Corona-Pandemie

Freiburger Künstler zeigt Film über seine eigene Depression

Gina Kutkat

Der Freiburger Künstler Tim Weseloh ist im ersten Corona-Lockdown an einer Depression erkrankt. Er hat seine Erfahrungen in dem Film "Im Dunkeln" verarbeitet. Am 2. Dezember ist dieser im Rieselfeld zu sehen.

"Erdrückend." Das ist der Begriff, den der Freiburger Tim Weseloh verwendet, wenn er über die vergangenen Monate spricht. Die Zeit, in der ihn eine Depression einholte, weil er vor lauter Perspektivlosigkeit nicht weiter wusste. Er meint damit auch den künstlerischen Prozess, als er seine Erkrankung in dem Tanztheater "Im Dunkeln" verarbeitete, das aufgrund der Corona-Pandemie nicht aufgeführt werden konnte. "Es war ein ständiges Auf und Ab, ich musste immer wieder zurückrudern und neu planen," sagt der selbstständige Tänzer, Performer und Lichtgestalter.

"Im Dunkeln" – ein Film über Depression

Der 31-jährige Weseloh spürt auch eine erdrückende Machtlosigkeit, wenn er über die kommenden Wochen spricht. "Wie entwickelt sich alles und wie geht es weiter?" fragt er. Angst, wieder in ein tiefes Loch zu fallen, hat er jedoch nicht. "Ich habe jetzt Methoden, die mir helfen, wenn es mir schlecht geht." Eine Therapie half ihm, mit seiner Depression zu leben. Und sie half ihm auch dabei, sein Solo-Filmprojekt "Im Dunkeln" doch noch zu verwirklichen. Das Kunstprojekt, das er ursprünglich als Tanzstück auf eine Bühne vor reales Publikum bringen wollte. Am 2. Dezember wird nun der Film über seine Depression in der St. Maria Magdalena Kirche im Rieselfeld vorgeführt.
Was: Filmvorführung "Im Dunkeln"
Wann: Donnerstag, 2. Dezember, 20 Uhr
Wo: St. Maria Magdalena Kirche, Maria-von-Rudloff-Platz 1, 79111 Freiburg im Breisgau
Eintritt: frei
Anmeldung: mail@tim-weseloh.art

"Das war mit Abstand der anstrengendste Prozess, den ich jemals durchlaufen bin", sagt Tim Weseloh über die Arbeit zu "Im Dunkeln". Auf die Idee, ein Stück über seine Depression zu machen, kam er durch die Frage "Was beschäftigt mich zur Zeit am meisten?". In dem Moment habe er noch nicht über die Folgen nachgedacht. "Welche Hemmungen ich haben werde, meine Depression öffentlich zu machen." Denn bis zum damaligen Zeitpunkt wussten nur seine engsten Vertrauten, dass es ihm schlecht geht. Tim Weseloh zog Ende 2019 von Berlin zurück in seine Heimat Freiburg. Der Tänzer und Choreograph, der unter anderem bei Graham Smith am Theater Freiburg tanzte, wollte sich hier wieder ein Netzwerk aufbauen.

Als im März 2020 der erste Lockdown kommt, bricht dem Künstler seine ganze Stabilität weg. Er hat keine Aufträge, keine Projekte, lebt wieder in seinem Jugendzimmer bei seiner Mutter und durchlebt eine Trennung seiner damaligen Freundin. "Ich war total überfordert", sagt Weseloh. Ein Gespräch mit seiner Schwester überzeugt ihn, eine Therapie anzufangen. "Sie hat gesagt, dass sich mein Zustand nach einer Depression anhört." Er findet eine Therapeutin, die ihm eine leichte bis mittelschwere Depression attestiert – und durch die Gesprächstherapie geht es ihm langsam besser. "Ich kann nur jedem Menschen empfehlen, sich Hilfe zu holen", sagt Weseloh heute.

Depression aus der Tabuzone holen

Sein Film "Im Dunkeln" soll dazu beitragen, dass die Krankheit Depression aus der Tabuzone geholt wird. "Er lädt ein zu einem autobiographischen Einblick in die mentale Ungesundheit eines Kulturschaffenden", so Weseloh. Im Film verbindet er Videotagebucheinträge, die er während der Proben aufgenommen hat, mit Tanzszenen, die seinen mentalen Zustand widerspiegeln. Der Film wird vom Kulturamt Freiburg gefördert, Tim Weseloh bekam von Mayada Wadnomiry (Kamera) und Anna Kempin (Dramaturgie) Unterstützung.

Für die Zukunft hofft Tim Weseloh, dass er "Im Dunkeln" doch eines Tages vor Publikum aufführen kann.

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