Frelo

Freiburger Leihfahrräder soll es bald testweise auch am Tuniberg geben

Simone Höhl

Vor einem Jahr startete Freiburg seinen Radverleih. Die Erwartungen seien übertroffen worden, so der Betreiber. Jetzt soll das Netz ausgebaut werden – testweise auch mit Leihstationen am Tuniberg.

Am Sonntag sind die 400 rot-weißen Freiburg-Velos ein Jahr alt geworden. Eine Studie hatte vor der Einführung jährlich 300000 Fahrten prognostiziert. Tatsächlich wurden die Räder im ersten Jahr 220000 Mal ausgeliehen. Trotzdem ist die VAG sehr zufrieden mit dem Anfangserfolg: Frelo gehöre damit zu den bundesweit erfolgreichsten Leihradangeboten.


"Wir wussten, es macht Sinn, aber wir sind auch überrascht von den Zahlen", sagt VAG-Vorstand Oliver Benz. Sie seien rasch angestiegen. Der stärkste Monat war der Oktober mit 26000 Fahrten, selbst Januar und Februar waren noch besser als gedacht. Dann kam Corona und statt der erwarteten Steigerung im März der Rückgang. Im April gab es keine 13000 Ausleihen mehr: Frelo verlor die Hälfte der Nutzer. Allerdings ist der Einbruch nicht so gravierend wie bei Bus und Bahn, die drei Viertel der Fahrgäste einbüßten, sagt Benz.

Studierende sind wahrscheinlich die Top-Ausleiher

Doch auch Frelo-Nutzer meiden öffentliche Angebote und machen Homeoffice – zumindest nach all dem, was man über die Nutzerinnen und Nutzer weiß. 16500 sind inzwischen registriert. Wie viele davon Freiburger, Berufspendler oder Touristen sind, ist nicht bekannt. "Das können wir nicht herausdröseln", sagt Benz. Was er weiß: 2400 sind Besitzer eines Regiokarten-Abos und 4700 Studierende, beide Gruppen radeln die erste halbe Stunde gratis. Für einen hohen Anteil Studierender und Pendler sprächen die Top-5-Ausleihstationen: Studierendensiedlung, Engelberger Straße, Europaplatz, Hauptbahnhof und Berliner Allee.

57 Stationen gibt es mittlerweile im Stadtgebiet, keine ist so schlecht frequentiert, dass Abbau droht. Zu Gewinn beziehungsweise Verlust im ersten Jahr gibt es keine Angaben. Das Unternehmen Nextbike betreibt den Verleih für die VAG, die Stadt Freiburg schießt maximal 300000 Euro im Jahr zu. "Die sind nicht ausgeschöpft", erklärt Benz nur. Mit der Differenz will die VAG den Verleih ausbauen.

Zusammen mit dem städtischen Garten- und Tiefbauamt plant die Stadttochter jetzt bis zu 20 neue Stationen, die im Sommer stehen sollen – gesetzt sind bereits das Bürgerhaus Zähringen und der Betzenhauser Torplatz.

Zudem gibt es probehalber von Juni bis November Stationen mit jeweils etwa fünf Rädern in Munzingen, Tiengen, Opfingen, St. Nikolaus, Waltershofen und Hochdorf sowie am Thermalbad, wenn es wieder öffnet. So kann zum Beispiel zwischen den Ortsteilen oder von der Haid zum Keidel-Bad geradelt werden, sagt Benz: Werden die Stationen durchschnittlich gut angenommen, werden sie zur Dauereinrichtung.

Ab Spätsommer sollen dann bis zu 20 Lasten-E-Bikes die Frelo-Flotte ergänzen. "Das oberste Ziel ist, die Mobilität zu verändern." Die VAG sucht auch Unternehmen für eine Kooperation: Die Firmen finanzieren eine Station, Frelo stellt ihnen die Leihräder vor die Tür.

Im Durchschnitt wird jedes Frelo-Velo zweimal am Tag ausgeliehen, das sei auch im nationalen Vergleich sehr gut, sagt Onur Semerci von Nextbike. Baubürgermeister Martin Haag wertet das als Zeichen, dass die Strategie für nachhaltige Mobilität in der Stadt aufgeht, während Benz’ Vorstandskollege Stephan Bartosch eine ideale Ergänzung zum ÖPNV sieht: "Wir sind begeistert."