auch große Art und Weise. Das abendfüllende Programm besteht aus Poetry Slam und Kabarett-Beiträgen sowie einigen eigenen Songs. Mit zehn Terminen im Dezember letzten Jahres war alles geplant, fiel dann aufgrund der Lockdown-Einschränkungen aber ins Wasser. Durch mein Dasein als Tausendsassa habe ich gemerkt, dass ich viel Material zu bieten habe und dieses noch viel mehr in mein Programm miteinbeziehen kann. So wird die Sache nun zu einer Mischung aus Poetry-Rap und Kabarett. Bereits am 5. November werde ich "Das ist Kunst" in Emmendingen im Schlosskeller zum aller ersten Mal aufführen, fest steht ebenfalls der 11. November im Kammertheater des E-Werks Freiburg.

Was steht neben der Show noch auf dem Programm?

Wie schon erwähnt steht nach "Infaulenza" mit "Immer Nie" schon die nächste Single an und es werden noch mehr Musikvideos gedreht, die ich auf Youtube veröffentliche. Nächstes Jahr wird mein erstes Album Thema sein, die Pläne hierfür sind aber noch nicht konkret.