Interview

Freiburger Musikerin Lisa Huber veröffentlicht erste EP mit ihrer Band

Matej Snethlage

Die Freiburger Jurastudentin Lisa Huber hat im November mit ihrer Band ihre erste EP veröffentlicht. Im Interview erzählt Lisa Huber, wieso die Pandemie für die EP "Das was bleibt" auch eine gute Seite hatte.

Lisa, welche Art von Musik spielt ihr?

Wenn man die Musik in ein Genre einordnen müsste, würde ich es eine Mischung aus Pop und Singer-Songwriter nennen. Vom Sound her ist eher Popmusik, für mich persönlich sind die Texte aber sehr wichtig. Ich schreibe über die Menschen, die mich prägen und die Dinge, die ich erlebt habe. Ich sage immer, das ist wie mein musikalisches Tagebuch. Aber bei Singer-Songwriter stellt man sich eine einzelne Person vor, die auf der Bühne steht, und das sind wir ja nicht.

Genau, ihr seid eigentlich zu dritt. Wie habt ihr euch kennengelernt?

Über andere Musik-Projekte. Ich habe Luca an der Gitarre während eines Auftritts kennengelernt und wir wollten gleich zusammen was machen. Florian am Schlagzeug kenne ich von der Ministranten-Wallfahrt der katholischen Kirche nach Rom – dort haben wir zusammen als Band gespielt.
Unser erster gemeinsamer Auftritt war im August 2018. Das sollte damals eigentlich nur eine einmalige Geschichte werden. Aber der Auftritt hat so viel Spaß gemacht und wir haben so gut miteinander harmoniert, dass wir uns entschlossen haben, weiter zusammenzuspielen. Das war dann insofern auch ein Experiment; die Jungs kannten sich davor gar nicht. Zum Glück hat das alles gut geklappt.
Lisa Huber & Band

Die Gruppe besteht aus Lisa Huber (Gesang, Text), Luca Vetter (Gitarre) und Florian Stoll (Schlagzeug). Die drei sind über den Süden Deutschlands verteilt: Lisa wohnt in Freiburg und studiert Jura, Florian macht einen Physik-Master in Frankfurt und Luca wohnt in Karlsruhe und studiert Wirtschaftsingenieurswissenschaft. Gegründet hat sich die Band im August 2018.

Wie ist es dann weitergegangen?

Am Anfang haben wir vor allem Cover-Songs gespielt. Bei eigenen Songs waren wir immer etwas zurückhaltend. Im Mai 2019 hat sich das verändert. Wir hatten einen Auftritt, bei dem man nur eigene Songs spielen durfte. Am Anfang saßen wir noch so da und dachten uns: Krass, das ist eine große Herausforderung. Aber beim Auftritt haben wir auch gemerkt, dass Cover-Songs zwar schön und gut sind, aber wir eigentlich lieber unsere eigene Musik machen wollen. Und seitdem sind wir hauptsächlich mit unseren eigenen Sachen unterwegs.

Am 6. November habt ihr eure erste EP herausgebracht. Wann bei euch kam der Schritt: Wir wollen jetzt mehr als nur Auftritte machen?

Ein Freund, der auch Tontechniker ist, hat mich drauf angesprochen. Am Anfang war ich mir noch unsicher; eine EP aufzunehmen ist zeit- und kostenintensiv. Deshalb war das damals für mich noch ganz weit weg und unrealistisch. Aber die Idee hat sich über die Zeit in meinem Kopf festgesetzt. Dann kam Anfang des Jahres die erste Corona-Welle und er hat meinte: Ich habe gerade wirklich gar nichts zu. Er bot uns an, uns bei der Aufnahme zu helfen. Wir hatten auch noch Glück mit der Location: Im E-Werk konnte damals natürlich nichts stattfinden – deshalb durften wir dort unsere Sachen aufbauen und die Lieder aufnehmen.

Dadurch waren die Möglichkeiten, die vorher so weit weg waren, auf einmal ganz nah. Eigentlich nur ein glücklicher Zufall. Wir hätten das vorher nicht für möglich gehalten, aber wir haben dann im Juli tatsächlich unsere erste EP aufnehmen können.

Also war Corona für euer Band-Projekt eher eine Hilfe als ein Problem?

Voll. Ohne blöd klingen zu wollen, aber für unsere musikalische Weiterentwicklung war Corona und der Lockdown ein Segen. Für uns ist das leicht gesagt, hinter unserer Musik steht natürlich auch keine finanzielle Existenz. Wir haben von vielen Leuten, die wegen Corona eine Menge Zeit hatten, Unterstützung bekommen. Und zum Glück hatten wir das Jahr über auch noch ein paar wenige Auftritte, die uns geholfen haben, das alles zu finanzieren.

Aber ich nehme an, es ist schwieriger eure Musik zu verbreiten?

Als kleine Band funktioniert Leute erreichen eigentlich nur, wenn man live spielen kann. Wir wollten zum Release eigentlich auch in einem Lokal auftreten. Als sich schon angebahnt hat, dass das nichts wird, wollten wir wenigstens ein wenig auf der Straße spielen, um unsere EP vorzustellen und ein paar CDs zu verkaufen. Letzten Endes durften wir uns nicht einmal zu dritt treffen, weil wir drei verschiedene Haushalte sind. Ich habe mich dann mit Luca getroffen und Florian per Skype dazugeschaltet. Aber wir haben uns das natürlich anders vorgestellt.

Was wird denn jetzt auf die erste EP folgen?

Aktuell ist es natürlich schwierig in die Zukunft zu schauen. Wir wollen aber auf jeden Fall wieder live spielen, am liebsten in Städten, die wir noch nicht so gut kennen. Und es gibt auch noch genug Songs, die wir veröffentlichen wollen, die es aber nicht auf die EP geschafft haben. Ich bin mir sicher, dass das nicht das letzte Projekt von uns war. Wir haben große Pläne, obwohl wir auch immer etwas Angst haben, groß zu träumen. Aber ich hätte auch nie gedacht, dass diese EP so zeitnah realisiert werden kann.