Interview

Freiburger Lehrerin gewinnt Innovationspreis für digitales Lehren

Stephanie Streif

Im ersten Corona-Lockdown hat die Freiburger Lehrerin Judith Jahnke Erklärvideos gedreht und Podcasts aufgenommen: Dafür hat sie den Sonderpreis für "digitale Innovation in Corona-Zeiten" gewonnen.

Erklärvideos, Podcasts, Videokonferenzen – all diese Formate hat Lehrerin Judith Jahnke während des Lockdowns in ihren Fernlernunterricht eingebunden. Ihrer damaligen Klasse, der 4a der Schneeburgschule in St. Georgen, hat das so gut gefallen, dass sie die Lehrerin für den Freiburger Lehrerpreis vorgeschlagen hat. Gewonnen hat sie den Sonderpreis "digitale Innovation in Corona-Zeiten". Dafür gab es 500 Euro für die Klassenkasse. Sobald Corona nachlässt, soll das Geld in eine Feier investiert werden. Stephanie Streif hat mit der Lehrerin gesprochen.

BZ: Sie sind kein Digital Native. Trotzdem haben Sie ein Fernlernangebot auf die Beine gestellt, das Schüler wie Eltern toll fanden. Wie das?
Jahnke: Ich versuchte mir damals vorzustellen, wie das Lernen ohne Lehrkraft und ohne Klassenverband funktionieren kann. Orientiert habe ich mich an dem analogen Original. Vor Corona habe ich meinen Kindern in jeder Vesperpause vorgelesen. Weil das von zuhause aus nicht mehr ging, habe ich das digital gemacht und ihnen jeden Tag eine MP3-Datei mit einem Stück der Vorlesegeschichte hochgeladen. Weiter gab es einen Wochenplan, der viel Raum für kreative Aufgaben ließ, der aber auch, zumindest in meinen Fächern, dem normalen Stundenplan folgte. Die Aufgaben waren so gestellt, dass die Kinder sie nach Möglichkeit ohne die Hilfe ihrer Eltern bearbeiten konnten. Wichtig war mir auch, die Beziehung zu meinen Schülerinnen und Schülern aufrecht zu halten. So entstand die Idee, Zoom-Konferenzen abzuhalten, um zusammen Erklär-Videos oder Arbeitsblätter zu besprechen.

BZ: Fiel Ihnen die Umstellung von analog auf digital schwer?
Jahnke: Schwer fiel es mir nicht, aber ein bisschen Überwindung hat es gebraucht. Ich wollte ja auch, dass die Kinder dranbleiben und jeden Tag ihre Aufgaben machen. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass Corona mich dazu gezwungen hat.

BZ: Werden Sie auch künftig digitale Medien nutzen? Oder reicht es jetzt erstmal?
Jahnke: In meiner neuen Schule liegt der Medienraum unten im Keller. Wegen eines kurzen Erklärvideos trommle ich allerdings nicht meine Klasse zusammen und ziehe mit ihr durchs Schulhaus. Der Aufwand ist einfach zu groß. Was es braucht, sind Rechner und Beamer im Klassenzimmer. Die gibt es aber nicht. Um etwas an die Wand zu werfen, greife ich darum auf unseren Tageslichtprojektor im Flur zurück. Den muss ich nur ins Klassenzimmer rollen. Für mehr digitalen Unterricht braucht es aber nicht nur eine Infrastruktur, sondern auch Medienberater, die die Lehrkräfte beim digitalen Unterrichten unterstützen.
Judith Jahnke (54), ist verheiratet, hat drei erwachsene Töchter und wohnt in Freiburg. Bis zu den Sommerferien war sie Lehrerin an der St. Georgener Schneeburg-Grundschule. Seit Herbst unterrichtet sie an der Emil-Gött-Grundschule (Zähringen).