Junge Kreative

Freiburger Modedesign-Studentin hat eine Corona-Kollektion entworfen

Lisa Ochs

Alltagsmasken als Oberteil und ein Rock als Abstandshalter: Die gebürtige Freiburgerin und Modedesignstudentin Zoë Aurivel hat sich von Corona inspirieren lassen. Mit fudder sprach sie über ihre Mode in Zeiten der Pandemie.

Weihnachten 2014: Damals ahnte die 15-jährige Zoë Aurivel nicht, wie sich ihr Leben nach diesem Tag verändern wird. Das Interesse an Zeichnen war schon immer da, als sie an Weihnachten eine Nähmaschine von ihren Eltern geschenkt bekommt. "Dadurch habe ich meine Leidenschaft für Modedesign entdeckt", sagt Zoë heute.


Zoë Aurivel ist 22 Jahre alt und studiert an der Hochschule in Reutlingen Modedesign. Die gebürtige Freiburgerin ist nach ihrem Abitur am St. Ursula Gymnasium einen eher ungewöhnlichen Weg gegangen. "Nach einem Jahr Reisen war mir klar: Ich will Modedesign studieren." Doch der Bewerbungsprozess, um an einer staatlichen Hochschule angenommen zu werden, ist lange und besonders schwierig. Man braucht eine Mappe mit verschiedenen Zeichnungen, muss eine Prüfung ablegen und am Ende werden nur 17 Studenten, zumindest in Reutlingen, angenommen. Zoë war eine davon und studiert seitdem an dieser Hochschule Modedesign. Das Studium dauert sieben Semester und nach jedem Semester muss eine Abschlussarbeit in Form einer Kollektion abgegeben werden.

"Inspiration finde ich an den Orten an denen ich lebe, die ich bereise und Menschen die ich kennenlerne."

"Haute Corona"

So entstand zum Beispiel in Bali ihre Surfer-Kollektion und in Innsbruck ihre "Haute-Corona"-Kollektion. Letztere hat Zoë in ihrem Praktikumssemester designt und umgesetzt. "Eigentlich hätte ich bei einem Label in Innsbruck ein Praktikum gemacht, doch Corona kam dazwischen", sagt Zoë. Das Praktikum wurde abgesagt und ihre Hochschule beschloss, dass ein Projekt statt Praktikum gemacht werden soll. Zoë wollte dennoch in Innsbruck bleiben und dort an ihrem Projekt arbeiten.

Von der Winterlandschaft in Innsbruck und der Corona-Pandemie inspiriert entstand ihre Haute- Corona-Kollektion. "Die Schnitte und Materialien sind ebenfalls von Corona beeinflusst", so die Designstudentin. Sie verwendet zum Beispiel Alltags-Masken als Oberteil oder einen zwei Meter langen Rock als "Abstandsmessung". Ein Outfit der Kollektion stellt sogar ein tragbares Zuhause dar.

Die Materialien wollte Zoë aus Gründen der Pandemie nicht neu aus dem Ausland bestellen. So kam es dazu, dass sie Aufrufe im Internet gemacht hat und Freunde und Bekannte nach Materialien fragte. Dadurch hat sie alte Fallschirme von einer Freiburger Fallschirmspringerin und sogar der Bundeswehr erhalten, eine Zeppelinhaut von der Zeppelin Werft in Friedrichshafen und eine LKW-Plane von einem Freiburger Architekten.



"Social distancing aber trotzdem connected"

Mit dem Zitat "Social distancing aber trotzdem connected" möchte Zoë sagen, das sie gerade in dieser Zeit gemerkt hat, dass man trotz der sozialen Beschränkungen auf die Hilfe von anderen zählen kann. "Gerade in der Arbeit an der Haute-Corona-Kollektion habe ich gemerkt, dass man trotz Covid-19 nicht allein gelassen wird und es möglich ist, in Zeiten wie diesen zusammenzuarbeiten, um etwas Tolles gemeinsam zu erschaffen." In Zusammenarbeit mit der Freiburger Fotografin Francesca Amann wird die Haute-Corona- Kollektion präsentiert. "Verkaufen werde ich die Kollektion nicht, da sie doch sehr futuristisch und wenig kommerziell ist. Aber ich hoffe, das ich meine zukünftigen Kollektionen natürlich irgendwann selbstständig vermarkten und verkaufen kann", sagt Zoë.

"Das nächste Semester wird ein Hybrid-Semester sein"

So geht’s weiter

Zoë wird das nächste Semester wieder an ihrer Hochschule in Reutlingen verbringen. Die Vorlesungen werden zum Teil online und zum Teil in Präsenz stattfinden. Manche Fächer wie zum Beispiel Schnittmusterlehre müssten in der Werkstatt der Hochschule stattfinden. Natürlich unter Einhaltung der Hygieneregeln.

"Auch für die neue Kollektion in diesem Semester steht Nachhaltigkeit im Vordergrund."

Inspiriert von Müll, der ans Wasser an Ferienorten und Inseln gespült wird, wollte Zoë zusammen mit einer Kommilitonin für die nächste Kollektion "Waters" wieder nachhaltige Materialien verwenden. Durch die aktuelle Situation gestaltete sich die Umsetzung schwierig und es kam zu einer Planänderung. Sie haben diverse Unternehmen und Labels nach Stoffresten gefragt und daraus ihre neue Kollektion genäht. Jetzt muss die neue Kollektion nur noch geshooted werden. Dafür befindet sie sich momentan in Costa Rica. Dort dreht sie auch einen Fashion-Film und die Dokumentation zu ihrer Kollektion "Waters". Die Dokumentation berichtet über andere Kulturen, die nachhaltig leben und nachhaltig Mode produzieren.

Für die Zukunft nach dem Studium erhofft sich Zoë, die fehlenden Praktika nachzuholen, um Erfahrungen in einem Label sammeln zu können. Sie möchte unbedingt weiterhin den Fokus auf Nachhaltigkeit in ihren Designs setzten. Als sehr sportliche Person möchte sie gerne ihre Hobbys wie Surfen und Snowboarden mit ihren Designs verbinden. "Toll wäre auch eine Mischung aus Funktionalität und Mode zu finden", sagt Zoë.
Instagram: @zoeaurivel


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